Tornos wird von Corona-Krise mit voller Wucht getroffen

Tornos wird von Corona-Krise mit voller Wucht getroffen
(Foto: Tornos)

Moutier – Tornos hat massiv unter den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie gelitten. Umsatz und Aufträge brachen im ersten Halbjahr 2020 weg und der Hersteller von Werkzeugmaschinen landete wieder in den roten Zahlen. Das Unternehmen steht nach eigener Einschätzung vor grossen Herausforderungen.

Konkret sackte der Umsatz von Januar bis Juni um 52 Prozent auf 56,2 Millionen Franken ab. Gleichzeitig gingen deutlich weniger Aufträge ein als noch vor Jahresfrist (-44% auf 42,8 Mio), wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Die Drehmaschinen von Tornos kommen in der Automobilindustrie, der Medizin- und Dentaltechnik sowie im Bereich Elektronik und der Uhrenindustrie zum Einsatz.

Der Automobilsektor war einst für mehr als 40 Prozent der Auftragseingänge verantwortlich. In der ersten Hälfte 2020 ist dieser Anteil auf 7 Prozent gesunken. Vor der Pandemie konnte Tornos den Rückgang mit Neukunden aus den Bereichen Medizintechnik und Elektronik kompensieren.

„Alles zusammengebrochen“
„Mit Covid-19 ist alles zusammengebrochen“, erklärte der demnächst scheidende Finanzchef Bruno Edelmann im Gespräch mit AWP. Weil weniger nachgefragt wurde, wuchsen bei Tornos die Warenvorräte an. Bedingt durch die längere Lagerhaltung wurde eine Wertberichtigung von 8,1 Millionen Franken fällig.

„Unsere Lagerbestände sind sehr hoch“, räumte der CFO ein. Weitere Wertberichtigungen auf Warenvorräte dürften im zweiten Halbjahr folgen.

Die tieferen Einnahmen und der Abschreiber schlugen trotz Sparmassnahmen auf die Gewinnzahlen durch. Der Betriebsverlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich auf 13,1 Millionen Franken; vor Jahresfrist hatte noch ein Gewinn von 8,9 Millionen zu Buche gestanden.

Unter dem Strich schrieb die Firma aus Moutier einen Verlust von 13,9 Millionen, nach zuvor 9,0 Millionen Gewinn. Mit diesen Zahlen hat Tornos auch die tiefsten Erwartungen von Analysten unterschritten.

Stellenabbau
Dabei hatte Tornos bereits früh Gegensteuer gegeben. Die Einführung von Kurzarbeit ab März entlastete die Rechnung um 3,8 Millionen Franken, zudem wurden Stellen abgebaut. Ende Juni beschäftigte die Gruppe noch 636 Mitarbeitende, nach 729 per Ende 2019. Mit dem Stellenabbau sparte die Gruppe 9,3 Millionen Franken.

Betroffen waren vor allem die Schweizer Standorte Moutier und La Chaux-de-Fonds. Und die beiden Standorte arbeiten laut Edelmann immer noch mit einer reduzierten Kapazität. Denn dort werden die komplexesten Teile produziert, die für die Automobilindustrie bestimmt sind.

Ein weiterer Stellenabbau sei daher nicht auszuschliessen. „Im Moment kann nichts ausgeschlossen werden, es ist sehr schwer vorherzusagen“, sagte der Finanzchef.

Hoffen auf das Jahr 2021
Tornos spricht mit Blick nach vorne von grossen Herausforderungen, bleibt mittel- und langfristig aber zuversichtlich. Ein kurzfristiger Ausblick sei aktuell aber „äusserst schwierig“. Denn das Unternehmen gehe erst ab 2021 von einer langsamen Erholung der globalen Märkte aus.

Entsprechend rechne die Gruppe für das zweite Halbjahr 2020 noch nicht mit grundlegenden Veränderungen und mit einem Nettoumsatz in ähnlicher Grössenordnung wie im ersten Halbjahr 2020. Entsprechend würden auch die Resultate auf Stufe EBIT und Nettoergebnis in ähnlichem Rahmen negativ ausfallen.

An der Börse fallen die Tornos-Papiere um 2,5 Prozent auf 3,90 Franken. Seit Jahresbeginn summieren sich Verluste von 43 Prozent. Schwarze Zahlen sind laut Analysten bei Tornos in weite Ferne gerückt – dafür sei ein Jahresumsatz von mindestens 150 Millionen Franken nötig. (awp/mc/ps)

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