Transocean: Shell kündigt Polar Pioneer vorzeitig

Transocean

Ölbohrinsel «Polar Pioneer» in Alaska.

Zürich – Der Ölplattform-Betreiber Transocean muss erneut eine vorzeitige Auftragskündigung hinnehmen. Nach dem Miet-Rücktritt für das Bohrschiff «Discoverer Americas» durch Statoil vor zehn Tagen will nun auch Shell die Ölbohrinsel «Polar Pioneer» nicht weiter nutzen. Die gesamte Branche leidet unter den anhaltend tiefen Ölpreisen, und trotz einer gewissen Stabilisierung in den vergangenen Tagen erwarten Experten keineswegs eine baldige Trendwende.

Shell habe entschieden, den Vertrag für die Halbtaucherplattform Polar Pioneer in der Arktis früher als zum eigentlichen Ablaufdatum im Juli 2017 aufzulösen, teilte Transocean am Montag mit. Man werde dafür mit einer Pauschalzahlung entschädigt, die einen Ausgleich für reduzierte Betriebskosten sowie die Rückführung der Bohrinsel nach Norwegen umfassen. Finanzielle Details wurden aber nicht genannt.

Auch zu den Gründen für die vorzeitige Auflösung des Mietvertrags machte Transocean keine Angaben. Allerdings haben in den letzten Monaten aufgrund des rekordtiefen Ölpreises verschiedene Ölunternehmen ihre Investitionen gekürzt und Förderprojekte auf Eis gelegt.

Umstrittene Bohrungen
Shell führte mit «Polar Pioneer» Probebohrungen vor der Küste Alaskas durch. Die Plattform geriet im Frühling dieses Jahres in die Schlagzeilen, als sie von Greenpeace-Aktivisten besetzt wurde. Diese protestierten mit der Aktion gegen die Ausbeutung von Rohstoffen in der Arktis. Ungeachtet dessen hatte US-Präsident Barack Obama Shell unter Auflagen Öl- und Gasbohrungen in der Arktis erlaubt.

Erst vor gut zehn Tagen war bekanntgeworden, dass auch der Öl- und Gaskonzern Statoil bei Transocean als Kunde für ein Bohrschiff abspringt. Eigentlich hätten die Norweger gemäss einem laufenden Vertrag «Discoverer Americas» noch bis Ende Mai 2016 mieten sollen. Auch für diese vorzeitige Kündigung soll Transocean eine Kompensationszahlung erhalten, welche den Ausfall an Mieteinnahmen vollständig aufwiege, wie es damals hiess.

Ölpreise unter 40 Dollar
Anfang vergangener Woche war Rohöl der Sorte Brent (Ölförderung in der Nordsee) auf ein Elfjahrestief abgesackt und war mit 36,04 USD je Barrel (159 Liter) zwischenzeitlich so billig wie seit dem Jahr 2004 nicht mehr. Ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar fiel auf 35,57 USD. Danach stabilisierten sich die Preise wieder etwas. Eine Trendwende ist laut Experten jedoch nicht in Sicht. Am Montag kostet ein Barrel der Nordseesorte zur Lieferung im Februar 37,76 USD und der US-Sorte WTI 37,74 USD.

SMI-Schlusslicht
Aufgrund dieser Entwicklung hat die Transocean-Aktie im vergangenen Jahr viel an Terrain eingebüsst. Kurz vor Jahresende liegen die Titel knapp 30% im Minus und sind damit schwächster SMI-Wert. Auch am Montag bilden sie das Schlusslicht unter den SMI/SLI-Werten und verlieren gegen 13.40 Uhr 1,7% auf 12,68 CHF – in einem ansonsten leicht festeren Gesamtmarkt (SMI: +0,2%). (awp/mc/pg)

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