Swisscom wurden Daten von rund 800’000 Kunden entwendet

Cyber-Security
(Foto: frank peters - Fotolia)

Zürich – Unbekannte haben sich im Herbst 2017 missbräuchlich die Kontaktangaben von rund 800’000 Swisscom-Kunden verschafft. Sie hatten dafür die Zugriffsrechte eines Vertriebspartners des Telekomriesen entwendet. Die Swisscom verschärft nun die Sicherheitsmassnahmen.

Betroffen sind laut Swisscom sogenannte «nicht besonders schützenswerte Personendaten», namentlich Name, Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum, wie es in einer Mitteilung vom Mittwoch heisst. Es handle sich also grösstenteils um Kontaktdaten, die öffentlich oder über Adresshändler verfügbar seien. Die rund 3’500 Vertriebspartner der Swisscom dürfen auf solche Angaben beschränkt zugreifen, damit sie die Kunden identifizieren, beraten und Kundenverträge abschliessen oder anpassen können.

Passwörter nicht betroffen
Nicht betroffen vom Datenleck sind Passwörter, Gesprächs- oder Zahlungsdaten. Hier griffen seit langem strengere Schutzmechanismen, hält die Swisscom fest. Trotzdem habe die Aufklärung dieses Falls für die Swisscom höchste Priorität. Als Sofortmassnahme sperrte der Konzern die betroffenen Zugänge der Partnerfirma.

Zudem werden Zugriffe durch Partnerfirmen neu stärker überwacht, bei ungewöhnlichen Aktivitäten wird ein Alarm ausgelöst und die Zugriffe gesperrt. Weiter werden grössere Abfragen von sämtlichen Kundenangaben künftig technisch unterbunden. 2018 wird für alle notwendigen Datenzugriffe von Vertriebspartnern eine Zwei-Faktor-Authentisierung eingeführt.

Rechtliche Schritte werden geprüft
Die Swisscom habe den Vorfall im Rahmen einer routinemässigen Überprüfung der Betriebsaktivitäten entdeckt und detailliert intern untersuchen lassen, heisst es weiter. Der Telekomanbieter betont, dass das System nicht gehackt wurde. Login und Passwort seien letzten September einem Vertriebspartner entwendet worden. Danach sei von einer IP-Adresse in Frankreich automatisiert auf die Daten zugegriffen worden. Die Swisscom prüft alle rechtlichen Schritte und behält sich eine Strafanzeige vor.

Auch der eidgenössische Datenschutzbeauftragte wurde informiert. Über die Täterschaft wisse die Swisscom heute nichts, sagte Philippe Vuilleumier, Chef der Gruppensicherheit, am Mittwoch an der Bilanzmedienkonferenz.

«Wir bedauern den Vorfall – das entspricht auch nicht den Anspruch, den wir an uns selber haben», sagte er weiter. «So etwas darf uns nicht passieren.» Die Swisscom habe nun alle Massnahmen eingeleitet, dass die in dieser Form nicht mehr passiere.

Kein Anstieg von Werbeanrufen
Es bestünden keine Hinweise darauf, dass die Kunden einen Schaden erlitten, heisst es in der Mitteilung. Bis heute habe die Swisscom keinen Anstieg von Werbeanrufen oder anderen Aktivitäten zum Nachteil der betroffenen Kunden festgestellt. Mobilfunkkunden können eine SMS mit dem Stichwort «Info» an die Nummer 444 senden und damit feststellen, ob ihre Daten betroffen sind.

Die Swisscom rät allen Kunden generell zur Vorsicht bei ungewöhnlichen Kontaktaufnahmen oder Marketinganrufen. Ungewöhnliche Vorkommnisse können der Swisscom gemeldet werden.

Datenschutzbeauftragter zufrieden
Der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) begrüsst die Untersuchung der Swisscom und die Massnahmen, die sie getroffen hat, wie er gleichentags mitteilte. Der vorliegende Fall zeige, dass die Zusammenarbeit mit beauftragten Unternehmen und deren Begleitung datenschutzrechtlich von hoher Relevanz sei.

Der EDÖB sieht keine Veranlassung zur Einleitung formeller Schritte, wie es weiter heisst. Swisscom werde den EDÖB über die Nachbearbeitung des Vorfalles auf dem Laufenden halten. (awp/mc/pg)

Swisscom

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