TX Group schreibt hohen Halbjahres-Verlust und will sparen

TX Group schreibt hohen Halbjahres-Verlust und will sparen
Sitz der TX Group an der Zürcher Werdstrasse. (Foto: TX Group)

Zürich – Die TX Group hat im ersten Halbjahr im Zuge der Coronakrise einen grossen Verlust eingefahren. Trotz Bekenntnis von Verwaltungsratspräsident Pietro Supino zum Kerngeschäft Journalismus muss der Bezahlmedienbereich Tamedia in den kommenden drei Jahren 70 Millionen Franken einsparen. Die Gewerkschaften sind alarmiert.

Der rückläufige Umsatz sowie starke Goodwill-Wertberichtungen haben im ersten Halbjahr 2020 zu einem Verlust von rund 109 Millionen Franken geführt, wie die TX Group am Dienstag mitteilte. Der Umsatz des grössten privaten Schweizer Medienhauses sank um knapp 18 Prozent auf noch rund 431 Millionen Franken. Im Vorjahr hatten unter dem Strich noch knapp 54 Millionen Franken Gewinn resultiert.

„Nach einem guten Start der neu aufgestellten TX Group ins Jahr 2020 wurden die Monate ab März in besonderem Masse von der Corona-Krise überschattet“, sagte Verwaltungsratspräsident und Verleger Pietro Supino an einer Telefonkonferenz. Die Nutzung habe zwar Rekordwerte erreicht, die Werbung sei jedoch eingebrochen.

„20 Minuten“ muss über die Bücher
Besonders stark habe die Krise „20 Minuten“ getroffen (-43,5 Prozent Umsatz), da die Gratiszeitung von der Werbung abhängig sei. Obwohl die digitale Nutzung auf ein Rekordhoch gestiegen sei, müsse der Bereich über die Bücher.

Zweites grosses Coronaopfer unter dem Konzerndach war im ersten Halbjahr der Werbevermarkter Goldbach. Dort sank der Umsatz um knapp 22 Prozent, was zu einem betrieblichen Verlust führte. Seit Juni habe sich der Markt indes beruhigt, und für das zweite Halbjahr wird mit einer deutlichen Belebung gerechnet, hiess es in einer Mitteilung.

Nicht nur die publizistischen und werbeorientierten Geschäftsbereiche mussten Einbussen hinnehmen. Auch TX Markets mit den grossen Rubrikenplattformen und Marktplätzen wie Jobcloud, Homegate oder Ricardo verlor knapp 7 Prozent an Umsatz und weist eine deutlich geringere Rentabilität als gewohnt aus.

Gegensteuer mit Sparmassnahmen
Die Gruppe gibt im stark betroffenen Bereich Bezahlzeitungen nun mit einem umfassenden Kostensenkungsprogramm Gegensteuer. Um für die Zukunft eine nachhaltige Geschäftsbasis zu schaffen, will das Tamedia-Management in den nächsten drei Jahren 70 Millionen an Kosten einsparen.

Die dafür nötigen Massnahmen beim nach wie vor umsatzstärksten Segment der TX Group sollen in den nächsten Monaten mit den betroffenen Bereichen und unter Einbezug der Sozialpartner erarbeitet werden.

„Kerngeschäft und Herzensangelegenheit“
Supino betonte indes an der Telefonkonferenz: „Der Journalismus ist und bleibt unser Kerngeschäft und eine Herzensangelegenheit.“ Der Konzern werde das Portfolio an digitalen Plattformen weiter ausbauen.

Die journalistische Leistung bei Tamedia habe sich hervorragend entwickelt. Der Journalismus müsse auch weiterhin in den Regionen verankert bleiben, aber mit noch mehr Fokus auf die Leserschaft. Supino sieht namentlich beim Storytelling Luft nach oben.

Auf die Frage, weshalb die TX Group nicht die politische Diskussion um eine Medienförderung abwarte und erst dann allenfalls zum Sparhammer greife, sagte Supino, ein Unternehmen solle seine Strategie nicht von der Politik abhängig machen. Die allfällige Förderung ändere nichts an den strukturellen Herausforderungen von Tamedia.

„Katastrophale Sparmassnahmen“
Alarmiert über die neusten Nachrichten aus dem Zürcher Medienhaus zeigten sich die Gewerkschaften. Der Journalistenverband Impressum bezeichnete die beschlossenen Sparmassnahmen in einer Mitteilung als „katastrophal“. Er forderte das Management auf, auf Entlassungen zu verzichten und den temporären Ausfall auf der Ertragsseite mit den umfangreichen Reserven zu überbrücken.

Zusammen mit der Mediengewerkschaft Syndicom verlangte Impressum eine sozialverträgliche Umsetzung des einschneidenden Sparprogramms. Beide Organisationen begrüssten die Bereitschaft des Unternehmens, die Sozialpartner und das Personal für die Ausgestaltung der Strategie mit einzubeziehen. (awp/mc/ps)

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