Post plant Joint Venture mit französischer La Poste

Jürg Bucher

Postchef Jürg Bucher.

Bern – Die Schweizerische Post und die französische La Poste legen ihre internationalen Aktivitäten im Bereich der Briefpost zusammen. Das gemeinsame Unternehmen soll eines der weltweit führenden Unternehmen werden. «Zwei starke Unternehmen schliessen sich hier zusammen, um noch stärker zu werden», sagte Post-Konzernleiter Jürg Bucher am Mittwochabend gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Damit werde das gemeinsame Unternehmen zur Deutschen Post aufschliessen, die in diesem Bereich weltweit eine führende Stellung einnehme. Jürg Bucher rechnet beim Start mit einem Umsatz von einer halben Milliarde Franken, weist aber darauf hin, dass das weltweite Potenzial im Bereich der internationalen Briefpost über 10 Mrd CHF beträgt. Von diesem Kuchen will das schweizerisch-französische Unternehmen einen Teil abschneiden. Das internationale Briefpostgeschäft der beiden Unternehmen ergänze sich sowohl geografisch als auch im Hinblick auf ihr Produktangebot, sagte Bucher weiter. Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Märkte in Kontinentaleuropa, den USA und in Asien.

Start im Laufe des nächsten Jahres
Derzeit sind 1200 Mitarbeiter der Schweizerischen Post und 800 der französischen La Poste im internationalen Mailverkehrsgeschäft tätig. Der Verwaltungsrat und die operative Leitung sollen in den nächsten Wochen besetzt werden. Das von den beiden Verwaltungsräten bereits genehmigte Joint-Venture soll im Laufe des Jahres 2012 seine Tätigkeit aufnehmen. Das neue Unternehmen soll zu gleichen Teilen im Eigentum von La Poste und der Schweizerischen Post stehen. Es wird Geschäftssitze in Paris und Bern haben.

Im Unternehmen sollen alle grenzüberschreitenden Aktivitäten im Mailgeschäft von La Poste und der Schweizerischen Post verbunden werden. Ausnahmen bilden das ein- und ausgehende grenzüberschreitende Mailgeschäft von La Poste in Frankreich und dasjenige der Schweizerischen Post in der Schweiz.

Arbeiten begannen vor zwei Jahren

Mit La Poste Global Mail und Swiss Post International haben die französische und die Schweizer Post in den letzten Jahren eigenständige Firmen für die Abwicklung des internationalen Briefverkehrs aufgebaut. Vor rund zwei Jahren hätten sich die Leitungen beider Post-Unternehmen die Frage gestellt, wie es damit weitergehen soll, sagte Postchef Bucher weiter. Vor rund eineinhalb Jahren sei man dann übereingekommen, die Zusammenarbeit zu intensivieren und habe ein entsprechendes Projekt auf die Beine stellt.

Der postalische Universaldienst von La Poste in Frankreich und der Schweizerischen Post in der Schweiz ist vom Joint-Venture nicht betroffen. Das Joint-Venture steht unter dem Vorbehalt, dass alle erforderlichen regulatorischen Genehmigungen erteilt werden.

Post teilt Konzernbereich Swiss Post International auf
Parallel zur Zusammenlegung des internationalen Briefpost-Geschäfts mit Frankreichs La Poste teilt die Schweizerische Post den Konzernbereich Swiss Post International (SPI) auf. Dies kann zu einem Stellenabbau führen. Entlassungen sollen aber vermieden werden. Um im Wettbewerb zu bestehen, richte sich die Post künftig noch konsequenter auf ihre vier Kernmärkte aus, heisst es in einem Communiqué vom Mittwochabend. Der Verwaltungsrat habe deshalb entschieden, den Konzernbereich Swiss Post International (SPI) aufzuteilen. SPI ist mit seinen Angeboten im grenzüberschreitenden und internationalen Brief- und Paketversand bislang auf zwei Märkten (Kommunikation und Logistik) tätig.

Streich behält operative Führung bis Juni 2012
Neu wird das Kurier-, Express- und Paket-Geschäft per 1. Januar 2012 PostLogistics zugeordnet. Die restlichen SPI-Teile, darunter das Briefgeschäft, werden vorerst als organisatorische Einheit PostMail zugeteilt. Operativ bleibt die Führung der SPI-Einheiten bis zum 30. Juni 2012 beim bisherigen Leiter Jean-Pierre Streich. «Mittelfristig kann die Schaffung neuer Synergien zu einem Abbau von Stellen führen», schreibt die Post. Dabei werde die Post ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und alles unternehmen, um Entlassungen zu vermeiden. Für die Kundinnen und Kunden von SPI habe die Aufteilung keine Auswirkungen.

Die Gewerkschaft syndicom ist nicht gewillt, einen allfälligen Stellenabbau hinzunehmen, wie sie am Donnerstag festhielt. Bei den Anstellungsbedingungen der Mitarbeitenden von SPI und deren Tochterunternehmen SPIMAG und SPILOG dürfe es keine Verschlechterungen geben. Das hielt auch die Gewerkschaft transfair fest.  (awp/mc/upd/ps)

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