Swisscom mit stagnierendem Umsatz und tieferem Gewinn – Stellenabbau

Swisscom-CEO Urs Schaeppi. (Foto: Marc Wetli / © Swisscom)

Bern – Die Swisscom hat 2015 beim Umsatz stagniert und deutlich weniger Gewinn erzielt als im Vorjahr. Nun kündigt das Unternehmen ein Sparprogramm an, dem im laufenden Jahr bis zu 700 Stellen zum Opfer fallen sollen. Wachstumspotenzial sieht das Management in Italien.

Swisscom-CEO Urs Schaeppi ist mit dem Geschäftsjahr 2015 zufrieden. «Wir haben uns in einem anspruchsvollen Umfeld gut behauptet und in unserem Kerngeschäft Marktanteile verteidigt oder gesteigert», sagte er am Donnerstag an einer Investorenkonferenz.

Er sprach damit das härtere Wettbewerbsumfeld und die Wechselkursentwicklung an. Letztere wirkte sich gemäss dem CEO nicht nur bei der Umrechnung der Kennzahlen der Italientochter Fastweb, sondern auch indirekt im Geschäft mit Schweizer Firmenkunden aus.

Swisscom weist für 2015 einen 0,2% tieferen Umsatz von 11,68 Mrd CHF aus. Zu konstanten Währungen und ohne Firmenkäufe hätte ein Plus von 0,7% resultiert. So schmälerten allein die neuen Roamingtarife den Umsatz um über 100 Mio CHF und Währungseffekte um 238 Mio CHF.

Auf der positiven Seite stehen steigende Umsätze mit Bündelverträgen (+16%), eine deutlich höhere Zahl TV-Kunden (+14%) und mehr Mobilfunkanschlüsse (+1,3%). Auch die Italientochter Fastweb konnte den Umsatz um 2,8% auf 1,74 Mrd EUR steigern.

Tiefere Gewinnzahlen
Die Italientochter bereitet dem Management generell Freude: «Fastweb ist an jenem Punkt, an dem wir Cash generieren», sagte CFO Mario Rossi. Insgesamt entwickelten sich die Gewinnzahlen hingegen klar rückläufig: So verringerte sich der EBITDA gegenüber dem Vorjahr um 7,1% auf 4,10 Mrd CHF. Auf vergleichbarer Basis hätte laut den Angaben ein Plus von 2,3% resultiert. Es machten sich diverse Sondereffekte bemerkbar – allen voran die Rückstellung für eine mögliche Busse im sogenannten ADSL-Streit (186 Mio CHF).

Unter dem Strich weist Swisscom wegen der Sondereffekte und hoher Abschreibungen einen 20% tieferen Reingewinn von 1,36 Mrd CHF aus. Die Aktionäre sollen dennoch in den Genuss einer unveränderten Dividende von 22 CHF pro Titel kommen.

Kostenbasis um über 300 Mio CHF senken
Die Gewinnentwicklung veranlasst das Management zu sparen. Die Kostenbasis soll bis 2020 um 300 Mio CHF gesenkt werden. Kostenoptimierung seien notwendig, weil hohen Investitionen sinkenden Einnahmen gegenüberstünden, so Schaeppi. Konkret sollen im laufenden Jahr bis zu 700 Stellen gestrichen werden, vor allem in unterstützenden Bereichen, wie es hiess.

Für die Folgejahre sind gemäss CFO Rossi keine weiteren grossen Abbaupläne geplant. Geld soll dann mit Organisationsanpassungen, Prozessoptimierungen und der Umstellung der Festnetztelefonie auf die Internettechnologie gespart werden.

Auf der anderen Seite würden im laufenden Jahr in Wachstumsbereichen in der Schweiz bis zu 500 Arbeitsplätze geschaffen, hiess es zugleich. Für Ende 2016 rechnet das Management somit mit einem nur leicht tieferen Stellenbestand in der Schweiz (Ende 2015: 18’965 Vollzeitstellen).

Die Swisscom will ausserdem die Zahl der Call-Center auf 8 von 14 reduzieren. In einzelnen dieser Zentren seien nur 12 Mitarbeiter beschäftigt gewesen, was nicht effizient sei.

Gehaltener Umsatz angepeilt
Für das Geschäftsjahr 2016 peilt das Management einen Nettoumsatz von «über» 11,6 Mrd CHF, einen EBITDA von «rund» 4,2 Mrd und Investitionen von «über» 2,3 Mrd (2015: 2,4 Mrd) an. Ausserdem wird eine unveränderte Dividende in Aussicht gestellt, sollten die Ziele erreicht werden.

In der Schweiz sei allerdings mit einem 100 bis 200 Mio CHF tieferen Umsatz zu rechnen, führte CFO Rossi weiter aus. Wachstum erhofft er sich von Fastweb: Das dortige Potenzial sei noch nicht ausgeschöpft. Wachsen soll Fastweb auch im Mobilfunkbereich. Dafür werde eine neue Partnerschaft mit Telecom Italia sorgen, dank der die Anzahl SIM-Karten innert vier Jahren auf eine Million verdoppelt werden soll. Die bisherige Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkanbieter Hutchinson solle hingegen beendet werden.

Der Ausblick wurde in ersten Kommentaren als sehr vorsichtig bezeichnet. An der Börse gaben die Swisscom-Aktien in der Folge stark nach und beendeten den Handel mit 2,9% im Minus (SMI: -1,5%). (awp/mc/upd/ps)

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