Starke Zahlen, überraschender Chef-Wechsel: Straumann vor neuem Kapitel
Basel – Straumann ist in den ersten sechs Monaten weiter gewachsen. Dabei hat der Zahnimplantatehersteller sein Wachstum im zweiten Quartal gegenüber dem Auftakt. Allerdings rücken die Zahlen angesichts des überraschend angekündigten Chef-Wechsels etwas in den Hintergrund.
So tritt der langjährige Straumann-Chef Guillaume Daniellot auf Ende November hin zurück. Ab 1. Dezember übernimmt der Schwede Christopher Norbye die Führung, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Daniellot begründet seinen Abgang im Gespräch mit AWP vor allem mit dem aus seiner Sicht günstigen Zeitpunkt für einen geordneten Übergang.
«Straumann befindet sich in einer sehr starken finanziellen Situation, die Strategie liefert die erwarteten Ergebnisse – der Wechsel erfolgt also aus einer Position der Stärke heraus.» Die Entscheidung habe er bereits «vor einiger Zeit» getroffen und dem Verwaltungsrat mitgeteilt, dass Dezember 2026 für ihn der richtige Zeitpunkt sei. «Nach 20 Jahren bei Straumann, davon sieben als CEO, war es Zeit für frische Augen.»
Christopher Norbye wird neuer CEO
Der neue operative Straumann-Chef Christopher Norbye kommt vom Kältetechnikkonzern Beijer Ref, wo er zuletzt CEO war. Zuvor leitete er bei Assa Abloy die Division Entrance Systems mit einem Umsatz von 4 Milliarden Euro. Der 1973 geborene Norbye stösst bereits im Oktober zu Straumann, um den Führungswechsel vorzubereiten.
Wie sehr Daniellot von den Investoren und Analysten geschätzt wird, zeigt die Kursreaktion: Zum Handelsstart wurden die Papiere zunächst bis auf 90,60 Franken durchgereicht. Mittlerweile gehen sie zu 94,22 Franken (-5,5%) um. Und tatsächlich zeigen sich die Analysten mehrheitlich überrascht über die Nachricht. Der Wechsel stelle einen gewissen Unsicherheitsfaktor dar, heisst es in einem Kommentar.
Wachstum zieht im Q2 weiter an
Anders sieht es mit den vorgelegten Zahlen aus. Hier ist es Straumann gelungen, zum Teil weiter stark zu wachsen. Die Einnahmen kletterten im ersten Halbjahr auf 1,4 Milliarden Franken, ein Plus von 2,3 Prozent. Organisch, also ohne Akquisitionen und Währungseffekte, betrug das Wachstum 7,8 Prozent (VJ 10,2%). Dabei hat Straumann nach einem Plus von 7,1 Prozent im ersten Quartal das organische Wachstumstempo im zweiten auf 8,5 Prozent nochmals deutlich beschleunigt.
Zu dem Wachstum trugen zwar alle Regionen bei, vor allem die USA und China standen aber zuletzt verstärkt im Fokus. In den USA sei die Konsumentenstimmung zwar weiter vorsichtig, der Patientenzulauf aber stabil. «Die Region entwickelte sich weiterhin besser als der zugrunde liegende Implantologiemarkt», heisst es dazu.
In China wartet Straumann weiterhin auf die nächste Preisreform (VBP 2.0). Diese könnte nun möglicherweise in der zweiten Jahreshälfte beginnen und bereits zu Beginn des Jahres 2027 operativ umgesetzt werden. Allerdings bereitet dies dem scheidenden Chef keine Sorgen: «Wir haben uns rechtzeitig darauf vorbereitet», sagte er AWP.
Der Betriebsgewinn (EBIT) verbesserte sich auf 351 Millionen Franken von 330 Millionen. Unter dem Strich stieg der Reingewinn auf 251 Millionen (VJ 238 Mio).
Der vom Straumann-Management in den Vordergrundgrund gestellte operative Kerngewinn ging dagegen leicht auf 355 Millionen Franken zurück (VJ 358 Mio). Die entsprechende Marge lag damit bei 25,7 Prozent nach 26,6 Prozent in der Vorjahresperiode. Das Kernergebnis klammert gewisse Sonderposten aus.
Ausblick bestätigt
Für das laufende Jahr hatte Straumann bereits im Juni die Margenprognose angehoben. So soll sich die Kern-EBIT-Marge 2026 um 140 bis 170 Basispunkte verbessern. Für den Umsatz peilt Straumann unverändert ein organisches Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich an. (awp/mc/pg)
Christopher Norbye wird neuer CEO
Für Gesprächsstoff sorgt derweil die neue CEO-Besetzung. Straumann hat Christopher Norbye per 1. Dezember 2026 zum neuen operativen Leiter ernannt. Er folgt auf Guillaume Daniellot, der nach fast 20 Jahren im Unternehmen und sieben Jahren als CEO zurücktritt. Der neue operative Straumann-Chef kommt vom Kältetechnikkonzern Beijer Ref, wo er zuletzt CEO war. Zuvor leitete er bei Assa Abloy die Division Entrance Systems mit einem Umsatz von 4 Milliarden Euro.
Der 1973 geborene Norbye stösst bereits im Oktober zu Straumann, um den Führungswechsel vorzubereiten. Die Ernennung erfolge im Rahmen eines geplanten Führungswechsels, schreibt Straumann am Mittwoch in einer Mitteilung.
Mit Christopher Norbye stelle Straumann die Weichen für die nächste Wachstumsphase. Aufbauend auf der starken Marktposition treibe die Gruppe profitables Wachstum konsequent voran, um nachhaltig Wert zu schaffen, so die Mitteilung. «Ich freue mich sehr darauf, in einer wichtigen Phase der Unternehmensentwicklung zur Straumann Group zu stossen,» lässt sich der designierte Konzernleiter zitieren.
Grosser Dank an Guillaume Daniellot
Der Verwaltungsrat dankt dem abtretenden CEO Guillaume Daniellot für seinen «ausserordentlichen Beitrag und sein grosses Engagement für Straumann». Unter seiner Führung habe die Gruppe ihre Marktposition deutlich ausgebaut und erhebliche Marktanteilsgewinne erzielt. Dabei sei Innovation stets im Zentrum der Strategie gestanden, sagt VR-Präsidentin Petra Rumpf.
Guillaume Daniellot arbeitete fast 20 Jahre für Straumann, die vergangenen sieben Jahre als CEO. (awp/mc/pg)