Straumann übernimmt brasilianische Neodent zu 100%

Marco Gadola

Straumann-CEO Marco Gadola. (Foto: Straumann)

Basel – Der Premium-Dentalimplantat-Hersteller Straumann übernimmt die restlichen Anteile an dem bisher zu 49% gehaltenen brasilianischen Value-Line-Dentalimplantat-Anbieter Neodent schneller als in der ursprünglichen Vereinbarung vorgesehen. Aus der Vollübernahme verspricht sich der Basler-Konzern «erhebliche Synergien» und einen EBIT-Beitrag im Geschäftsjahr 2016.

Mit Neodent sei eine Vereinbarung unterzeichnet worden, wonach die Beteiligung am brasilianischen Unternehmen bereits 2015 auf 100% von 49% werden soll, teilt der Basler Konzern am Dienstag mit. Dies sei drei Jahre früher als in der ursprünglichen Übernahmevereinbarung vorgesehen. Der Kaufpreis in Höhe von 680 Mio BRL (rund 210 Mio CHF) für die restlichen Anteile werde den Gründungsaktionären, Clemilda de Paula Thomé und Geninho Thomé, in bar ausgezahlt, heisst es weiter. Der Preis entspreche einem EBITDA-Multiplikator von ca. 12.

Im Jahr 2012 erwarb Straumann für 549 Mio BRL (CHF 260 Mio CHF) einen Anteil von 49% an Neodent und sicherte sich die Option, ihre Beteiligung 2015 auf 75% und bis 2018 auf 100% auszubauen. Der damalige Kaufpreis hat laut Mitteilung einem EBITDA-Multiplikator von rund 14 entsprochen. Den tieferen Multiplikator für die vollständige Übernahme führte ein Pressesprecher auf Anfrage von AWP auf mehrere Faktoren zurück, darunter Wechselkursverschiebungen.

«Erhebliches Synergie-Potenzial»
Von der Zusammenführung verschiedener Aktivitäten von Straumann und Neodent versprechen sich die Basler laut Mitteilung «erhebliche Synergien». Und ab dem Geschäftsjahr 2016 werde Neodent zur EBIT-Marge von Straumann beitragen. Synergien sollen etwa aus der Eingliederung der Länderorganisation von Straumann für Brasilien in den Neodent-Standort in Curitiba geschaffen werden. Zudem soll laut Pressesprecher die Zusammenlegung von gewissen Funktionen in gewissen Ländern Einsparungen bringen, wie in der Verwaltung, im Back Office oder im Lager.

In Lateinamerika würden die beiden Organisationen das Marktpotenzial gemeinsam erschliessen wie etwa über «hubs»; in den übrigen Märkten werde Straumann die internationale Expansion von Neodent über ihre Instradent-Plattform vorantreiben.

Führungsrolle gestärkt
Mit dieser Akquisition stärke die Straumann-Gruppe ihre Führungsrolle im Markt für Dentalimplantate und werde zu einem wichtigen Mitbewerber im weltweiten Value-Segment. «Neodent ist höchst erfolgreich und dürfte in diesem Jahr rund eine Million Implantate verkaufen», wird Straumann-CEO Marco Gadola in der Mitteilung zitiert.

In der Führung von Neodent setzt Straumann teilweise auf Kontinuität. So bleibe Geninho Thomé, Mitbegründer und bisheriger CEO von Neodent, als Scientific President und Verwaltungsratspräsident bei Neodent. Die operative Verantwortung gehe indessen an den neuen CEO Matthias Schupp über, der weiterhin Leiter der Region LATAM von Straumann bleibe.

Neodent Marktführerin in Lateinamerika
2014 erzielte Neodent gemäss Mitteilung einen Umsatz von 258 Mio BRL. Dabei wurde der grösste Teil des Umsatzes im Heimmarkt Brasilien erwirtschaftet, wo der Umsatz um 8% stieg. Neodent sei «hochprofitabel», so die Mitteilung weiter. Neodent beschäftigt rund 970 Mitarbeiter und verfügt im Hauptmarkt Brasilien über 15 Niederlassungen. Darüber hinaus werde ein «breites Netz» von Vertriebspartnern in Lateinamerika unterhalten. Neodent sei in Lateinamerika marktführend, so die Mitteilung.

Das ursprüngliche Engagement bei Neodent war für Straumann ein erster Schritt, um im Value-Segment Fuss zu fassen. Mittlerweile hat das Unternehmen mit Instradent eine internationale Plattform im Value-Segment und die Marke Neodent in den USA, Spanien/Portugal und in Italien eingeführt. Weitere Märkte sollen folgen. Neodent wird bekanntlich seit dem 1. März 2015 – dem Datum, an dem die Option zum Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung ausübbar wurde – vollständig in der Konzernrechnung von Straumann konsolidiert.

Schritt wird begrüsst
Vorbörslich reagieren die Anleger erfreut über den schneller als ursprünglich geplanten Ausbau des Value-Line-Geschäfts. Die Straumann-Aktie wird in einem knapp gehaltenen Markt um 2,2% höher notiert. In einem ersten Kommentar begrüssen denn auch die Experten der Bank Vontobel, die Vollübernahme in einem Schritt. (awp/mc/pg)

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