SRG integriert Produktionsfirma TPC – 40 Stellen werden abgebaut

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Fernsehstudio Leutschenbach mit Hochhaus, Bühnenturm und Meteo-Studio auf dem Dach. (Foto: SRF/Oscar Alessio)

Bern – Im Rahmen des Sparprogramms übernimmt die SRG bis Anfang 2020 die Produktionsfirma TPC wieder vollständig. Ausserdem entsteht ein neues IT-Kompetenzzentrum. 40 Stellen werden abgebaut, davon 20 durch Kündigungen und vorzeitige Pensionierungen. Die SRG erwarte, durch die Massnahmen zehn Millionen Franken pro Jahr einsparen zu können, teilte das Unternehmen mit. Der bisherige TPC-Chef Detlef Sold muss seinen Posten auf Mitte Jahr räumen.

Das Produktionszentrum des Schweizer Fernsehens war Anfang 2000 ausgegliedert worden. Die dadurch entstandene TPC AG mit heute rund 900 Mitarbeitenden blieb aber eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der SRG. Durch die Re-Integration sollen die Organisation und die Koordination der Produktionen vereinfacht und „vor allem auf Managementstufe“ Kosten gespart werden, heisst es.

Umfassendes Sparprogramm
Die SRG setzt derzeit ein Sparprogramm in der Höhe von 100 Millionen Franken um. Grund dafür seien die Reduktion und Plafonierung der Gebühren, sinkende Werbeeinnahmen, Einschränkungen im digitalen Werbemarkt und Investitionen in die Zukunft.

Um „das Programmangebot zu schonen“, würden vor allem Massnahmen in den Bereichen Immobilien, Infrastruktur, Technik, Produktionsprozesse und Verwaltung geprüft. Gemäss Gilles Marchand soll die SRG so reformiert werden, dass die Flexibilität und Effizienz verbessert und gleichzeitig das Programmangebot maximiert werden kann.

Neues IT-Kompetenzzentrum unter Leitung von Swiss TXT
An seiner Sitzung vom Mittwoch entschied der SRG-Verwaltungsrat deshalb weiter, bis Anfang 2020 ein neues Kompetenzzentrum für IT-Infrastruktur und IT-Services, Digitalproduktion und Distribution zu schaffen. Dieses werde von der Tochtergesellschaft Swiss TXT in Biel mit 179 Angestellten geleitet, die interne IT- und Infrastruktureinheit Init mit 100 Mitarbeitenden werde darin intetriert. Für die Gekündigten stehe ein Sozialplan bereit, hiess es.

„Hüst und Hott-Politik“
Die Gewerkschaft Schweizer Syndikat Medienschaffende (SSM) kritisierte in einer Mitteilung die „Hüst- und Hott-Politik der SRG-Spitze“. Das Reform- und Sparprogramm der SRG bestehe vor allem aus Verschieben, Zusammenstreichen, Auslagern, Re-Integrationen und Umstrukturierungen, ohne dass auch nur im Ansatz Details zur Umsetzung bekannt seien. Als „skandalös“ bezeichnete es das SSM, dass erneut die Angestellten den hohen Preis für „die Planspiele der SRG-Spitze“ bezahlten. Es sei an der Zeit, dass sich die SRG auf ihre Werte besinne und sich die Frage stelle, was und wer ein Service public-Unternehmen ausmache.

SRG schreibt schwarze Null
2018 schrieb die SRG einen kleinen Gewinn von 6,8 Millionen Franken. Das vergangene Jahr sei ganz im Zeichen der langen und intensiven Debatte über die No-Billag-Initiative gestanden, teilte die SRG am Donnerstag mit. Trotz des deutlichen Abstimmungssieges hatte das Unternehmen ein Sparprogramm in der Höhe von rund 100 Millionen Franken angekündigt und – damit verbunden – einen Abbau von 200 Stellen.

Grund für die Sparübung waren die anstehende Senkung und Plafonierung der Empfangsgebühren, rückläufige Werbeeinnahmen und neue Aufgaben im Leistungsauftrag, hiess es. Ausserdem beabsichtigte die SRG, 20 Millionen Franken in Spielfilme und Serien sowie in die Entwicklung eines digitalen Angebots zu investieren.

Weniger Grossereignisse
Wegen der Kosten für den Gebühren-Systemwechsel sanken diese Einnahmen bereits im letzten Jahr um 12,1 Millionen Franken. Dazu kamen 11,2 Millionen Franken für den Sozialplan und 34,1 Millionen Franken für Rückstellungen, um den Reformplan vorzubereiten. Auch der grosse Teil der um 20,4 Millionen Franken höheren Personalkosten sei auf Rückstellung im Rahmen des Sparprogramm zurückzuführen.

Die Werbeeinnahmen sanken um 11,9 Millionen Franken, dies vor allem aufgrund der Verlagerung auf digitale Kanäle und Social-Media-Plattformen. Und schliesslich nahm im letzten Jahr der Programm- und Produktionsaufwand um 50 Millionen Franken zu. Die SRG führt diesen Anstieg auf Kosten für die Übertragungsrechte und Produktionskosten von Sportgrossereignissen zurück, wie zum Beispiel die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang oder die Fussball-WM in Russland.

Der Verkauf eines Grundstücks brachte der SRG einen Buchgewinn von 63,2 Millionen Franken. Dadurch stiegen die Gesamteinnahmen im Vergleich zum Vorjahr zum 53,3 Millionen Franken und führten letztlich zum leichten Gewinn von 6,846 Millionen Franken. Das sind 22 Millionen weniger als noch von einem Jahr.

Verlust für 2019 prognostiziert
Richtig auswirken wird sich die Gebührensenkung von 451 Franken im letzten Jahr auf 365 Franken aber erst im laufenden Jahr. Die SRG rechnet deshalb für 2019 mit einem negativen Ergebnis.

Der Reformplan werde die SRG weiter beschäftigen. Doch das Unternehmen werde versuchen, die Auswirkungen auf das Personal und das Programmangebot „so gering wie möglich zu halten“, schreibt die SRG. Ziel sei es auf jeden Fall, 2020 wieder ein ausgeglichenes Ergebnis präsentieren zu können. (awp/mc/pg)

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