Spitäler schätzen bisherigen Coronaschaden auf bis zu 1,8 Mrd. Franken

Triemli
Stadtspital Triemli in Zürich. (Foto: Triemli)

Bern – Die Schweizer Spitäler schätzen den bisherigen finanziellen Schaden durch die Corona-Massnahmen auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken – 80 Prozent davon wegen des Operationsverbots. Der Spitalverband H+ fordert nun einen Gesundheitsgipfel über die Kostenverteilung.

Allein das Behandlungsverbot bei nicht-dringlichen Eingriffen im stationäre und ambulanten Bereich vom 16. März bis am 26. April habe schätzungsweise zu finanziellen Ausfällen der Spitäler in der Höhe von 1,2 bis 1,4 Milliarden Franken geführt, teilte der Verein Spitalbenchmark am Freitag mit. Er hat dazu zusammen mit dem Beratungsunternehmen PwC eine Grobschätzung auf Basis einer repräsentativen Stichprobe bei 13 Spitälern, drei Psychiatrien und einer Rehabilitationsklinik vorgenommen.

Demnach schlugen die Mehrausgaben für die angeordnete Bereitstellung der Kapazitäten zur Bewältigung der Pandemie mit rund 300 Millionen Franken zu Buche. Dazu kommen Mehrkosten bei den Behandlungen durch die verschärften Hygiene- und Isolationsmassnahmen in der Höhe von rund 100’000 Franken. Nicht enthalten seien in diesen Zahlen die nicht gedeckten Behandlungskosten von Coronapatienten.

Viele Unbekannte
Auf das ganze Jahr hochgerechnet gehen Spitalbenchmark und PwC von finanziellen Ausfällen in der Höhe von 1,7 Milliarden bis 2,9 Milliarden Franken aus. Im pessimistischsten Szenario könnten die Spitäler ihr Leistungsniveau von rund 60 Prozent im April bis auf 95 Prozent im Dezember erhöhen. Damit würden sie im Gesamtjahr 88 Prozent des Vorjahres erreichen.

Im optimistischsten Szenario erreichten die Spitäler die Leistung des Vorjahres bereits wieder im August und könnten dann „mit entsprechender Planung und Organisation in den Herbstmonaten aufholen. Trotzdem würde auch in diesem Fall die Leistung mit 97 Prozent unter dem Vorjahr bleiben.

Dazu kämen zahlreiche unbekannte Faktoren, hiess es weiter. So sei zum Beispiel nicht bekannt, ob die während der Krise nicht erfolgten Eingriffe in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden könnten. Zudem könnte eine zweite Infektionswelle zu weiteren Einbussen führen.

Spitäler fordern Kostenverteilung
Der Spitalverband H+ fordert nun, dass die ungedeckten Mehrkosten und die Ertragsausfälle durch den Bund, die Kantone und die Versicherer kompensiert werden, wie er in einer Mitteilung schreibt. Die Spitäler hätten „in Rekordzeit Personal, Infrastrukturen und Material bereit gestellt“, damit die Coronapatienten zu jederzeit die notwendige medizinische und pflegerische Versorgung erhielten.

Zwar habe das Bundesamtes für Gesundheit (BAG) die geltenden Tarife angepasst. Doch das reiche nicht aus. Nach ersten Schätzungen von H+ anhand von Stichproben blieben fünf Prozent der Behandlungskosten im ambulanten Bereich ungedeckt, im stationären Bereich sogar zehn Prozent. Der Verband fordert deshalb Zuschläge auf die nicht-kostendeckenden Preise für ambulante und stationäre Behandlungen.

Ausserdem verfügten die Versicherer über Reserven in der Grössenordnung von rund 9 Milliarden Franken, schreibt H+ weiter. Diese sollten für unvorhergesehene Mehrkosten wie zum Beispiel bei einer Epidemie eingesetzt werden.

Durch das Behandlungsverbot hätten die Krankenversicherer Geld eingespart. Damit und mit den Reserven könnten die Covid-19-bedingten Zusatzkosten mehr als aufgefangen und so ein Prämienschub verhindert werden. Dazu müsse der Bundesrat so rasch wie möglich einen nationalen Gesundheitsgipfel einberufen, um die Frage nach der „gesetzeskonformen Kostenverteilung“ zu klären.

Absage der Versicherer
Die Krankenkassen erteilten den Forderungen der Spitäler eine Absage. Es gebe keine gesetzlich Grundlage für die Beteiligung mit Prämiengeldern und Reserven an Aufgaben, für die gemäss Gesetz der Bund und die Kantone zuständig seien, schrieb der Krankenkassenverband Curafutura auf Anfrage.

Die Kassen dürften nur erbrachte Leistungen finanzieren und die Prämien müssten zweckgebunden verwendet werden. Eine Abweichung davon könnte zu Prämienerhöhungen führen, hiess es weiter. Curafutura sei aber offen für Verhandlungen mit den Leistungserbringern über künftige Preisanpassungen.

Ähnlich tönte es bei Santésuisse. Die Reserven stünden den Prämienzahlern zu, sagte Sprecher Matthias Müller auf Anfrage. Auch er betont, dass es gegen das Gesetz verstossen würde, wenn die Prämienzahler für nicht erfolgte Behandlungen aufkommen müssten.

Zudem gebe zur Zeit keine Anzeichen dafür, dass die Gesundheitskosten im laufenden Jahr sinken könnten. Beide Verbände zeigten sich bereit, an einem Runden Tisch teilzunehmen. Gemäss Santésuisse ist ein solcher sowieso Ende des Jahres vorgesehen. (awp/mc/pg)

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