Roche: Gefälschtes Krebsmedikament in USA

Roche-CEO Severin Schwan.

Washington – Die Problematik der Arzneimittelfälschungen hat offenbar auch die Krebsmedizin erreicht. In den USA haben die Arzneimittelagentur FDA und die Roche-Tochter Genentech am Donnerstag vor Fälschungen des Biotech-Medikaments Bevacizumab («Avastin») gewarnt. «Das gefälschte Produkt enthält keinen echten Wirkstoff, nämlich Bevacizumab. Das könnte bedeuten, dass Patienten nicht die benötigte Therapie erhielten», warnte die FDA.

Der monoklonale Antikörper Bevacizumab wird in der Therapie mehrerer Tumorerkrankungen eingesetzt. Er soll die Gefässneubildung verhindern und so Tumoren die Blutversorgung entziehen und die Bildung von Metastasen hemmen. Das Medikament gehört zur sogenannten «zielgerichteten Therapie» bei einer Krebserkrankungen. Er wird zum Beispiel bei Dickdarm- und Lungenkrebs – zumeist in Kombination mit einer Chemotherapie – eingesetzt. Allein in den USA hat «Avastin» vergangenes Jahr nach Angaben von Roche einen Umsatz von 2,34 Mrd CHF (-14%) gemacht. Eine Packung des Produkts zur intravenösen Verabreichung kostet dort 2’400 USD (2’200 CHF).

Als «Roche»-Produkt ausgegeben
Nach Angaben der FDA wurden die gefälschten «Avastin»-Packungen als Produkte von Roche und mit französischem Aufdruck verkauft. Die Arzneimittelbehörde wies am Donnerstag darauf hin, dass in den USA einzig «Avastin» der Roche-Tochter Genentech zum Verkauf zugelassen sei. Die FDA hat 19 Arztpraxen vor der Verwendung des gefälschten «Avastin» gewarnt. Sie tauchten offenbar als Empfänger von Lieferungen zweiter Pharma-Versandgrosshändler auf. Die Verbreitung solcher Fälschungen in Arztpraxen könnte in den USA bei solchen Produkten leichter erfolgen, weil dort auch Krebstherapien zu einem guten Teil ausserhalb von Spitälern – oft auch privat bezahlt – erfolgen. Das macht die Überwachung schwieriger.

Riesengeschäft für Fälscher

In den westlichen Industriestaaten vor allem von Fälschungen betroffen sind relativ teure Medikamente, die nicht von der Grundversicherung der Krankenkassen erstattet werden. Bekanntes Beispiel sind Potenz- und Abnehmpillen, die vor allem via Internet gehandelt werden. In den Entwicklungsländern ist aber auch beispielsweise die Vermarktung von Antibiotika-Fälschungen ein Riesengeschäft. 2009 wurde beispielsweise weltweit ein Arzneimittelumsatz von rund 800 Mrd USD (rund 736 Mrd CHF) gemacht. Je nach Anwendungsgebiet für Medikamente kamen Fälschungen laut Schätzungen auf einen Anteil von 7 bis 15%. Zu unterscheiden sind Fälschungen ohne Inhaltsstoff, mit giftigen, exakt «nachgebauten» oder nur ähnlichen Wirksubstanzen. Oft stammen die Präparate aus dem Fernen Osten, zum Beispiel aus China. (awp/mc/ps)

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