Richemont holt im Onlinegeschäft zum Befreiungsschlag aus

Jérôme Lambert
Richemont-CEO Jérôme Lambert. (Foto: Richemont)

Genf – Der Schmuck- und Uhrenkonzern Richemont ist nach dem Coronaschock des letzten Jahres zurück in der Spur: Die Umsätze sprudeln und kletterten sogar über das Vorkrisenniveau. Dem immer noch defizitären Onlinegeschäft soll Farfetch auf die Beine helfen.

Zusammen mit dem erfolgreichen Londoner E-Commerce-Unternehmen will Richemont rund um die Tochter Yoox Net-a-Porter (YNAP) einen unabhängigen Online-Marktplatz für Luxusgüter aufbauen. Die Pläne dazu seien fortgeschritten, doch noch würden weitere Gespräche dazu geführt, teilten die Genfer am Freitag anlässlich der Halbjahrespublikation mit.

Investoren gesucht
Für den gemeinsamen Absatzkanal suchen Richemont und Farfetch nun weitere Interessenten und Geldgeber, in erster Linie Firmen aus der Luxusgüterbranche. Das Ziel sei der Aufbau einer neutralen Onlineplattform, sagte Finanzchef Burkhart Grund.

«Damit wollen wir einen Wunsch verwirklichen, den wir seit Jahren verfolgen», ergänzte Richemont-Präsident Johann Rupert. Den Kern der Plattform bilden die YNAP-Welt und die Technologie von Farfetch, die laut Rupert «bemerkenswert gut» ist. Bereits im August hatten die beiden Firmen mit dem Internetriesen Alibaba zusammen eine Luxus-Online-Plattform für den chinesischen Markt lanciert.

Richemont holt just in dem Moment zum Befreiungsschlag aus, nachdem die Kritik am Geschäftsmodell lauter geworden ist. Anfang Woche wurde publik, dass der aktivistische US-Investor Dan Loeb sich am Konzern beteiligt hat und mit anderen Investoren Veränderungen fordert. Richemont gab zu diesen Vorkommnissen am Freitag keinen Kommentar ab.

Kräftige Erholung
Das Geschäft mit Schmuck und Uhren von Richemont läuft derweil auf Hochtouren: Von April bis September kletterte der Umsatz gegenüber der von Lockdowns und dem Einbruch im Tourismus-Geschäft stark belasteten Vorjahresperiode um 63 Prozent auf 8,91 Milliarden Euro. Damit sind die Verkäufe auch um ein Fünftel über den Vergleichswert aus dem ersten Halbjahr 2019/20 gestiegen.

Die guten Verkaufszahlen schlugen auf die Ergebnisse durch: Der operative Gewinn hat sich vor allem dank dem lukrativen Schmuckgeschäft – angeführt von der Marke Cartier – gegenüber dem Vorjahr auf 1,95 Milliarden Euro mehr als vervierfacht. Unter dem Strich verblieb ein Reingewinn in Höhe von 1,25 Milliarden nach nur 160 Millionen im Vorjahr.

Getragen werde die gute Entwicklung vom starken Wachstum in den USA und China, erklärte Finanzchef Grund. Dort finden auch die Uhren von IWC, Jaeger LeCoultre oder Piaget einen guten Absatz. In Europa und Japan gelang dagegen der Sprung über das Vorkrisenniveau noch nicht. Da fehlen die internationalen Touristen, die sich auf ihren Reisen mit teurem Schmuck und luxuriösen Uhren eindecken.

Aktie auf Rekordhoch
Mit den Geschäftszahlen und den Plänen zur Zukunft des Onlinegeschäfts hat Richemont an der Börse Begeisterung ausgelöst. Am Freitag schoss der Aktienkurs 11 Prozent auf 136,00 Franken in die Höhe. (awp/mc/pg)

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