Stellenmarkt verliert stark im Vergleich zu Vorjahr

Arbeitslosigkeit
(Foto: PHOTOPRESS/Martin Ruetschi)

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Zürich – Der Frankenschock wirkt sich auf den Schweizer Stellenmarkt aus: Der Adecco Swiss Job Market Index (ASJMI) kann im ersten Quartal des Jahres 2015 kaum zulegen. Dies zeigt die Erhebung von der Universität Zürich im Auftrag von Adecco. Vor dem Hintergrund der unsicheren Währungsentwicklung bleibt der erwartete Frühjahresaufschwung fast komplett aus. Deutlich weniger Personal wird in der Industrie gesucht.

Saisonbereinigt 6 Prozent unter dem Wert des letzten Dezembers und 14 Prozent tiefer als im Frühling 2014: Der ASJMI belegt die sich seit einem Jahr verschärfende pessimistische Grundstimmung in der Schweizer Wirtschaft. Der Arbeitsmarktexperte Alexander Salvisberg von der Universität Zürich: „Die Aufwertung des Schweizer Frankens führt vor allem im Produktionsbereich zu grosser Unsicherheit bezüglich der Entwicklung im nächsten Halbjahr. Dies äussert sich auch in der zurückhaltenden Personalsuche.“

Deutlich wird die weitverbreitete negative Stimmung auf dem Arbeitsmarkt bei einem Vergleich mit dem Vorjahr. Alle Regionen zeigen seit dem Frühjahr 2014 einen substantiellen Rückgang im Stellenangebot von über 10%. Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen sind die Nordwestschweiz (–19%), die Genferseeregion (–15%) sowie die Ostschweiz (–14%). „Die Firmen stehen aktuell auf der Kostenbremse. Davon ist der gesamte Arbeitsmarkt betroffen“, sagt José M. San José, Mediensprecher von Adecco Switzerland.

Quartalsvergleich: Rückgang vor allem im Westen
Aktuell besonders zögerlich bei der Personalsuche sind im Vergleich zum Dezember die Firmen in der Genferseeregion (–7%) und im Espace Mittelland (–5%). In der Genferseeregion werden deutlich weniger Stellen im Bereich der persönlichen Dienstleistungen angeboten, während im Espace Mittelland der rückläufige Personalbedarf in industriellen und Verkaufsberufen ausschlaggebend ist. Das Stellenangebot in der Ostschweiz bleibt nahezu unverändert (–1%). Leicht zugenommen hat das Stellenangebot hingegen in der Region Zürich (+6%), in der Region Nordwestschweiz (+4%) und der Zentralschweiz (+3%). In der Region Zürich werden mehr technische Fachkräfte, in der Zentralschweiz mehr Personal für Büro- und administrative Berufe gesucht. Die Nordwestschweiz weist dank dem gesteigerten Stellenangebot in den Bereichen Handel und Verkauf sowie in der Informatik eine positive Tendenz auf, obwohl in dieser Region das Stellenangebot in der Produktion stark eingebrochen ist.

Weniger Stellen in der Industrie
Das erste Quartal 2015 zeigt in den meisten Berufsbereichen eine leichte Zunahme des Stellenangebots, das insgesamt aber deutlich hinter dem üblichen Zuwachs im Frühjahr zurückbleibt. Deutlich rückläufig ist jedoch der industrielle Bereich mit einer Abnahme von 9%. Vor dem Hintergrund der Kursentwicklung des Schweizer Frankens sind die Industrieunternehmen momentan bei der Einstellung neuen Personals besonders zurückhaltend.

Mehr Stellen werden in den Büro- und Verwaltungsberufen ausgeschrieben (+8%). Der überdeutliche Einbruch im letzten Quartal kann damit aber nicht wieder ausgeglichen werden. Bei den persönlichen Dienstleistungen ist die Nachfrage nach Personal um 4% gewachsen, wobei insbesondere mehr Reinigungsfachkräfte gesucht werden. Die Stellenangebote in Verkauf und Marketing, Medizin und sozialen Dienstleistungen, Finanz- und Treuhandwesen sowie in der Technik und Informatik steigen alle leicht im Umfang von 1 bis 3 Prozent. Die Personalnachfrage im Bereich Management und Organisation bleibt unverändert.

Vorjahresvergleich: Ein Viertel weniger Manager und Industriearbeiter – mehr Finanzer
Wiederum erhellt der Vorjahresvergleich die aktuelle Situation am besten: In den meisten Berufen ist die Personalnachfrage stark geschrumpft. Am stärksten in den Bereichen Management und Organisation (–26%) sowie in den Industrie- und Bauberufen (–25%). Auch in der Technik und Informatik (–18%) sowie im Gastgewerbe und den persönlichen Dienstleistungen (–18%) ist das Stellenangebot deutlich kleiner als im letzten Jahr. Etwas geringer ist der Rückgang in den Bereichen Büro und Verwaltung (–12%) sowie Verkauf und Marketing (–10%). Weitgehend verschont vom Einbruch bleiben die medizinischen und sozialen Dienstleistungen (–3%), wo Pflegepersonal und Lehrkräfte unvermindert gefragt sind. Im Bereich Finanz und Treuhand schliesslich liegt das Stellenangebot zwar nach wie vor auf tiefem Niveau, aber immerhin 4% über dem Vorjahreswert.

Rückgang auf Onlinestellenportalen
Ein Rückgang an Stellenausschreibungen führt bei den Onlinestellenportalen zu einer Abnahme um 6%. Die Ausschreibungen auf den Unternehmenswebsites nehmen um 4% zu, während in der Presse der übliche saisonale Einbruch von Ende Jahr wieder wettgemacht wird und das Stellenvolumen – auf tiefem Niveau – um 14% wächst.

Langfristig immer noch auf hohem Niveau
Im langfristigen Vergleich ist die Entwicklung allerdings zu relativieren: Der Gesamt-Index liegt im 1. Quartal 2015 auf derselben Höhe wie beim Rekordwert vor der Krise im Jahr 2008, vor allem dank dem Nachfragezuwachs bei medizinischen und sozialen Berufen. Bei den Regionen haben sich über die sieben Jahre die Nordwestschweiz und das Espace Mittelland gut gehalten, währenddem die Ostschweiz unterdurchschnittlich abschneidet. (Adecco/mc/ps)

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