Schweiz und Grossbritannien einigen sich auf Handelsabkommen

Schweiz und Grossbritannien einigen sich auf Handelsabkommen
Guy Parmelin und der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle. (Foto: X/ParmelinG)

Bern – Nach drei Jahren haben die Schweiz und das Vereinigte Königreich ihre Verhandlungen über ein erweitertes Freihandelsabkommen abgeschlossen. In diesem Rahmen einigten sie sich auf Bestimmungen zu Dienstleistungen, digitalem Handel und der Mobilität von Fachkräften.

Besonders davon profitieren sollen etwa Unternehmen in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Naturwissenschaften, wie Bundespräsident Guy Parmelin und der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle am Montag vor den Medien in Bern ausführten. Ihnen zufolge wird das Abkommen administrative Hürden senken und den Marktzugang verbessern.

Weiter soll es für Geschäftsreisende und Fachkräfte einfacher werden, grenzüberschreitend tätig zu sein. Das Abkommen sieht unter anderem vor, dass für die Mobiltelefonie keine Roaming-Gebühren mehr anfallen, wie die britische Botschaft in Bern in einem Communiqué in Aussicht stellte. Dazu kommen verbesserte Rahmenbedingungen für Datenflüsse und den Schutz des geistigen Eigentums.

«Historischer Deal»
Das Vorhaben soll der strategischen und wirtschaftlichen Partnerschaft «eine neue Dimension» verleihen, so Parmelin. Es sei nicht einfach gewesen, effektive Regelungen zu schaffen, ohne dabei bestehende Abkommen in Frage zu stellen, sagte er mit Bezug auf die Europäische Union. In diesem Kontext hätten die Diplomaten «eine aussergewöhnliche Kreativität» bewiesen. Kyle sprach gar von einem «historischen Deal».

Der Abschluss setze zugleich ein geopolitisches Signal, hiess es in der Mitteilung von Parmelins Wirtschaftsdepartement. Die beiden Wirtschaftsnationen unterstrichen damit ihre Bereitschaft, «in einem von zunehmender Fragmentierung und handelspolitischer Unsicherheit geprägten Umfeld auf offene Märkte, verlässliche Regeln und eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zu setzen».

Das Freihandelsabkommen muss von den Parlamenten beider Länder genehmigt werden, bevor es umgesetzt werden kann. Gemeinsames Ziel ist es gemäss Parmelin, das Abkommen bis Ende dieses Jahres für die Unterschrift vorzubereiten. Im Anschluss folgen die jeweiligen innerstaatlichen Genehmigungsverfahren.

Zehntgrösster Handelspartner
Langfristig soll der Dienstleistungshandel durch das Abkommen laut britischen Angaben um jährlich 7,9 Milliarden Franken wachsen. Das entspricht einem Zuwachs um rund ein Viertel. Das bilaterale Handelsvolumen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich (Grossbritannien und Nordirland) belief sich vergangenes Jahr auf rund 57,8 Milliarden Franken. Die Schweiz ist somit der zehntgrösste Handelspartner des Vereinigten Königreichs.

Das bislang geltende Abkommen wurde 2019 abgeschlossen, unmittelbar vor dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union – dem Brexit. Es zielte darauf ab, die vor dem Brexit geltenden, gegenseitigen Rechte und Pflichten zu sichern. Darin vorgesehen waren auch Gespräche für eine Weiterentwicklung. Im Sommer 2020 führte der Bund eine öffentliche Interessenerhebung durch. Die nun beendeten Verhandlungen liefen seit 2023.

Die Schweiz verfügt über ein Netz von rund 40 Freihandelsabkommen. Die meisten davon wurden im Verbund mit der Europäischen Freihandelsassoziation Efta geschlossen. Mit dem Vereinigten Königreich hat sie ein bilaterales Abkommen, so wie etwa mit China und Japan. (awp/mc/pg)

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