Schweizer Wirtschaft wächst schnell – UBS erhöht Schweizer BIP-Prognose deutlich

Schweizer Wirtschaft wächst schnell – UBS erhöht Schweizer BIP-Prognose deutlich
(Adobe Stock)

Bern – Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 wie erwartet mit hohem Tempo gewachsen. Das Wachstum war breit abgestützt. Einen Extraschub gab es von der Chemie- und Pharmaindustrie. Auch die Ökonomen der UBS sind für die Schweizer Wirtschaft deutlich optimistischer geworden.

Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) legte in der Periode von April bis Juni 2026 auf bereinigter Basis gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent zu, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Donnerstag mitteilte. Eine erste Schätzung von Mitte August wurde damit bestätigt.

Damit hat sich das Wachstum deutlich beschleunigt. In den beiden Vorquartalen waren lediglich Wachstumsraten von je 0,5 Prozent beobachtet worden, im dritten Quartal 2025 war die Schweizer Wirtschaft sogar noch geschrumpft. Ein höheres Wachstum als nun gab es letztmals im Jahr 2021, im Zuge der Erholung nach der Corona-Krise.

Nachhol- oder Vorholeffekte?
Der Hauptgrund für das hohe Wachstum im zweiten Quartal war laut Felicitas Kemeny, Leiterin des Ressorts Konjunktur beim Seco, die Chemie- und Pharmaindustrie. «Diese steuerte 0,7 Prozentpunkte zum Wachstum bei», sagte sie.

Ob es sich dabei um tatsächliches Wachstum oder bloss um Vor- oder Nachholeffekte handelte, sei anhand der vorliegenden Daten schwer zu beurteilen, so die Expertin. «Tatsache ist aber, dass sich die Branche schon in den letzten Quartalen sehr volatil entwickelt hat.» So habe zum Beispiel im Vorquartal ein deutliches Minus resultiert.

Das hohe Quartalswachstum der gesamten Schweizer Wirtschaft könne daher nicht mit einem Boom gleichgesetzt werden, so Kemeny. Positiv ist laut der Seco-Ökonomin gleichwohl, dass abgesehen von Chemie und Pharma das Wachstum relativ breit abgestützt gewesen sei.

Die Wertschöpfung habe in zahlreichen weiteren Branchen zugenommen. Auch die Binnennachfrage sei nach einem schwachen Jahresauftakt wieder gewachsen.

Revision der Prognose?
Für das Gesamtjahr sagten die Ökonomen des Seco bislang ein Wachstum von lediglich 0,9 Prozent voraus. In zwei Wochen wird die nächste Prognose veröffentlicht. Eine Anhebung sei nach den guten Werten zum zweiten Quartal denkbar, so Kemeny. Denn das Ausmass des BIP-Anstiegs sei eine Überraschung gewesen.

Allerdings warnte sie vor allzu hohen Erwartungen: Ein Frühindikator zur Wirtschaftsentwicklung habe zuletzt nicht ganz an die guten Werte der letzten Zeit anknüpfen können.

Andere Experten sind euphorischer: «Es läuft in diesem Jahr gut für die Schweizer Konjunktur», meint VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. Die europäische Industrie zeige gerade eine «erstaunliche Erholung», erklärt er sich die Entwicklung. «Auch wenn sich der starke BIP-Zuwachs des zweiten Quartals nicht in dieser Grösse so schnell wiederholen dürfte, die Wachstumsraten werden vorerst robust bleiben», so seine Prognose.

UBS erhöht Schweizer BIP-Prognose deutlich
Auch die Ökonomen der UBS sind für die Schweizer Wirtschaft deutlich optimistischer geworden. Nach dem kräftigen Wachstum im zweiten Quartal 2026 heben sie ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr markant an. Eine Fortsetzung des zuletzt hohen Wachstumstempos erwarten sie allerdings nicht.

Neu rechnen die Experten der Grossbank für 2026 mit einem sportevent-bereinigten Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 1,8 Prozent, nach bislang vorhergesagten 0,7 Prozent. Auf unbereinigter Basis dürfte das Wachstum dank Sport-Grossanlässen gar 2,2 Prozent betragen, wie das Chief Investment Office der UBS am Donnerstag mitteilte.

Allerdings gehe man davon aus, dass ein Teil des überaus starken BIP-Wachstums im zweiten Quartal nicht nachhaltig ist. Denn das Trendwachstum in der wichtigen Chemie- und Pharmabranche sei nach den Zollmassnahmen der USA deutlich tiefer als früher. Für 2027 wurde die BIP-Prognose gleichwohl leicht auf 1,5 von 1,4 Prozent erhöht.

Gleichzeitig ist die hiesige Inflation im August mit 0,8 Prozent höher ausgefallen als von der UBS erwartet. Eine grundlegende Trendwende bei der Teuerung zeichne sich jedoch nicht ab, so der Kommentar.

Auch wenn die Inflationsrate vorübergehend über 1 Prozent steigen könnte, dürfte nach Einschätzung der UBS die zugrunde liegende Preisdynamik moderat bleiben. Entsprechend bleiben die Inflationsprognosen von durchschnittlich 0,6 Prozent für 2026 und 2027 unangetastet. (awp/mc/pg)

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