Sunrise legt Einheiten zusammen und entlässt bis zu 175 Mitarbeiter

Libor Voncina

Sunrise-CEO Libor Voncina. (Foto: Sunrise)

Zürich – Sunrise will sparen und effizienter werden. Noch bis Ende des Monats sollen 9% der derzeitigen Vollzeitstellen abgebaut werden. Insbesondere sind «weniger Managementschichten» vorgesehen, während die Geschäftsleitung unverändert bleibt. An der Börse werden die Neuigkeiten mit Wohlwollen aufgenommen.

Als Teil einer Initiative zur Effizienzsteigerung werde die Belegschaft von derzeit 1’890 Vollzeitstellen um bis zu 175 Personen oder bis zu 165 Vollzeitäquivalente reduziert, teilte Sunrise am Dienstag mit. Bereits im ersten Quartal 2015 sei eine Initiative gestartet worden, um Produkte und Prozesse zu straffen.

Für eine bereichsübergreifende Arbeit und um Redundanzen zu vermeiden, sollen die Einheiten Privat- und Geschäftskunden zusammengelegt werden. Die bisherigen Leiter CMO Timm Degenhardt (Privatkunden) und CCO Markus Naef (Geschäftskunden) würden auch künftig die Führung – nun gemeinsam – innehaben, sagte ein Sunrise-Sprecher zu AWP. Neu werde aber zum Beispiel die Produktentwicklung, die früher für beide Bereiche getrennt war, im Querschnitt arbeiten.

Personelle Veränderungen innerhalb der Geschäftsleitung gibt es indes keine. Allerdings werde es bei den leitenden Angestellten zu einem «überdurchschnittlich grossen Stellenabbau» kommen, so der Sprecher. Auch Operations für Privat- und Geschäftskunden werden zu einem einzigen Kundenservice zusammengelegt. Der Kundenservice an sich und die Verkaufsberater in den Shops seien aber nicht von der Neuorganisation betroffen, hiess es an einer Telefonkonferenz.

5,5 Mio CHF Einsparungen pro Quartal
Die Anpassungen sollen bis Ende des dritten Quartals umgesetzt werden. Sie würden bis Ende 2015 zwar einmalige Kosten von 21 Mio CHF verursachen, so Sunrise. Ab dem vierten Quartal ergäben sich jedoch Einsparungen von 5,5 Mio pro Quartal und damit ein Return on Investment von weniger als zwölf Monaten. Dabei ist ein Grossteil der Einsparungen auf tiefere Lohnkosten zurückzuführen.

Die Prognose für 2015 für eine Dividende von mindestens 135 Mio CHF – entsprechend 3 CHF pro Aktie – wurde indes bestätigt. Auch der erwartete bereinigte EBITDA – vor den Implementierungskosten – bleibe unverändert, sagte Finanzchef André Krause. Die 5,5 Mio Einsparungen pro Quartal seien indes bereits in der Guidance einkalkuliert.

Im August anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen hatte Sunrise für das Gesamtjahr ein Minus beim Umsatz im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt sowie die Absicht bestätigt, einen EBITDA auf Vorjahresniveau erreichen zu wollen. Das zweite Halbjahr dürfte keine grossen Fortschritte bringen, hiess es damals, nachdem im ersten Semester ein Reinverlust von 152 Mio CHF verbucht worden war. Grund waren allerdings Kosten für den Börsengang und Refinanzierungskosten in der Höhe von 155 Mio CHF im ersten Quartal. Kommuniziertes Ziel ist es zudem, die Nettoverschuldung auf den Zielwert von 2,2 mal den EBITDA abzubauen, was schon 2016 erreicht werden soll.

Kosten 2016 auf stabilem Niveau gesehen
Eine Guidance für das Jahr 2016 werde zwar erst zu einem späteren Zeitpunkt genannt, die Kosten würden sich im kommenden Jahr aller Voraussicht nach aber auf einem stabilen Niveau bewegen, sagte Krause am Dienstag.

Das Straffungsprogramm habe derweil nichts mit den jüngsten Aktionen verschiedener Konkurrenten zu tun: Die Massnahmen stünden nicht im Zusammenhang mit den derzeitigen Marktentwicklungen, sagte CEO Libor Voncina. Sie seien das Ergebnis einer bereits länger laufenden eingehenden Prüfung der Organisationsstrukturen. Bisher habe Sunrise zudem keinen «materiellen Einfluss» durch die neue Preispolitik des Wettbewerbers Salt (früher Orange) wahrgenommen, fügte Voncina hinzu.

Die Anleger reagierten erfreut. Die Sunrise-Aktie schloss am Dienstag an in einem sehr schwachen Marktumfeld 1,1% im Plus bei 56,00 CHF. Der Ausgabepreis im Februar hatte allerdings 68 CHF betragen. (awp/mc/upd/ps)

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