Roche kauft US-Onkologiefirma Ignyta für 1,7 Mrd Dollar

Severin Schwan
Roche-CEO Severin Schwan. (Foto: Roche)

Basel – Der Pharmakonzern Roche baut sein Onkologieportfolio aus und kauft dazu das auf Krebs-Therapien spezialisierte US-Unternehmen Ignyta. Roche und Ignyta gaben dazu am Freitag den Abschluss einer verbindlichen und von den Verwaltungsräten beider Unternehmen einstimmig genehmigten Übernahmevereinbarung bekannt. Der Verwaltungsrat von Ignyta steht dem Angebot freundlich gegenüber und empfiehlt seinen Aktionären, ihre Titel anzudienen.

Roche bezahlt für die an der Nasdaq kotierte Firma 27 USD je Aktie in bar, was auf vollständig verwässerter Basis einen Gesamttransaktionswert von 1,7 Mrd USD ergibt. Damit bezahle man im Vergleich zum Schlusskurs von Ignyta vom 21. Dezember einen Aufschlag von 74%, sowie einen Aufpreis von 71% und 89% bezogen auf den jeweils 30- und 90-tägigen volumengewichteten Durchschnittskurs, rechnet Roche vor.

Roche will die Transaktion in der ersten Hälfte des kommenden Jahres 2018 abschliessen. Das Angebot ist an die Bedingung geknüpft, dass die Mehrheit aller ausstehenden Ignyta-Aktien angedient werden. Ausserdem richte sich die Transaktion nach den behördlichen Vorgaben von Unternehmenszusammenschlüssen und anderen üblichen Bedingungen, heisst es weiter.

Finanzieren werde Roche die Übernahme mit frei verfügbaren Mitteln und der Ausgabe eines Commercial Papers, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage von AWP.

Ausbau des Onkologieportfolios
„Die Vereinbarung mit Ignyta baut auf der Strategie von Roche auf, die Behandlung gezielt auf Patienten zuzuschneiden“, wird Pharmaceuticals-CEO Daniel O’Day in der Mitteilung zitiert. Sie werde es Roche ermöglichen, das Portfolio im Bereich der Onkologie zu erweitern und global zu stärken.

Ignyta ist in San Diego, Kalifornien, domiziliert und die Aktien werden mit einem Free Float von 100% an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt. Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf Präzisionsmedizin in der Onkologie ist den Angaben zufolge darauf spezialisiert, Krebserkrankungen, die durch seltene genetische Veränderungen verursacht sind, zu untersuchen, zu identifizieren und zu behandeln.

Hoffnungsträger Entrectinib
Der am weitesten fortgeschrittene Produktkandidat heisst Entrectinib. Entrectinib stehe in der entscheidenden klinischen Studie der Phase 2, die ein duales Zulassungsgesuch ermöglichen würde, heisst es. Es handelt sich um einen oral bioverfügbaren, im Zentralnervensystem (ZNS) aktiven Tyrosinkinase-Inhibitor, der gegen Tumore mit ROS1- oder NTRK-Fusionen entwickelt wird. Er eigne sich für die Behandlung von Patienten mit Nachweis von genetischen Veränderungen: ROS1-Fusionen bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs sowie NTRK-Fusionen bei einer grossen Anzahl solider Tumore.

Die kürzlich vorgelegten Daten zu Entrectinib, einschliesslich der STARTRK-2-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs mit ROS1-Fusion, hätten eine 78%ige (bei Beurteilung durch die Prüfärzte) und eine 69%ige (bei verblindeter, unabhängiger zentraler Analyse, BICR) objektive Ansprechrate gezeigt, heisst es weiter. Zudem sei ein medianes, progressionsfreies Gesamtüberleben von 29,6 Monaten gemessen worden, wobei 53% der Patienten in der Studie verblieben. Bei Patienten mit messbaren Gehirnmetastasen zeigte Entrectinib eine 83%ige bestätigte kraniale Ansprechrate, so Roche.

Ignyta soll den Betrieb in San Diego künftig fortsetzen und weiterhin die Verantwortung für die laufende, entscheidende klinische Studie mit Entrectinib übernehmen. Damit will Roche sicherstellen, dass diese wichtige Medizin ohne Verzögerung für Patienten entwickelt wird.

„Bolt-on“-Kauf mit Potenzial
An der Börse entwicketeln sich die Genussscheine von Roche in etwa so wie der Gesamtmarkt. Zum Handelsschluss stand ein Minus von 0,2% zu Buche und im Leitindex SMI von -0,32%.

Die Ignyta-Übernahme gehöre dem Bereich der „Bolt-on“-Targets im Bereich von 1 bis 5 Mrd CHF an und sei von Roche nicht überbezahlt worden, schreibt die ZKB in einem Kommentar. Mit Blick auf Entrectinib sei eine Zulassung im ersten Halbjahr 2019 zu erwarten und mit Blick auf den Einsatzbereich könnte ein Blockbuster daraus entstehen. In den USA sei für den Kandidaten die Breakthrough-Designation und in Europa die PRIME-Designation erteilt worden, weshalb eine Zulassung auf Basis einer Phase-II-Studie überhaupt möglich sei. (awp/mc/pg)

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