Rieter H1: Etwas weniger Umsatz – deutlich mehr Aufträge

Erwin Stoller
Erwin Stoller, abtretender VRP Rieter. (Foto: Rieter)

Erwin Stoller, CEO und VRP Rieter. (Foto: Rieter)

Winterthur – Der Textilmaschinenkonzern Rieter hat im ersten Halbjahr 2013 etwas weniger Umsatz erzielt als im Vorjahr, der Bestellungseingang ist dagegen massiv angestiegen. Wegen des sich aufhellenden Marktumfelds hat das Unternehmen die Prognose für das Gesamtjahr erhöht. Als Folge des Wegfalls von ausserordentlichen Veräusserungsgewinnen ging der Gewinn markant zurück. Das operative Ergebnis wurde von den Kosten für das laufende Investitionsprogramm belastet, entsprach indes den Erwartungen des Unternehmens.

Der Umsatz verzeichnete gegenüber der Vorjahresperiode einen Rückgang um 2% auf 478,1 Mio CHF (Lokalwährungen -2%), stieg jedoch gegenüber dem zweitem Semester 2012 um 19% an. Der Bestellungseingang kletterte zum Vorjahr um 76% auf 711,4 Mio (LW +75%) nach oben und zum zweiten Semester immerhin noch um 63%, wie der Textilmaschinenbauer am Donnerstag mitteilte.

Türkei stark – Belebung in China und Indien
Die Erholung, die sich am Weltmarkt für Kurzstapelfasermaschinen und -komponenten im Lauf des zweiten Semester abgezeichnet hat, habe sich im ersten Halbjahr fortgesetzt. Der positive Trend habe alle grossen Märkte der Branche erfasst, wobei sich die Türkei dank eines staatlichen Förderprogramms besonders dynamisch entwickelt habe.

Eine höhere Nachfrage hätten verschiedene Länder in Asien verzeichnet und in den grossen Märkten Indien und China habe es eine leichte Belebung gegeben. Die Finanzierungssituation für die Kunden bleibe in den beiden letztgenannten Ländern aber anspruchsvoll. In den USA würden derzeit dank der günstigen Kostenstruktur Spinnereikapazitäten erneuert.

Niedrige Margen und Auftragsbestand
Der EBIT ging um knapp 46% auf 17,1 Mio CHF zurück, während sich die EBIT-Marge auf 3,6% nach 6,5% im Vorjahr verringerte. Betriebsergebnis und Marge entsprächen den Erwartungen, so Rieter, der Rückgang sei im Wesentlichen auf niedrigere Margen aus Aufträgen zurückzuführen, welche im Vorjahr abgeschlossen worden seien. Ausserdem gab es keinen ausserordentlichen Gewinn aus Devestitionen wie im Vorjahr. Im EBIT sind ausserdem Kosten von 10,4 Mio für das Investitionsprogramm enthalten. Vor strategischen Projekten erreichte der EBIT 27,5 Mio und die Marge 5,8%. Der Reingewinn schrumpfte um 77% auf 5,0 (VJ 21,5) Mio CHF.

Damit hat Rieter die Erwartungen der Analysten beim Reingewinn erreicht, bei den übrigen Kennziffern dagegen zum Teil deutlich übertroffen. Der AWP-Konsens für den Umsatz lag bei 442 Mio, für den Auftragseingang bei 467 Mio, für den EBIT bei 14,2 Mio und für den Reingewinn bei 5,1 Mio.

Prognosen erhöht
Das 2012 eingeleitete Investitionsprogramm für weiteres Wachstum habe Fortschritte in der Umsetzung erzielt, heisst es weiter zum abgelaufenen Semester. Die «überwiegende Mehrheit der Projekte liegt auf Kurs», so die Mitteilung. So soll unter anderem der Ausbau der Kapazitäten in den Hauptmärkten Indien und China bis Ende 2013 abgeschlossen werden. Der im Frühjahr 2013 angekündigte Stellenabbau werde zudem fortgesetzt.

Den Ausblick auf das Gesamtjahr 2013 hat Rieter angesichts des besseren Marktumfelds erhöht. Es sei aufgrund des aktuellen Bestellungsbestandes, welcher bereits bis 2014 reiche, mit einem Umsatzwachstum im höheren einstelligen Prozentbereich zu rechnen und auch mit einer volumenbedingten Zunahme des EBIT. Im März hiess es noch, es könne ein Umsatz mindestens auf Vorjahreshöhe erwartet werden und der EBIT solle ähnlich wie 2012 ausfallen. Im EBIT werden gemäss der Prognose rund 20 bis 25 Mio CHF an strategischen Projektkosten für das Investitionsprogramm 2012/13 enthalten sein.

Die Visibilität bezüglich der Entwicklung der Nachfrage für Textilmaschinen und -komponenten für 2013 bleibe aber weiterhin gering. Die Nachfrage hänge unter anderem von der Entwicklung der Garn- und Rohmaterialpreise, der Wechselkurse, der Finanzierungskosten und der weltweiten Konsumentenstimmung ab. (awp/mc/ps)

 

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