Wasserkraft wird im Energiesystem der Zukunft noch wichtiger werden

Kurt Rohrbach
VSE-Präsident Kurt Rohrbach.

Kurt Rohrbach, VSE Präsident

Aarau –  An der 127. Generalversammlung des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) im Trafo Baden unterstrich VSE-Präsident Kurt Rohrbach die Schlüsselrolle der Wasserkraft für die Energiezukunft der Schweiz. Er betonte, dass sie als wichtigste erneuerbare Ressource der Schweiz in der Substanz gefährdet sei. Gerade im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 müsse die Wasserkraft aus ihrer desolaten Lage herausfinden. VSE-Direktor Michael Frank legte das Augenmerk seiner Rede auf das Energiesystem von morgen. Dabei gab er einen Ausblick auf das Projekt Energiewelten des VSE.

Darüber hinaus rückte der VSE im Trafo Baden die Berufsbildung in den Fokus – und betonte die Bedeutung der Fachkräfte im Zusammenhang mit der Gestaltung der Energiezukunft. Der VSE ehrte die besten Absolventen aus der beruflichen Grundbildung Netzelektriker/in EFZ, den Berufsprüfungen Netzfachleute und Kernkraftwerk-Anlagenoperateure sowie der höheren Fachprüfung Netzelektrikermeister/in.

Wasserkraft: Wichtigste erneuerbare Ressource der Schweiz – doch in der Substanz gefährdet
Aufgrund diverser Faktoren – wie tiefe CO2-Preise und tiefe Energiepreise an den internationalen Märkten – ist die Schweizer Wasserkraft in einer prekären wirtschaftlichen Situation. Dies, obwohl sie in Zukunft zwei Drittel der Schweizer Stromproduktion stellen könnte. «Es kann nicht sein, dass systemrelevante Wasserkraftwerke ihren Strom am Markt zu einem Preis absetzen müssen, der unter den Gestehungskosten liegt», sagt VSE-Präsident Kurt Rohrbach. «Gerade im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 muss unsere wichtigste, erneuerbare Energieressource Schritt für Schritt aus dieser desolaten Lage herausfinden.» Er würdigte in diesem Zusammenhang die geplanten Massnahmen des Parlaments zur finanziellen Unterstützung der Grosswasserkraft. Auch in Bezug auf die Wasserzinsen müsse im Rahmen der Neuverhandlungen des Wasserzinsregimes per 2019 eine Lösung gefunden werden, welche den Produzenten einen nachhaltigen Betrieb ihrer Anlagen erlaube.

Energiewelten: Eine Zukunftsvision mit praktischem Nutzen
VSE-Direktor Michael Frank resümierte in seinem Jahresrückblick den Stand der parlamentarischen Debatte bezüglich Energiestrategie 2050 und verwies auf die angespannte Versorgungssituation im Winter 2015/2016. Die Energiestrategie 2050 lasse noch immer den Gesamtblick vermissen. Sie fokussiere noch zu stark auf den Energieträger Strom, aber insgesamt sei die Vorlage in einigen Punkten – namentlich Unterstützung Grosswasserkraft und Verzicht auf verbindliche Effizienzvorgaben – verbessert worden. «Die Situation im Winter 2015/16 hat vor allem gezeigt, dass Märkte funktionieren, dass die Zusammenarbeit zwischen Branche, Swissgrid und den Behörden klappt – und dass es sehr wichtig ist, den notwendigen Um- und Ausbau der Netze konsequent voranzutreiben.»

Den Fokus in seiner Rede richtete der VSE-Direktor jedoch nach vorne. «Der Umbau des Energiesystems findet statt. In diesem tiefgreifenden Umbruch gilt: Die Welt von gestern und die Regulierung von vorgestern bilden nicht die Grundlagen für die Welt von morgen», so Michael Frank. «Die Themen werden komplexer, weisen immer häufiger Querverbindungen auf und benötigen deshalb eine stärkere Gesamtsicht.» Entsprechend wichtig sei es, das Bewusstsein für das Gesamtenergiesystem zu schärfen – und für die Konsequenzen, die heutige Entscheide in der Energiewelt von morgen haben. Dies in einer Energiewelt, deren Rahmenbedingungen hauptsächlich durch technologische Innovation, das wirtschaftliche Umfeld und politische Entscheide geprägt seien. Michael Frank: «Deshalb hat der Verband das Projekt «Energiewelten» gestartet. Ergebnisse werden wir in den kommenden Monaten präsentieren.» (VSE/mc/cs)

 

Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE

Der VSE ist der Dachverband der schweizerischen Elektrizitätsbranche mit Hauptsitz in Aarau, einer Niederlassung in Lausanne sowie einem Büro in Bern. Im Tessin ist er durch eine enge Zusammenarbeit mit dem regionalen Verband ESI vertreten. Gegründet wurde der VSE im Jahr 1895; er beschäftigt 43 Mitarbeitende. Von den insgesamt 425 Mitgliedern des VSE sind 368 Unternehmen Branchenmitglieder, die wiederum rund 24 000 Mitarbeitende beschäftigen. Die Branchenmitglieder operieren entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Produktion, Handel, Übertragung, Verteilung und Betrieb). Sie stellen de facto die gesamte Stromversorgung in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sicher.

Einige Strom-Facts fürs Jahr 2015 (Quelle: BFE, Medienmitteilung vom 19.4.2016)

– Im Jahr 2015 ist der Stromverbrauch in der Schweiz um 1,4% auf 58,2 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) gestiegen. Der Inlandverbrauch (zuzüglich Übertragungs- und Verteilverluste) lag bei 62,6 Mrd. kWh. – Die Landeserzeugung der einheimischen Kraftwerke ist 2015 um 5,3% auf 66,0 Mrd. kWh gesunken (vor Abzug des Verbrauchs der Speicherpumpen). Der Anteil der Wasserkraft an der Gesamtproduktion betrug 59.9%. – Der mengenmässige Stromexportüberschuss lag im Jahr 2015 mit 1,0 Mrd. kWh um 4,5 Mrd. kWh unter dem Vorjahreswert, was zu einem Rückgang des Aussenhandelssaldos in Schweizer Franken auf 234 Mio. Franken gegenüber 442 Mio. Franken im 2014 führte.

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