Schmolz+Bickenbach schreibt Riesenverlust

Schmolz+Bickenbach schreibt Riesenverlust
(Symbolbild)

Luzern – Der Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) hat im zweiten Quartal die konjunkturelle Abkühlung durch die Corona-Krise noch deutlicher zu spüren bekommen als im ersten. Absatzmenge und Umsatz sind beschleunigt gesunken und die Gewinnziffern liegen im tiefroten Bereich.

Die Produktionsunterbrechungen in der europäischen Autoindustrie ab Ende des ersten Quartals und der Konjunktureinbruch insgesamt belasteten die Stahlnachfrage. So sank die Absatzmenge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 38 Prozent auf 301 Kilotonnen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Dabei büssten alle drei Stahlkategorien Qualitäts- & Edelbaustahl, rost- säure- und hitzebeständiger RSH-Stahl sowie Werkzeugstahl deutlich ein.

Umsatz bricht um 42 Prozent ein
Wegen des tieferen Stahlpreises ging der Umsatz um knapp 42 Prozent auf 469,9 Millionen noch stärker zurück. Im ersten Quartal gaben Absatz und Umsatz noch um 17 Prozent bzw. 20 Prozent nach.

Die Einbrüche beim Absatz und beim Konzernergebnis seien „drastisch“ ausgefallen, lässt sich in der Mitteilung CEO Clemens Iller zitieren. Zusätzlich zu den weitreichenden Stillständen grosser europäischer Automobilproduzenten und ihrer Zulieferer habe sich ab April auch im Maschinen- und Anlagenbau ein negativer Trend bemerkbar gemacht. Dies habe das Unternehmen seinerseits gezwungen, Werke „weitreichend und anhaltend“ stillzulegen.

Hoher Verlust
Unter diesen Umständen hat S+B einen massiven Verlust eingefahren. Das adjustierte Betriebsergebnis (EBITDA) war mit -45,8 Millionen Euro deutlich negativer als noch im ersten Quartal, während im Vorjahr noch ein Gewinn von 40,5 Millionen resultierte. Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 159,1 Millionen Euro übrig, nach einem Verlust 13,6 Millionen in der Vorjahresperiode.

Verschuldung reduziert
Trotz des Verlustes ist es dank einer Kapitalerhöhung und dem Liquiditäts-Management gelungen, die Verschuldung gegenüber Ende 2019 um knapp 22 Prozent auf 624,9 Millionen Euro zu reduzieren. Die Anpassung der Finanzierung an Covid-19 sei mit einer Backstop-Fazilität durch den Ankeraktionär BigPoint „auf gutem Weg“, heisst es in diesem Zusammenhang.

Um die bereits laufende Transformationsorganisation zu stärken, wurde in der Funktion eines „Chief Restructuring Officers“ Josef Schultheis in die Geschäftsleitung berufen. Mit dem Programm befinde man sich indes „auf Kurs“.

Der Blick nach vorne ist mehr als vorsichtig. Trotz der ab Mai leicht steigenden Kundenaktivität komme die Nachfrage nur sehr langsam zurück, heisst es. Eine vorsichtige Erholung auf tiefem Niveau werde nicht vor dem vierten Quartal 2020 spürbar sein. Eine verlässliche Schätzung zum operativen Ergebnis im Gesamtjahr sei aufgrund der bestehenden Unsicherheiten nicht möglich. (awp/mc/pg)

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