Sulzer kann Geschäfte in den USA wieder aufnehmen

Greg Poux-Guillaume
Sulzer-CEO Greg Poux-Guillaume. (Foto: Sulzer)

Winterthur – Der Industriekonzern Sulzer hat bei der Klärung der rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit den US-Sanktionen unter anderem gegen Viktor Vekselberg einen Schritt nach vorne gemacht. So haben die US-Behörden grünes Licht erteilt für die Übertragung der von Renova erworbenen Anteile. Damit sollte sich die durch blockierte Konti in den USA beeinträchtigte Geschäftstätigkeit wieder normalisieren.

Die Aktienübertragung sei nun abgeschlossen und Renova nur noch Minderheitsaktionär mit einem Anteil von 48,83%, teilt Sulzer am Donnerstag mit. Die zuständige amerikanische Behörde OFAC (Office of Foreign Assets Control) hat den Rückkauf von Sulzer-Aktien am Mittwoch durchgewinkt. Zuvor hatte Viktor Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova über 60% an Sulzer gehalten. Den Anteil an im Eigenbesitz befindlichen Aktien beziffert Sulzer auf 15,24%.

Sulzer hatte am Montag angekündigt, 5 Millionen eigene Aktien vom Grossaktionär Renova zurückzukaufen. Der Schritt wurde notwendig wegen der von den USA am Ende der Vorwoche angekündigten Sanktionen gegen verschiedene russische Oligarchen, darunter Viktor Vekselberg. In der Folge haben die Banken auch Geschäfte mit der Renova-Gruppe und allen Firmen, an der sie zu mehr als 50 Prozent beteiligt ist, abgewiesen. Dazu gehörte auch Sulzer.

Sulzer unterliegt keinen US-Sanktionen mehr
Sulzer weist darauf hin, dass das Unternehmen nun keine „blocked person“ mehr sei und keinen Sanktionen nach US-Recht mehr unterliege. Global könne nun der „normale Betrieb“ wieder aufgenommen werden. Hinsichtlich der blockierten Vermögenswerte würden nun die notwendigen Schritte unternommen, um eine baldige Freigabe zu erreichen.

Sulzer räumt ein, dass die Geschäftstätigkeit durch die US-Massnahmen „erheblich beeinträchtigt“ gewesen sei, dass die langfristige Entwicklung darunter aber nicht gelitten habe. Welchen Schaden in Geldwert diese Beeinträchtigungen bei Sulzer hinterlassen haben, konnte Sulzer-Sprecher Rainer Weihofen noch nicht sagen.

Gewichtiges US-Geschäft
„Aber wir konnten einige Tage lang keine neuen Geschäfte akquirieren, was wir wahrscheinlich dann beim Bestellungseingang sehen werden. Und dann kommt es darauf an, wie schnell sich alles wieder normalisiert“, erklärte er auf Anfrage von AWP. Zur Frage nach dem Zeitpunkt der Deblockierung der Konti in den USA fügte er an: „Wir hoffen, dass das schnell geht. Aber das liegt in der Hand der Banken.“

Die Einschränkungen in den USA bleiben für den Schweizer Konzern also nicht ohne Folgen. Das US-Geschäft steuert fast ein Viertel zum gesamten Umsatz des Konzerns bei. Im letzten Jahr hatte Sulzer dort mehr als 700 Millionen Franken erwirtschaftet.

Infolge der verhängten Sanktionen wurden dem Konzern von Freitag bis Mittwoch sämtliche Geschäfte in US-Dollar verwehrt. Aber nicht nur das US-Geschäft war blockiert. Vor allem im Öl- und Gassektor, der mehr als 45 Prozent am Umsatz ausmacht, wickelt Sulzer auch in anderen Ländern Geschäfte in US-Dollar ab, wenn auch weit weniger umfangreich.

Die entsprechenden Auswirkungen seien schwierig abzuschätzen, so Weihofen. Es seien auch Nachbestellungen möglich, womit ein Teil der entgangenen Erträge wieder eingefahren werden könnte.

Aktien mit Kurssprung
Die Aktien von Sulzer schnellten am Donnerstag nach Bekanntgabe der Genehmigung durch die US-Behörde in die Höhe. Die Papiere gingen mit einem Plus von Fast 20 Prozent bei 116,40 Franken aus dem Handel. Der Gesamtmarkt gemessen am SPI schloss derweil 0,8 Prozent im Plus. Die Sulzer-Aktien machten damit die jüngsten Kurseinbussen fast wieder wett.

Das Handelsvolumen war mit gut über einer halben Million Stück im Vergleich zu den in den vergangenen Wochen täglich gehandelten durchschnittlich knapp 100’000 Aktien sehr hoch. Der Handel mit Sulzer-Aktien scheint sich damit zu normalisieren, nachdem an den Vortagen verschiedene Banken, darunter auch die Grossbanken UBS und CS, den Handel mit der Aktie wegen der US-Sanktionen eingestellt hatten.

Laut Zürcher Kantonalbank kann man nun davon ausgehen, dass Sulzer wirklich keinen Sanktionen mehr unterliegt. Bis Sulzer in den USA aber wieder voll handlungsfähig sei, dürfte es wohl noch ein oder zwei Tage dauern. Ausserdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass zu einem späteren Zeitpunkt erneut Sanktionen ergriffen würden. (awp/mc/upd/pg)

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