SGS baut um und steigert Profitabilität

SGS baut um und steigert Profitabilität
SGS-CEO Frankie Ng. (Foto: SGS)

Genf – Der weltweit tätige Warenprüf- und Inspektionskonzern SGS hat im Geschäftsjahr 2019 an Wachstumstempo verloren, steigerte aber die Profitabilität. Das Management um Konzernchef Frankie Ng baut das Geschäft mit gezielten Massnahmen um und steuert so auf die in Aussicht gestellte Zielmarge zu. An der Börse erklimmt die Aktie neue Höchststände.

SGS habe weiter in den „strategischen Umbau“ der Gruppe investiert und damit Fortschritte erzielt, teilte der Konzern am Dienstag mit. SGS versucht Geschäftsteile, die nicht genug Geld abwerfen, entweder zurück in die Spur zu bringen oder sie abzustossen. Da und dort werden zudem zu wenig profitable Verträge bewusst nicht mehr erneuert.

Fokus auf Rentabilität
Während SGS in den vergangenen Jahren in erster Linie Firmen dazugekauft hatte, standen 2019 grössere Verkäufe im Fokus. Am einschneidendsten war die Devestition der Petroleum Service Corporation (PSC) in den USA, was 335 Millionen US-Dollar in die Kassen spülte. Der Anbieter von Logistikdienstleistung für die Ölindustrie mit rund 3’500 Mitarbeitenden passte nicht mehr zu SGS.

Zugleich wird eifrig an der Kostenschraube gedreht: Total will Frankie Ng 90 Millionen Franken wiederkehrende Kosten einsparen, wovon 15 Millionen realisiert wurden. Den Rest werde man bis zum Jahresende hin umsetzen, versprach der CEO. Auf der Gegenseite belastete der Umbau die Rechnung 2019 mit 73 Millionen.

Die Restrukturierung trägt bereits Früchte: Im vergangenen Jahr steigerte SGS das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis um 4,6 Prozent auf 1,06 Milliarden Franken und die dazugehörige Marge um 0,5 Prozentpunkte auf 16,1 Prozent. Noch in diesem Jahr soll die Marge über die Schwelle von 17 Prozent geführt werden.

Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 702 Millionen Franken nach zuvor 690 Millionen. Den Aktionären will SGS derweil je Titel eine um 2 auf 80 Franken erhöhte Dividende zahlen.

Weitere Zukäufe
Das Wachstum verliert SGS trotz des eifrigen Sparens nicht aus den Augen. Der Jahresumsatz sank zwar um 1,6 Prozent auf 6,60 Milliarden Franken. Klammert man aber Währungseinflüsse sowie die Zu- und Verkäufe aus, dann resultierte ein organisches Wachstum von 2,6 Prozent. Im laufenden Jahr rechnet die Gruppe nach wie vor mit einem „soliden organischen Wachstum“.

Das Wachstum aus eigener Kraft wird laufend mit weiteren Zukäufen gezielt ergänzt. Im letzten Jahr waren elf neue Kleinstfirmen dazugekommen, allein drei davon im Bereich „Certification and Business Enhancement“. Im neuen Jahr kaufte SGS im Kosmetikbereich die US-Firma Thomas J. Stephens & Associates.

Das kräftigste organische Wachstum erzielte SGS im Konsum- und Handelsgeschäft (+5,4%). Dort wird mit 25,7 Prozent auch die höchste Marge erzielt. Daneben erreichen nur der Öl-, Gas- und Chemieteil sowie die Agrar- und Food-Sparte Umsätze von über einer Milliarde. Dort liegen die Margen mit 11,2 respektive 16,0 Prozent aber klar tiefer.

Sinkende Umsätze und Margen verbuchten die Bereiche „Governments and Institutions“ und „Transportation“, wobei SGS unerwartete Anpassungen von Importbestimmungen in Ghana sowie mehr Konkurrenz und eine rückläufige Nachfrage am Automobilmarkt zu schaffen machten. Die Aktivitäten des Geschäftsbereichs „Transportation“ hat SGS im neu angelaufenen auf andere Segmente aufgeteilt. Auch so soll gespart werden.

Wachstumschancen sieht Frankie Ng mit Blick auf die Klimadebatte im Bereich „Umwelt, Gesundheit und Sicherheit“. Da habe die Nachfrage nach den Dienstleistungen von SGS stark zugenommen, beispielsweise wenn es um Gesetze zum Schadstoffausstoss im Seeverkehr geht.

Höchstkurse an der Börse
An der Börse kletterten die Aktien von SGS nach Vorlage der Zahlen weiter in die Höhe. Zuversichtlich gestimmt hätten die Margensteigerung und das Festhalten an den Zielsetzungen, hiess es im Handel. Das neue Allzeithoch wurde bei 2’876 Franken gesetzt und zum Handelsschluss blieb ein Plus von 4,5 Prozent auf 2’843 Franken stehen. (awp/mc/ps)

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