Schweizer ÖV-Preise liegen im Europa-Vergleich im Mittelfeld

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Bern – Die Preise für den öffentlichen Verkehr (ÖV) in der Schweiz sind laut einer Studie im internationalen Vergleich gutes europäisches Mittelfeld. Im ÖV nehmen Preisdifferenzierungen zu. In Pilotprojekten werden neue Angebote ausgetestet.

«Einzelpreise im ÖV werden in der Schweiz als sehr teuer wahrgenommen und dargestellt», erklärte Helmut Eichhorn, Geschäftsführer von Alliance SwissPass, am Mittwoch in Bern. Die aktuelle Studie zeige aber, dass dies nicht so sei.

Die Studie im Auftrag des Informationsdienstes für den öffentlichen Verkehr Litra wurde an der Medienkonferenz vorgestellt. Verglichen wurden bei der Infras-Studie die ÖV-Preise der Schweiz mit jenen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Grossbritannien.

Generell zeigte sich, dass der ÖV in Österreich vergleichsweise günstig und in Grossbritannien teuer ist. Weniger Vergünstigungen gibt es im Ländervergleich in der Schweiz etwa im ÖV für Seniorinnen und Senioren, wenn sie innerhalb einer Stadt unterwegs sind.

«Vergleichsweise günstig»
Im Allgemeinen sind laut der Studie Fahrten innerhalb einer Stadt sowie Fahrten zwischen zwei Städten in der Schweiz vergleichsweise günstig. Gelegentliche Fahrten von der Stadt aufs Land liegen insgesamt preislich im Mittelfeld. Eher teuer sind Fahrten innerhalb eines Metropolitanraums.

Seit 2018 seien die ÖV-Preise für Einzelbillette und Abonnemente höchstens punktuell erhöht worden, erläuterte Mit-Studienautorin Maura Killer. Die Transportunternehmen hätten zudem seit 2016 von einer generellen Preiserhöhung abgesehen.

«Hervorragende Qualität»
Die Studie kommt zudem zum Schluss, dass der ÖV der Schweiz im Ländervergleich eine «hervorragende Qualität» aufweist. Punkto Pünktlichkeit, Angebotsdichte und Netzwerk erhält sie die Note «sehr gut». Bei der Geschwindigkeit belegt die Schweiz hingegen den letzten Platz.

Die Angebots- und Preisvielfalt nehmen in allen Ländern stetig zu. Vor zehn Jahren habe es im ÖV-Sektor vergleichsweise wenig Preisdifferenzierung gegeben, stellt die Studie weiter fest. Inzwischen gebe es in allen Vergleichsländern flexible Tarife, um mehr Kundinnen und Kunden anzulocken.

Mit dem Trend hin zu mehr Freizeitmobilität würden inzwischen Angebote eingeführt, um den öffentlichen Verkehr für Gelegenheits- und Freizeitreisende noch attraktiver zu machen.

Alliance SwissPass-Geschäftsführer Eichhorn strich die sehr hohe Angebotsdichte in der Schweiz im Vergleich zum Ausland hervor. Man habe sich hierzulande daran gewöhnt, dass es jedes Jahr neue Angebote gebe. Das habe seinen Wert und Preis. Die Schweiz sei beispielsweise das einzige Land mit dem automatischen Ticketing. Dabei entfällt der Billettkauf vor der Fahrt.

Diverse Pilotversuche
Der ÖV reagiert laut Eichhorn auf das veränderte Verhalten der Kunden. In verschiedenen Kantonen laufen derzeit Pilotversuche. Beispielsweise wird im Kanton Waadt und in Freiburg ein Flexi-Jahresabo getestet. Die SBB testen in einem Pilotprojekt ÖV-Guthaben. Hier zahlen Kunden 2000 Franken ein und es wird ihnen ein Guthaben von 3000 Franken gutgeschrieben.

Litra-Präsident Martin Candinas stellte denn auch fest, dass der ÖV stark in Bewegung sei, um den Zugang dazu so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten. Die Nutzerinnen und Nutzer müssten einen angemessenen Beitrag leisten. Die Politik solle diese Aufgaben dem ÖV überlassen und sich nicht einmischen.

Der ÖV leidet laut Candinas weiterhin unter der Homeoffice-Pflicht. Derzeit liege die Auslastung bei 70 bis 75 Prozent der normalen Auslastung. Der ÖV-Anteil am Gesamtverkehr sei durch die Corona-Pandemie deutlich geringer geworden.

Mit dem zweiten Unterstützungspaket für den ÖV hätten aber Ausfälle kompensiert werden können. Der ÖV habe insgesamt keinen Schaden erlitten. Positiv sei der Boom bei den Freizeitaktivitäten. (awp/mc/pg)

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