Roche-CEO: Europa harzt – Asien boomt

Roche-CEO Severin Schwan.

Basel – Roche-CEO Severin Schwan zieht eine insgesamt positive Bilanz aus einem teils schwierigen Geschäftsjahr 2011. Auf der negativen Seite führt der CEO in einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung «myRoche» (Ausgabe 2011/2) die wirtschaftliche Situation in Europa, den Rückschlag bei Taspoglutide und Einbrüche beim Absatz des Krebsmedikamentes Avastin an. Positiv entwickelt hätten sich u.a. die Produktpipeline und das Geschäft in Asien. Und auch das Vertrauen (der Investoren) in Roche sei gestiegen. Gegenüber «Bloomberg TV» sagte der CEO in einem Interview zudem, dass der Konzern für weitere Übernahmen offen sei.

Gegenüber der Mitarbeiterzeitung berichtete CEO Schwan u.a. von seinen positiven Erlebnissen während seiner jüngsten Asien-Reise. Es sei erfrischend, die Aufbruchsstimmung in China vor Ort zu spüren. «Ein Wachstum in China von mehr als 30% spricht doch für sich (…)», so der CEO. Zudem werde man in Asien als «unverzichtbarer Teil der Lösung im Gesundheitssektor gesehen». In Europa bekomme man manchmal eher das Gefühl, als Problem und nicht als Teil der Lösung betrachtet zu werden.

Fortschritte in Produktepipeline
Die schwierige wirtschaftliche Situation in Europa sei im Geschäftsjahr 2011 prägend gewesen. «Bei stagnierenden Verkäufen wurden wir zudem mit Preissenkungen und einer schlechten Zahlungsmoral konfrontiert. Ich rechne daher hier auch für 2012 mit einem schwierigen Umfeld», so Schwan weiter. Im Interview betonte der CEO wiederum die Fortschritte, die in der Produktpipeline gemacht werden konnten. «(…) 20 von 23 Studien in späten Phasen waren bis jetzt erfolgreich. Das ist beispiellos», so Schwan. Er habe immer an die Stärke des Konzerns geglaubt. Nun sei das Vertrauen in Roche auch in der externen Wahrnehmung gewachsen.

Keine neuen Kostensenkungsprogramme

Zwar seien die Einschnitte des Kostensenkungsprogrammes «Operational Excellence» zweifellos tief gewesen. Angesichts der Rückschläge bei Taspoglutide (bei Diabetes Typ-2), der Umsatzeinbrüche bei Avastin in der Indikation Brustkrebs in den USA und des verschärften Marktumfeldes sei dies aber unumgänglich gewesen. «Neue Initiativen dieser Grössenordnung brauchen wir nicht», sagte der CEO weiter. «Wir müssen die Kosten im Blick halten und die Produktivität kontinuierlich verbessern.»

Schwellenmärkte mit differenziertem Pricing fördern
Roche will gemäss Schwan den Zugang zu den Therapien weiter verbessern. «In Ländern wie Brasilien, China oder Russland konnten wir in den letzten Jahren deutliche Fortschritte machen. Grundsätzlich befürworte ich stark, Preise differenziert zu gestalten. In Ländern mit geringerer Kaufkraft wird weniger gezahlt.» Dazu brauche es aber einen gesellschaftlichen Konsens, dass reichere Länder mehr bezahlten. «Wenn marode Staatshaushalte dazu führen, dass sich Gesundheitssysteme am niedrigsten Preis orientieren, müssen wir wieder zu einem Einheitspreis übergehen», so der CEO weiter.

Für Übernahmen offen
Der Konzern sei weiterhin für Übernahmen offen. Eine Grössenordnung wie beim Kauf des Diagnostikunternehmens Ventana 2008 für 3,4 Mrd USD komme in Frage, sagte Schwan gegenüber «Bloomberg TV». Wenn es Möglichkeiten gebe, werde Roche diese auch anpacken. Auch mittelgrosse Zukäufe wie in der Vergangenheit könnte es geben. (awp/mc/ps)

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