Sulzer baut weltweit Kapazitäten ab

Klaus Stahlmann

Sulzer-CEO Klaus Stahlmann. (Foto: Sulzer)

Winterthur – Der Industriekonzern Sulzer sieht sich im Geschäft mit Stoffaustauschtechnologien in Asien sowie in der Prozesstechnologie mit schrumpfenden Märkten sowie den Auswirkungen des starken Frankens konfrontiert und schliesst eine Produktionsstätte der Division Chemtech in Allschwil. Auch in China, Singapur und Kanada werden Fabrikationskapazitäten abgebaut. Analysten rechnen mit ähnlichen Massnahmen in der Division Pumps. An der Börse reagiert die Aktie kaum auf die News.

Von der Schliessung der Produktionswerkstatt Apparatebau in Allschwil seien 20 Mitarbeiter betroffen, teilte Sulzer am Mittwoch mit. Dort war letztes Jahr bereits kurz gearbeitet worden. Einerseits habe der starke Franken und anderseits die Konkurrenzsituation in diesem Bereich zu Problemen geführt, sagte ein Sulzer-Sprecher auf Anfrage der sda.

Am Standort in Allschwil beschäftigt Sulzer nach dem Abbau immer noch rund 94 Mitarbeitende. Sie sind in der verbleibenden Werkstatt Modulbau, im Labor oder im Back-Office-Bereich tätig. Sulzer hatte die Kühni AG, einen Spezialisten für thermische Trennverfahren mit Sitz in Allschwil, 2008 gekauft. Kühni hatte damals mit 80 Mitarbeitenden einen Umsatz von 37 Mio CHF erzielt.

Abbau in China und Südostasien
Aufgrund des derzeitigen Geschäftsrückgangs in Asien mit schrumpfenden Märkten in China und Südostasien hat sich Sulzer auch in diesen Regionen entschieden, Massnahmen zur Anpassung der operativen Struktur der Division Chemtech durchzuführen. So reduziert Sulzer den Personalbestand sowie Produktionskapazitäten am Chemtech-Standort Shanghai. Der Abbau von rund 130 Mitarbeitenden habe hauptsächlich durch natürliche Fluktuation erreicht werden können.

Als Folge der langsamen Marktentwicklung in Südostasien habe Sulzer zudem entschieden, die Produktionsaktivitäten am Chemtech-Standort Singapur ab 15. Juli einzustellen. 16 Mitarbeitende hätten entlassen werden müssen.

Basierend auf mangelnden westkanadischen Investitionen in Ölsand-Ausrüstung werde Mass Transfer Technology Kanada die Produktion an ihrem Standort in Edmonton in Kanada ab Ende Juni einstellen. Davon betroffen seien sechs Mitarbeitende.

Unterschiedliche Entwicklung bei Chemtech
Während der Geschäftsgang im Bereich Chemtech in China und Südostasien nicht wunschgemäss verläuft, entwickeln sich die Märkte in der Geschäftseinheit Mass Transfer Technology (Stoffaustauschtechnologie) in Europa, dem Nahen Osten, Indien, Russland und Afrika sowie in Nord-, Mittel- und Südamerika laut Sulzer weiterhin positiv.

Die Sparte Chemtech mit ihren Trenn-, Misch- und Servicelösungen verzeichnete im ersten Quartal ein Nachfrageplus von nominal 17,8% auf 210,8 Mio CHF. Hauptgrund dafür war ein Grossauftrag aus dem Nahen Osten. Ohne diesen Auftrag entwickelte sich die Nachfrage im Öl- und Gasmarkt stabil.

Nächster Schritt bei Division Pumps?
Die von Sulzer angekündigten und zum Teil bereits umgesetzten Anpassungen seien notwendig und würden Sulzer Chemtech operativ stärken, heisst es im Kommentar der ZKB. In den letzten beiden Quartalen sei der Auftragseingang der Division sehr gut und eine Normalisierung absehbar gewesen. Allerdings deuteten die Massnahmen darauf hin, dass es nun neben der Division Pumps auch bei Chemtech in vielen Märkten schlecht stehe. Analyst Armin Rechberger hält an seiner Einschätzung mit „Marktgewichten“ fest, wird aber die Gewinnschätzungen leicht reduzieren.

Die Anpassungen seien überschaubar und dürften nur einen geringen Betrag an Restrukturierungskosten nach sich ziehen, meint Stefan Gächter von Baader Helvea. Der Gegenwind aus der Öl- und Gasindustrie könnte laut Gächter im Verlauf des Jahres auch für die Division Pumps ähnliche Massnahmen erfordern. Bei Baader Helvea wartet man daher an der Seitenlinie zu und bekräftigt das „Hold“-Rating für die Sulzer-Papiere.

Auch bei J. Safra Sarasin („Neutral“) rechnen die Experten mit ähnlichen Restrukturierungen in den anderen Divisionen. Die Anpassungen seien auch als Folge der Umsetzung der im Jahr 2013 angekündigten Strategie zu sehen, heisst es. (awp/mc/pg)

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