Swatch will mit Innovationen und mehr Shops zurück auf den Wachstumspfad

Nick Hayek
Swatch-CEO Nick Hayek. (Foto: Omega)

Swatch-CEO Nick Hayek. (Foto: Omega)

Biel – Die Swatch Group blickt auf ein schwieriges, vor allem durch die Stärke des Schweizer Frankens belastetes Jahr 2015 zurück. Konzernchef Nick Hayek vertraut auf die von Swatch seit Jahren verfolgte Strategie und bleibt trotz Unsicherheiten etwa in der EU-Politik oder aufgrund der Wahlen in den USA zuversichtlich. Die insbesondere in China intakte Konsumlaune soll den Uhrenhersteller 2016 zurück in die Wachstumsspur bringen.

«Ich habe immer gesagt, dass wir in Lokalwährungen um 5 bis 10% jährlich wachsen können. Doch entscheidend ist, was mit dem Schweizer Franken passiert», sagte Nick Hayek am Donnerstag an der Bilanzmedienkonferenz in Biel. Der überbewertete Franken sei nicht nur für Swatch, sondern für die gesamte Schweizer Industrie ein Problem. Während die Notenbanken weltweit die Wirtschaft in ihren Ländern zumeist entschlossen unterstützten werde diese hierzulande von der SNB im Stich gelassen. «Die Lage könnte sich rasch verschärfen», warnte Hayek.

Schwaches 2015
Die Kennzahlen zum Geschäftsjahr 2015 hatte Swatch bereits Anfang Februar kommuniziert: Der Umsatz nahm um 3,0% auf 8,45 Mrd CHF ab, in Lokalwährung betrug das Minus immerhin nur 0,9%. Der operative Gewinn (EBIT) der Gruppe sank um 17% auf 1,45 Mrd CHF. Die entsprechende Marge rutschte um beinahe drei Prozentpunkte auf 17,2% und damit unter die 20%-Schwelle. Hier seien nebst Währungseffekten auch höhere Aufwendungen für Marketing ins Gewicht gefallen, erklärte Finanzchef Thierry Kenel.

Der Reingewinn nahm um 21% auf 1,12 Mrd CHF ab und dennoch soll den Aktionären eine zum Vorjahr unveränderte Dividende von 7,50 CHF je Inhaber- und von 1,50 CHF je Namenaktie bezahlt werden. Ferner kauft Swatch seit Anfang Februar im Rahmen eines längstens drei Jahre andauernden Programms eigene Aktien im Umfang von maximal 1 Mrd CHF zurück.

Investitionen ins Vertriebsnetz
Kenel sieht den Aktienrückkauf auch als Instrument, um mit Blick auf die Negativzinspolitik der SNB die Cash-Bestände optimal zu steuern. Zudem werde Swatch mit 400 bis 500 Mio CHF weiter kräftig in das operative Geschäft investiert. Während die Produktion gut aufgestellt sei, könnten markenweit insgesamt «75, 100 oder 120 neue Shops» gebaut und eröffnet werden, sagte Hayek. Dabei gelte es, je nach Touristenaufkommen oder Entwicklung der verschiedenen Regionen das Vertriebsnetz anzupassen.

Unverändert gut sei die Nachfrage nach Uhren in Festland-China, so der Konzernchef. Dagegen laufe der Absatz von Zeitmessern in Hongkong nach wie vor schleppend. Die «Hysterie» an den Börsen und die Sorge vor einer sich abschwächenden Weltwirtschaft habe ähnlich wie in den Krisenjahren 2003 und 2009 auf die Händler übergegriffen, die als Folge davon weniger Uhren bestellten. Der Durchverkauf in den markeneigenen Shops laufe demgegenüber weiterhin gut.

E-Commerce sei für die Marke Swatch nichts Neues und werde seit rund vier Jahren in den USA mit Erfolg betrieben, hielt Hayek fest. Dagegen glauben er und sein Neffe Marc Hayek, der Marken wie Blancpain oder Bréguet führt, dass im Verkauf nach wie vor der persönliche Service zählt.

Harry Winston und Innovationen
Mit Blick auf die verschiedenen Marken sieht Hayek beim Schmuckspezialisten Harry Winston, den Swatch 2013 übernommen und anschliessend dessen Uhrenportfolio vergrössert hat, grosses Potential. Die Marke könne in den kommenden Jahren die Umsatzmilliarde erreichen. Dies gehe aber nur Schritt für Schritt mit neuen Uhrenmodellen und einem ausgewählten und exklusiven Sortiment an Schmuck, hiess es.

Zudem setzt der Konzern auf innovative «Connected Watches» der Marke Swatch, wie die Bezahluhr «Bellamy», oder auch das Qualitätszertifikat «Master Chronometer», das gewissen Omega-Uhren vom Eidgenössischen Institut für Metrologie (Metas) vergeben wird. Die im Januar in China lancierte «Bellamy» erfreue sich einer guten Nachfrage, sagte Nick Hayek. Demnächst folgen die «Roll-Outs» in der Schweiz, den USA oder Brasilien. Die Entwicklung der Smartwatch-Branche macht Hayek nach wie keinen Kummer. (awp/mc/pg)

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