Rieter mit Bestellungseinbruch im ersten Halbjahr

Norbert Klapper, CEO Rieter. (Foto: Rieter)

Winterthur – Rieter hat im ersten Semester 2015 deutlich weniger Bestellungen an Land gezogen als im Vorjahreszeitraum. Für den CEO ist dies allerdings kein Grund zur Panik. Gleichzeitig konnte der Spinnereimaschinenhersteller im ersten Halbjahr den Umsatz und den Gewinn steigern. An den Jahreszielen hält das Unternehmen fest.

Die Nachfrage nach Spinnereimaschinen war im ersten Semester stark rückläufig. In den ersten sechs Monaten erhielt Rieter nur noch Aufträge über 388,3 Mio CHF, was 41% unter dem Volumen der Vorjahresperiode lag. Analysten hatten mit einem deutlichen höheren Wert gerechnet. Bei Konzernchef Norbert Klapper schrillen deswegen aber nicht die Alarmglocken. Denn einerseits sei der Auftragsbestand im Neumaschinengeschäft noch immer hoch, und andererseits sei die Nachfrage im After-Sales-Bereich und im Komponentengeschäft intakt.

„ITMA-Effekt“
Das Management erklärt sich den tieferen Bestellungseingang mit den tiefen Margen der Spinnereien sowie mit den Währungsturbulenzen. Vor allem aus der Türkei seien weniger Bestellungen eingetroffen, auch aus China sei die Nachfrage verhalten geblieben.

„Zudem rutschen wir immer näher an die Textilmaschinenmesse ITMA, die im November in Mailand stattfinden wird“, so Klapper weiter. „Viele Kunden warten derzeit ab, was dort an Neuerungen gezeigt wird.“ Rieter habe in allen drei Geschäftsbereichen ein „schönes Paket an Innovationen“ vorbereitet.

Höhere Profitabilität
Abgesehen vom Bestellungseingang entwickelte sich das Geschäft besser als im Vorjahreszeitraum bzw. als von Analysten erwartet: Der Umsatz stieg gegenüber der Vorjahresperiode um 6% auf 553,9 Mio CHF, wobei in Lokalwährungen ein Plus von 7% resultierte. Der EBIT legte sogar um 60% auf 46,1 Mio CHF (Marge: 8,3%) zu – wobei die Bereiche „After Sales“ und „Components“ zwei Drittel beisteuerten, obwohl sie nicht einmal ein Drittel des Umsatzes ausmachen.

Der Reingewinn verdoppelte sich auf 29,1 Mio CHF, wobei sich auch ein Gewinn von 5 Mio CHF aus dem Verkauf einer Liegenschaft positiv auswirkte.

Weniger Temporär-Angestellte
Die Frankenstärke ist für Rieter wegen des noch immer hohen Anteils der Produktion in der Schweiz eine Herausforderung. Marktanteile hat Rieter laut dem CEO aber kaum verloren. „Wir haben aber unsere Preise, dort wo es nötig ist, gesenkt“, betonte er.

Auf die Gewinnzahlen hat sich die Frankenstärke bislang dank verschiedener Massnahmen nicht ausgewirkt. Im zweiten Halbjahr soll ein „zweites Massnahmenpaket“ den Frankeneffekt „völlig kompensieren“, so Klapper weiter. So soll die Produktion in Winterthur in einem Gebäude zusammengelegt werden. Ein Stellenabbau sei bislang aber nicht beschlossen worden. Ausserdem will Rieter das Einkaufsvolumen in Franken reduzieren.

Zudem wurde wegen der tieferen Bestellmengen die Zahl der temporären Mitarbeiter reduziert: auf 871 von 1’265 im Vorjahr.

Unveränderte Ziele
Am Ausblick für das Gesamtjahr 2015 hält das Management fest. Demnach peilt es weiterhin einen Umsatz, EBIT und Reingewinn unter dem Vorjahr an. Die negative Auswirkung des starken Frankens auf den EBIT wird zudem weiterhin auf 100 bis 200 Basispunkte geschätzt. Beim Bestellungseingang wird kurzfristig „keine wesentliche Veränderung dieser Marktsituation“ erwartet.

Ausserdem gab das Unternehmen bekannt, dass wegen der Fokussierung auf das Kerngeschäft die Schaltag Gruppe an eine private Schweizer Investorengruppe verkauft worden sei. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Schaltag beschäftigt 250 Mitarbeiter und erzielt einen tiefen zweistelligen Millionen-Umsatz. (awp/mc/pg)

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