SGS erhält mit GBL neuen Mehrheitsaktionär: GBL erwirbt 15% an SGS

Chris Kirk

SGS-CEO Chris Kirk.

Genf / Brüssel – Im Aktionariat des Genfer Warenprüfkonzerns SGS kommt es zu einer gewichtigen Änderung. Die belgische Beteiligungsgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) hat von der italienischen Exor Gruppe deren 15%-Anteil an SGS übernommen. GBL bezahlt je SGS-Aktie einen Preis von 2’128 CHF (Schlusskurs 31.5.: 2’162 CHF), was bei 1,17 Mio Titeln einer Investition von rund 2 Mrd EUR entspreche, teilten GBL und Exor am Montag mit. Die Transaktion soll bis am 10. Juni zu einem Abschluss kommen.

GBL werde somit nebst der Von-Finck-Gruppe zu einem weiteren einflussreichen Aktionär von SGS, schreibt die Gesellschaft weiter. Die Transaktion sei über die italienische Tochter Serena in bar erfolgt und diene der Umgestaltung sowie der branchenweiten und geographischen Diversifizierung des Portefeuilles. GBL investiere in eine limitierte Anzahl von Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Branche eine marktführende Stellung einnehmen, heisst es weiter. Dabei agiere man als strategisch langfristig orientierter Aktionär. Nach Abschluss des Zukaufs werden sich die Cash-Position der Belgier auf 1,0 Mrd EUR und die verfügbaren Kreditlinien auf 1,2 Mrd belaufen.

Pargesa hält 50% an GBL
An der GBL hält die Genfer Beteiligungsgesellschaft Pargesa 50% des Kapitals und 52% der Stimmen. Für Pargesa werde die SGS-Beteiligung pro forma 15% des adjustierten transitiven inneren Werts ausmachen, schreibt Pargesa in einer separaten Mitteilung.

Die der Agnelli-Familie (Fiat) gehörende Exor schreibt, dass sie mit dem Verkauf des SGS-Beteiligung einen Kapitalgewinn von rund 1,53 Mrd EUR erzielen konnte. Exor sei über dreizehn Jahre lang, mit Vertretung im Verwaltungsrat, SGS-Aktionär gewesen. In dieser Zeit habe sich der Warenprüfkonzern stark entwickelt und den Umsatz von 2,4 Mrd CHF auf 5,6 Mrd gesteigert. Nun würden GBL und deren Besitzer, die Desmarais & Frère-Familien, SGS in die nächste Phase begleiten, so Exor-Chef John Elkann.

Überraschender Wechsel
Für die Bank Vontobel kommt der Wechsel im SGS-Aktionariat überraschend, denn dazu habe es im Vorfeld keine Hinweise gegeben. So hätten beispielsweise einige Exor-Verteter wie John Elkann oder Tiberto Brandolini d’Adda ihre Rolle im Verwaltungsrat von SGS «sehr aktiv» ausgeübt, während Sergio Marchionne, CEO des Fiat-Konzerns, immer noch den SGS-Verwaltungsrat präsidiere. Analyst Jean-Philippe Bertschy glaubt aber nicht, dass sich mit dem Wechsel viel ändern wird, da die Investment-Philosophie von GBL kaum von jener von Exor abweiche. Die wichtiste Frage sei, ob Marchionne weiter als Verwaltungsratspräsident von SGS amten werde oder nicht.

Für SGS ändere sich mit GBL wenig, meint auch Daniel Bürki von der ZKB. Der Konzern erhalte einen neuen strategischen Grossinvestor und der Free Float bleibe bei 70%. SGS passe sehr gut ins Beteiligungs-Portfolio von Pargesa/GBL, da sämtliche Beteiligungen europäische Konzerne mit zumeist globaler Ausrichtung seien. Aus Sicht von Pargesa sei die Transaktion zu begrüssen, für SGS habe sie einen «neutralen» Einfluss, fasst Bürki zusammen.

SGS-Titel halten sich über Markt
Die SGS-Aktien sind am Montag besser als die meisten anderen Schweizer Blue Chips in die neue Woche gestartet. Sie verlieren bis um 09.20 Uhr 0,7% auf 2’146 CHF, während der Gesamtmarkt gemessen am SMI um deutliche 1,9% nachgibt. Pargesa büssen derweil 1,6% auf 65,60 CHF ein. (awp/mc/upd/ps)

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