Swiss Steel erholt sich stärker als erwartet vom Horrorjahr 2020

Frank Koch
Swiss Steel-CEO Frank Koch. (Foto: Swiss Steel)

Emmenbrücke – Der Stahlhersteller Swiss Steel hat sich im zweiten Quartal stärker als erwartet vom Absturz des vergangenen Jahres wegen der Coronakrise erholt. Damit ist der Konzern nach zwei Jahren in den roten Zahlen wieder in der Gewinnzone gelandet. Zudem legt er die Ziele für 2021 höher.

Im Vorjahr hatte das Unternehmen einen riesigen Verlust von fast 160 Millionen Euro erlitten, weil Autofabriken sowie Maschinen- und Anlagenbauer wegen der Pandemie ihre Werke stillgelegt oder stark heruntergefahren hatten, wodurch die Nachfrage nach Stahl einbrach. Dies brachte den Konzern, der schon unter der 2019 begonnen Krise in der Stahlindustrie gelitten hatte, endgültig in Schieflage. 2020 wurde für Swiss Steel zum Horrorjahr: Ähnlich gross waren die Verluste nur im Jahr 2009, als der Konzern in der Finanzkrise abstürzte. In der Folge musste Swiss Steel in den letzten Monaten das Kapital erhöhen und sich Bankkredite sichern, um zu überleben. Zudem wurden Restrukturierungen durchgeführt.

Dies hat sich ausgezahlt: Nun geht es mit dem Konzern steiler aufwärts als erwartet. Der Markt hat sich in allen wichtigen Kundensegmenten Automobil, Maschinen- und Anlagenbau sowie Energie erholt. Swiss Steel konnte 72 Prozent mehr Stahl verkaufen und die Preise erhöhen.

Der Umsatz schoss um 79 Prozent auf 839,1 Millionen Euro nach oben. Die europäische und amerikanische Autoindustrie hätten ihre Produktion gegenüber dem schwachen Vorjahresquartal verdoppelt, erklärte der neue Konzernchef Frank Koch in einer Telefonkonferenz.

Vor-Krisenniveau übertroffen
Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) landete mit 65,4 Millionen Euro wieder deutlich in der Gewinnzone nach einem Minus von 45,8 Millionen Euro im Vorjahr. Unter dem Strich erzielte der Stahlkocher einen Gewinn von 30,4 Millionen Euro nach einem riesigen Fehlbetrag von 159,1 Millionen Euro vor einem Jahr.

Mit den Zahlen hat Swiss Steel auf allen Ebenen sogar das Vor-Corona-Jahr 2019 übertroffen und ist nicht mehr weit von 2018 entfernt, als die Stahlkrise noch nicht ausgebrochen war.

Die Ergebnisverbesserung wurde neben der Markterholung auch mit Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmassnahmen erreicht. Der Restrukturierung fielen auch 292 Arbeitsplätze zum Opfer. Insgesamt hat Swiss Steel noch 9’847 Beschäftigte. Es gebe nur noch vereinzelt Kurzarbeit, hiess es. Bei der Umsetzung des Transformationsprogramms habe Swiss Steel die Sparziele bisher übertroffen, sagte Koch.

Der Stellenabbau gehe allerdings weiter, auch wenn für 2021 keine grösseren Einschnitte mehr geplant seien. Man könne das Ausmass des Stellenabbaus noch nicht beziffern, sagte Finanzchef Markus Böning. Die Streichungen würden in kleineren Schritten erfolgen.

EBITDA von 150 bis 180 Mio erwartet
Für das laufende Jahr steckt Swiss Steel die Ziele nun höher: Neu hält der Konzern ein bereinigtes EBITDA zwischen 150 bis 180 Millionen Euro für erreichbar. Bislang hatte er über 100 Millionen erwartet. Grund sei die anhaltende Erholung nach Corona in den Hauptabnehmerbranchen Automobil, Maschinen- und Anlagenbau sowie Energie, erklärte Konzernchef Koch.

Damit würde Swiss Steel unter dem Strich mindestens die Gewinnschwelle erreichen oder einen leicht positiven Jahresüberschuss.

Derzeit kämpft das Unternehmen mit den Folgen der Hochwasserkatastrophe von Mitte Juli in Deutschland. Das Werk in Hagen sei überflutet worden. Die Höhe der Schäden könne man noch nicht beziffern. Diese seien allerdings versichert. (awp/mc/pg)

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