Schmolz+Bickenbach: Weniger Umsatz – deutlicher Ergebnisrückgang

Blankstahl

Blankstahl aus der Produktion von Schmolz+Bickenbach. (Bild: Schmolz+Bickenbach)

Emmenbrücke – Der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach hat im ersten Halbjahr 2012 die im Rahmen der Euro-Krise gestiegenen Unsicherheiten und die dadurch sinkende europäische Nachfrage nach Stahl zu spüren bekommen: Der Umsatz ging um gut 5% zurück und die Ergebnisse brachen aufgrund des stärker werdenden Wettbewerb- und Preisdrucks ein. Das Management erwartet ein anhaltend schwieriges Marktumfeld im zweiten Halbjahr und hat zusätzliche Massnahmen zur Senkung des Kostenblocks beschlossen.

Von Januar bis Juni erwirtschaftete Schmolz+Bickenbach einen Umsatz von 1,97 Mrd EUR, entsprechend einem Rückgang von 5,4%. Der EBITDA sank stark um 36% auf 126,5 Mio und die Marge ging auf 6,4% von 9,5% zurück, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Beim EBIT erlitt das Unternehmen eine Einbusse von 54% auf 66,3 Mio und der Reingewinn sank um beinahe drei Viertel auf 18,0 Mio. Während der Umsatz im Rahmen der Erwartungen der Analysten lag, verfehlten die Ergebnisse die Vorgaben klar.

Der Free Cash Flow sank mit -5,6 Mio EUR in den Negativbereich nach einem Plus von 13,1 Mio im Vorjahr. Die Bilanzsumme erhöhte sich seit Ende 2011 leicht auf 2,79 Mrd und die Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen in derselben Periode auf 912,1 Mio von 860,4 Mio. Das Eigenkapital blieb mit 845,6 Mio nahezu unverändert und die Eigenkapitalquote sank leicht auf 30,2%.

Schmolz+Bickenbach investierte im Halbjahr 46,9 Mio EUR nach 38,1 Mio im Vorjahr. Die wichtigsten Investitionen seien ins Sekundärmetallurgische Zentrum der Deutschen Edelstahlwerke GmbH am Standort Witten und in das neue Stahl- und Schmiedewerk von A. Finkl & Sons Co. (US) in Chicago geflossen.

Sinkende Nachfrage in Europa
Die Finanz- und Währungskrise habe im ersten Halbjahr in Europa auch in der Stahlbranche zu einer Eintrübung der Nachfrage, zu niedrigeren Bestellungseingängen und in der Folge zu einer reduzierten Produktionsmenge geführt, heisst es weiter. Zudem seien aufgrund des härteren Wettbewerbs und der gesunkenen Rohmaterialpreise für Schrott und Legierungen die Margen unter Druck gekommen. «Verhalten positiv» habe sich der zunehmend wichtiger werdende nordamerikanische Absatzmarkt entwickelt.

Nachdem in den ersten Monaten des Jahres vor allem die südeuropäischen Länder vom Nachfragerückgang betroffen waren, machte sich die Abschwächung allmählich auch auf anderen europäischen Märkten bemerkbar, so die Mitteilung. Vor allem im Hauptabsatzmarkt Deutschland gehe dies mit einer höheren Wettbewerbsintensität durch das zunehmende Angebot südeuropäischer Stahlproduzenten einher.

Der Automobilbereich sei von der schwachen Nachfrage der französischen und italienischen Hersteller gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu halte sich die deutsche Autoindustrie – insbesondere im Premiumsegment – gut. Zu einer Abflachung der Auftragseingänge war es auch bei der für den Konzern wichtigen Maschinenbauindustrie gekommen.

Vorsichtig im Ausblick – Restrukturierung
Das Management geht von einem weiterhin schwierigen Marktumfeld aus und erwartet im Gesamtjahr rückläufige Umsätze und ein deutlich tieferes Ergebnis als im Vorjahr. Die abgeschwächte Nachfrage aus Europa dürfte einige Zeit anhalten. Mit Blick auf die Entwicklung der Rohstoffpreise und der Absatzmengen werde der EBITDA im zweiten Halbjahr aufgrund der geringeren Auslastung der europäischen Aktivitäten unterhalb der Ergebniswerte des ersten Halbjahres liegen. Im Gesamtjahr sollte aber dennoch ein leicht positives Ergebnis vor Steuern (EBT) resultieren.

Neben dem laufenden Kostenoptimierungsprogramm hat Schmolz+Bickenbach gezielte Restrukturierungsmassnahmen beschlossen. So sollen bei der deutschen Schmolz+Bickenbach Distributions GmbH über Standortoptimierungen und Personalreduktion dauerhaft weitere rund 13 Mio EUR eingespart werden. Diese Massnahmen lösen im zweiten Halbjahr Restrukturierungskosten von 12 Mio aus. Bei der Deutschen Edelstahlwerke GmbH strebt die Gruppe über die Reduktion von Temporärarbeit und dem Absenken der Arbeitszeit von 35 auf 31,5 Stunden die Woche jährliche Einsparungen im Umfang von rund 20 Mio pro Jahr an. (awp/mc/ps)

 

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