Schweizer Wirtschaft in Wartestellung

Konjunktur CH

Zürich – Die Geschäftslage der Schweizer Unternehmen hat sich nach einer ungünstigen Entwicklung im Verlauf des 2. Quartals 2012 im Juli wieder verbessert. Sie präsentiert sich derzeit wieder ähnlich gut wie im Winterhalbjahr 2011/2012. Die Geschäftserwartungen der Befragungsteilnehmer sind allerdings zurückhaltender als vor drei Monaten. Die Zahl der Mitarbeiter wird zwar mehrheitlich nicht als zu hoch angesehen, die Unternehmen planen aber seltener, zusätzliche Mitarbeiter ein­zustellen. Die Schweizer Wirtschaft ist in Wartestellung.  

In der Industrie hat sich die Geschäftslage leicht verschlechtert. Die Unternehmen sind  mit den vorhandenen Auftragsreserven etwas 80 unzufriedener als im April. Die Hersteller von Vorprodukten und von Investitionsgütern berichteten das gesamte erste Halbjahr 2012 vonzu kleinen Auftragsbeständen. Auch zu Beginn des 3. Quartals beurteilen sie die Auftragsreserven als zu gering. Diese beiden Hauptgruppen werden stark von der inländischen und ausländischen Investitionstätigkeit beeinflusst. Die schwache Weltkonjunktur spiegelt sich daher in besonderer Differenz zwischen Anteilen der positiven und negativen Antworten Weise in diesen Bereichen wider.

Industrie-Kapazitätsauslastung erneut rückläufig
Aktuell hat zudem die Zufriedenheit der Gebrauchsgüterproduzenten mit den Auftragsbeständen spürbar abgenommen. Zwar sind die Auftragsbücher hier vorwiegend weiterhin gut gefüllt, doch hat der Anteil der Unternehmen, welche die Auftragsreserven als gross bezeichnen, merklich abgenommen. Dies deutet darauf hin, dass auch die Konsumgüterhersteller den Einfluss der internationalen Konjunkturentwicklung zunehmend spüren. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie hat nochmals abgenommen und ist derzeit mit 80.7% klar unterhalb des langjährigen Durchschnitts von mehr als 83%. Die Produktionspläne der Firmen sind momentan auf Expansion ausgerichtet, allerdings etwas weniger stark als bisher. Die Personalplanungen sind leicht restriktiver. Die Geschäftserwartungen der Industriebetriebe sind weiterhin negativ, aber nicht so skeptisch wie in der ersten Jahreshälfte.

In der Bauwirtschaft hat sich die bislang schon sehr gute Geschäftslage abermals verbessert. Die Befragungsteilnehmer berichten erneut häufiger von vollen Auftragsbüchern.  Die Unternehmen sind bezüglich der Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten weiterhin sehr zuversichtlich, jedoch nicht mehr ganz so optimistisch wie bisher.

Im Detailhandel hat sich die Geschäftslage nach Rückschlägen im Verlaufe des 2. Quartals 2012  im Juli wieder verbessert. Die Geschäftslage wird von den Händlern aktuell geringfügig günstiger als zu Beginn des 2. Quartals eingestuft. Die überhöhten Lagerbestände haben leicht abgenommen. Die Befragungsteilnehmer blicken zudem zuversichtlicher auf die Umsatzentwicklung in der nahen Zukunft.

Die Grosshändler sind mit ihrer derzeitigen Geschäftslage weniger zufrieden als zu Beginn des 2. Quartals 2012. Die Klagen über eine unzureichende Nachfrage haben zugenommen. Zudem erwarten die Befragungsteilnehmer eine leichte Abnahme der Nachfrage nach ihren Produkten.Die Geschäftserwartungen der Grosshändler sind nicht mehr so zuversichtlich wie vor drei Monaten.

Das Gastgewerbe berichtet weiterhin von einer sehr schlechten Geschäftslage. Sowohl die Beherbergungsbetriebe als auch die Gaststätten geben an, dass die Umsätze im Frühjahr deutlicher hinter dem Vorjahr zurückblieben als im Winter. Die Erwartungen bezüglich der Nachfrage in den nächsten drei Monaten sind bei den Beherbergungsbetrieben und bei den Gast­stätten pessimistischer als im 2. Quartal 2012. Sie planen daher auch wieder vermehrt Verringe­rungen des Personalbestandes.

Im Finanzsektor hat sich die Geschäftslage dagegen verbessert. Insbesondere die Versicherer empfinden ihre Mitarbeiterzahl deutlich als zu klein. Daher planen sie vermehrt Neueinstellungen. Aber auch bei den Banken haben sich die Beschäftigungsperspektiven etwas aufgehellt. Die Geschäftserwartungen sind im Finanzbereich weiterhin positiv, allerdings nicht mehr ganz so ausgeprägt wie im Vormonat.

Trotz den sehr unterschiedlichen Einschätzungen der einzelnen Branchen lässt sich die Lage der Unternehmen in der Schweiz angesichts der angespannten Situation im Euroraum weiter­hin als relativ günstig bezeichnen. In die Ergebnisse der aktuellen KOF Konjunkturumfragen im Juli 2012 sind die Antworten von mehr als 6500 Unternehmen aus der Industrie, dem Bau gewerbe und den wichtigsten Dienstleistungsbereichen eingeflossen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von etwa 53%.  (KOF/mc/ps)

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