Rieter 2011: Mehr Umsatz und Gewinn

Erwin Stoller

Erwin Stoller, VRP und Executive Chairman Rieter AG.

Winterthur – Der Textilmaschinenkonzern Rieter hat erstmals seit der Abspaltung des Automobilgeschäfts in die neue Firma Autoneum das Jahresergebnis publiziert. Umsatz sowie Betriebs- und Reingewinn sind im Geschäftsjahr 2011 deutlich gestiegen, wobei sich das Geschäft im zweiten Semester verlangsamt hat. Für 2012 wird ein weiterer Rückgang der Geschäftstätigkeit erwartet. Die Margen dürften zudem von verschiedenen Investitionsprojekten im laufenden und im kommenden Jahr belastet werden.

Der vergleichbare EBIT wurde im Geschäftsjahr 2011 um 49% auf 112,6 Mio CHF und die EBIT-Marge auf 10,8 von 9,0% gesteigert. Im EBIT sind Kosten für die Projekte zur Expansion in Asien von rund 10 Mio enthalten und Kosten für Prozessverbesserungen von ebenfalls rund 10 Mio, wobei der Grossteil im zweiten Semester anfiel. Der Reingewinn verbesserte sich um gut 43% auf 119,0 Mio CHF, wobei 47 Mio aus dem Veräusserungsgewinn durch die Reduktion des Anteils an Lakshmi Machine Works in Indien stammen, wie Rieter am Mittwoch mitteilte.

Steuerfreie Dividende

Es soll eine Dividende von 6,00 CHF je Aktie aus Reserven aus Kapitalanlagen, also steuerfrei, ausgeschüttet werden. Im Vorjahr hatte Rieter im Zusammenhang mit der Trennung vom Automobilgeschäft eine Sonderdividende in Forma einer Autoneum-Aktie ausbezahlt. Der Textilmaschinenbauer hat mit den vorgelegten Zahlen die Erwartungen der Analysten mit dem EBIT verfehlt, mit dem Reingewinn dagegen übertroffen.

Den Umsatz hatte Rieter bereits Anfang Februar bekanntgegeben. Er stieg um 22% auf 1,06 Mrd, wogegen der Auftragseingang um 34% auf 958,3 Mio einbrach. In lokalen Währungen gerechnet betrug das Plus beim Umsatz 27% und der Rückgang beim Bestellungseingang 31%. Rieter nannte Marktverwerfungen, die hohen Rohstoffpreise sowie Verunsicherung als Hindernis für neue Investitionen als Gründe für den Rückgang der Bestellungen. Weiterhin verfüge man indes über einen guten Bestellungsbestand, heisst es in der heutigen Mitteilung.

Verlangsamung ab dem zweiten Quartal

Das Geschäftsjahr sei insgesamt «erfreulich» verlaufen. Der Nachfrageboom von 2010 habe sich im ersten Quartal 2011 fortgesetzt, ab dem zweiten Quartal habe sich das Investitionsklima indes abzukühlen begonnen. Hohe Baumwollkosten und sinkende Garnpreise hätten den Druck auf die Margen und die Liquidität bei den Spinnereien erhöht. Auch das zweite Semester sei durch die Verunsicherungen wegen der Rohstoffpreisentwicklung und wegen der weltwirtschaftlichen Entwicklungen geprägt gewesen.

Ab dem zweiten Quartal bewegte sich der Markt laut Rieter gegenüber dem Vorjahr auf einem tieferen Niveau. Auch die Nachfrage nach Garnen sei 2011 zurückgegangen. Im zweiten Semester hätten die Spinnereien jedoch die Garnlager teilweise wieder abgebaut. Die Marktposition sei 2011 ausgebaut worden und die Bilanz sei stark. Auf dieser Basis sei die Investitionstätigkeit intensiviert worden, insbesondere in den grossen Wachstumsmärkten Asiens und zur Entwicklung marktspezifischer Produkte. Um die Grundlagen für weiteres profitables Wachstum zu schaffen, sollen die intensivierten Investitionen fortgesetzt werden.

Umsatzrückgang erwartet

So will Rieter in den Jahren 2012 und 2013 rund 90 Mio CHF für den «zügigen Ausbau» in Asien und in Produkteinnovationen investieren, rund die Hälfte davon soll 2012 anfallen. Für die weitere Verbesserung der globalen Prozesse sei zudem ein Gesamtbetrag von 50 Mio vorgesehen, wovon leicht mehr als die Hälfte bereits 2012 ausgegeben werden soll.

Investitionen belasten Marge

Für das Geschäftsjahr 2012 rechnet Rieter mit einem prozentualen Umsatzrückgang im höheren einstelligen Prozentbereich, wobei das erste Semester schwächer ausfallen dürfte als das zweite. Die geplanten Investitionen in Wachstumsprojekte werde die EBIT-Marge 2012 und 2013 um rund 1 Prozentpunkt mindern und die Investitionen in Prozessverbesserungsprojekte in beiden Jahren um weitere rund 2 Prozentpunkte. Ohne diese Projekte sei mit einer «volumenabhängigen Profitabilität» im Rahmen des Vorjahres zu rechnen.

Für 2012 zeichne sich eine heterogene Marktentwicklung ab. Wegen der ungewissen wirtschaftspolitischen Entwicklungen in grossen Ländermärkten sei die Visibilität für die Textilmaschinenindustrie derzeit beschränkt. Als wichtige Faktoren für die weitere Entwicklung nennt Rieter die Währungen, die Konsumentenstimmung in Europa und Nordamerika, das Wachstum des Faserverbrauchs in Asien und die Rohmaterialpreise. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.