Seco: BIP in Q2 nach neuer Berechnung +0,2% statt Stagnation

Konjunktur
(SP-PIC - Fotolia.com)

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Bern – Die Umstellung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf ein neues europäisches System führt zu einem leichten Wachstum statt einer Stagnation des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) im zweiten Quartal 2014. Zudem wird das BIP wegen der Revision rückwirkend für den Zeitraum ab 1995 zwischen 5 und 6% höher ausgewiesen.

Für das zweite Quartal 2014 resultiert auf Basis des neuen Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) ein Plus des Schweizer BIP von 0,2% statt der bisher berechneten Stagnation (0,0%). Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich gar ein BIP-Wachstum von 1,4% anstelle des bisher berechneten Wachstums von 0,6%, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte.

Massgeblich für das stärkere Wachstum gemäss neuer Schätzung waren leicht höhere positive Wachstumsimpulse der Handelsbilanz mit Waren und Diensten. Die Abschwächungstendenz der Inlandnachfrage bleibe aber bestehen.

Warenexporte gestiegen
Die Ausgaben der privaten Haushalte stiegen gemäss den neuen Daten im zweiten Quartal 2014 zum Vorquartal um 0,3%. Dagegen waren die Konsumausgaben des Staates und der Sozialversicherungen leicht rückläufig (-0,2%) Einen Rückgang erlebten dagegen die Ausrüstungsinvestitionen (-0,4%), die nun neu auch Investitionen in Forschung & Entwicklung sowie Militärinvestitionen beinhalten. Einen klaren Rückgang zeigten auch die Bauinvestitionen (-1,1%).

Die Warenexporte nahmen im zweiten Quartal 2014 um 0,9% zu. Positive Impulse lieferten insbesondere Bijouterie und Uhren sowie Präzisionsinstrumente. Im Gegenzug stiegen die Warenimporte um 2,0%. Die Dienstleistungsexporte gingen derweil um 1,1% zurück, ebenfalls rückläufig waren die Dienstleistungsimporte (-2,8%).

Auf der Produktionsseite hat sich die Wertschöpfung in den meisten Branchen gemäss dem Seco kaum verändert. Industrie, Energie- und Wasserversorgung lieferten insgesamt einen positiven Beitrag zum BIP-Wachstum. Demgegenüber entwickelte sich die Wertschöpfung im Baugewerbe, im Handel, im Finanzsektor und in einigen staatsnahen Wirtschaftsbereichen stagnierend bis leicht rückläufig.

BIP von 635 Mrd Franken
Das BIP zu laufenden Preisen wird vom Bundesamt für Statistik (BFS) für das Jahr 2013 aufgrund der neuen Berechnungsart neu auf 635 Mrd CHF beziffert. Gemäss den ersten Schätzungen sei die Schweizer Wirtschaft zu Preisen des Vorjahres um 1,9% gewachsen (2012: +1,1%), so das BFS. Dabei war die inländische Endnachfrage der wichtigste Wachstumsmotor. Der Aussenhandel entwickelte sich dagegen rückläufig.

In der Periode 1995 bis 2012 stieg das BIP wegen der Umstellung gemäss BFS-Mitteilung um 5 bis 6%. Für das Basisjahr 2011 beträgt die Steigerung 5,7%. Nur knapp zwei Drittel der Veränderung erklärt sich allerdings aus der Übernahme der ESVG 2010, der Rest sei auf Änderungen der Berechnungsmethoden und den Einbezug neuer statistischer Informationen zurückzuführen.

Die Entwicklung der Wachstumsraten zu konstanten Preisen werde dagegen nur „mässig stark“ beeinflusst. Im Jahresmittel betrage sie +0,15 Prozentpunkte. Die Zunahme widerspiegle insbesondere das grössere Gewicht der wachstumsstärksten Branchen der Schweizer Wirtschaft gemäss der Umstellung von der Betriebszählung (BZ) auf die neue Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT).

International kompatibel
Mit der Implementierung der neuen Version des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) sind die Schweizer Daten international vollständig kompatibel. Gleichzeitig hat das BfS die Gelegenheit genutzt, gewisse Berechnungsmethoden zu überprüfen und neue Basisstatistiken zu integrieren.

Für die Ökonomen von BAKBASEL hat sich mit den revidierten Zahlen die grundlegende Einschätzung zum weiteren Konjunkturverlauf nicht verändert – auch wenn sich die Entwicklung um den Jahreswechsel 2013/14 etwas dynamischer als bisher ausgewiesen zeige, heisst es in einem ersten Kommentar. Sie rechnen für 2015 weiterhin mit einem BIP-Wachstum von 1,9%. 2014 dürfte allerdings aufgrund des höheren statistischen Überhangs „etwas dynamischer ausfallen als in der aktuellen Prognose von 1,4%“. (awp/mc/pg)

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