Weltraumforscher Thomas Zurbuchen mit dem Prix Suisse ausgezeichnet
Bern – Der Astrophysiker und ehemalige NASA-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen ist am Samstagabend im Kursaal Bern mit dem Prix Suisse 2026 ausgezeichnet worden, der von der Initiative Schweiz vergeben wird. Der 58-jährige ETH-Professor wurde für seine herausragenden Leistungen in der Weltraumforschung und seine Verdienste um die internationale Wissenschaft geehrt. Für einen weiteren Höhepunkt der Gala sorgte die ehemalige US-Vizepräsidentin Kamala Harris. Die diesjährige Ausgabe widmete sich zudem der Berufsbildung, einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Schweiz.
Die Initiative Schweiz verlieh den Prix Suisse in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal. Mit Thomas Zurbuchen würdigte die Jury eine herausragende Schweizer Persönlichkeit, die mit wissenschaftlicher Exzellenz, Innovationsgeist und visionärem Denken die internationale Weltraumforschung massgeblich geprägt hat. Der aus dem Berner Oberland stammende Astrophysiker nahm die renommierte Auszeichnung aus den Händen von Bundesrat Martin Pfister entgegen, der dessen aussergewöhnliche Leistungen in einer eindrücklichen Laudatio würdigte.

Vom Berner Oberland an die Spitze der NASA
Zurbuchens Werdegang ist eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, die von einem kleinen Dorf im Berner Oberland bis an die Spitze der amerikanischen Weltraumforschung führte. 1968 in Heiligenschwendi oberhalb des Thunersees geboren, studierte er Physik und Mathematik an der Universität Bern, wo er 1996 in experimenteller Astrophysik promovierte. Anschliessend zog es ihn in die USA, wo er an der University of Michigan eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere einschlug.
2016 wurde Zurbuchen zum Wissenschaftsdirektor der NASA ernannt. Bis 2022 verantwortete er ein jährliches Budget von bis zu acht Milliarden Dollar und trieb rund 130 Weltraummissionen voran. Zu den bedeutendsten Projekten unter seiner Führung zählen das James-Webb-Weltraumteleskop, die erfolgreiche Landung des Marsrovers Perseverance sowie die DART-Mission, mit der erstmals gezielt die Umlaufbahn eines Asteroiden verändert wurde.
Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen setzte Zurbuchen auch neue Massstäbe in der Zusammenarbeit zwischen staatlicher Forschung und Privatwirtschaft. Er förderte innovative Ansätze und band Unternehmen verstärkt in die Entwicklung und Umsetzung wissenschaftlicher Missionen ein.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten in den USA kehrte Zurbuchen 2023 in die Schweiz zurück und übernahm als Professor für Weltraumwissenschaft und -technologie die Leitung von ETH Zürich Space. Dort setzte er sich für die Stärkung des Raumfahrtstandorts Schweiz ein und initiierte unter anderem einen neuen Masterstudiengang für Raumfahrtsysteme sowie einen Innovationshub zur engeren Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie.
Nächste Station: Blue Origin
Im Oktober wurde bekannt, dass Zurbuchen die ETH Zürich Ende 2026 verlassen wird. Ab Januar 2027 übernimmt er beim amerikanischen Raumfahrtunternehmen Blue Origin die Leitung des Bereichs «Advanced Concepts». Als Senior Vice President wird er dort an der Entwicklung neuer Technologien und Konzepte für die künftige Nutzung des Weltraums arbeiten.
Kamala Harris als prominenter Ehrengast
Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Kamala Harris. Die ehemalige Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten war von der Initiative Schweiz als internationale Gastrednerin nach Bern eingeladen worden und nahm im Gespräch mit Sandra Studer auch zu den aktuellen Entwicklungen nach den Midterms in den USA Stellung. Sie mahnte ihre demokratische Partei, sich nicht auf der Lorbeeren des Sieges auszuruhen. Der Sieg sei in erster Linie eine Wahl gegen den Status Quo gewesen, gegen zu hohe Lebenshaltungskosten und die unter Trump grassierende Korruption. Jetzt warte eine Menge Arbeit auf die Demokraten – es besser zu machen und Resultate zu liefern.



Zu ihren eigenen Ambitionen bezüglich einer Kandidatur für die Präsidentschaft 2028, sagte Harris, sie habe noch keine Entscheidung getroffen, aber sie überlege sich eine Kandidatur. Letztlich werde viel von ihrer Familie abhängen.
Die Zukunft des Weltraums und die Schweizer Berufsbildung
Ein thematischer Schwerpunkt der Veranstaltung stand unter dem Titel «Future of Space». Im Zentrum stand die zunehmende strategische und wirtschaftliche Bedeutung des Weltraums. Satelliten sind heute unverzichtbar für Kommunikation, Navigation und Wettervorhersagen. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien und private Raumfahrtunternehmen zusätzliche Möglichkeiten, während die geopolitische Konkurrenz im All zunimmt.
Die diesjährige Ausgabe des Prix Suisse widmete sich zudem der Berufsbildung, einem der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Schweiz. Mit dem Schwerpunktthema unterstrich die Initiative Schweiz die zentrale Bedeutung des dualen Bildungssystems für die Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes. Anhand verschiedener Beispiele wurde aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass aus wissenschaftlichen Erkenntnissen auch marktfähige Produkte und Dienstleistungen entstehen können. Es braucht Menschen, die das Wissen in die Praxis umsetzen. Gut ausgebildete Berufsleute, die Maschinen bedienen, Anlagen bauen, Technologien anwenden und Produktionsprozesse beherrschen, sind für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft unverzichtbar.

Für die kulinarische Begleitung zeichnete die Basler Spitzenköchin Tanja Grandits verantwortlich, die mit ihrem Restaurant Stucki zwei Michelin-Sterne und 19 GaultMillau-Punkte hält. Für das abschliessende Käse- und Dessertbuffet sorgten unter anderem die Käse-Affineure von Jumi und Patissier-Weltmeister Rolf Mürner.



Für die musikalische Unterhaltung sorgte Kings Elliot, die sich mit ihren emotionalen, oft melancholischen Popsongs in den letzten Jahren auch international einen Namen gemacht hat und 2025 bei den Swiss Music Awards als «Best Breaking Act» ausgezeichnet wurde. Mit ihrer Interpretation von David Bowies Klassiker «Space Oddity» schlug sie eine passende Brücke zum diesjährigen Schwerpunktthema und zum Preisträger Thomas Zurbuchen und dessen Lebenswerk in der Weltraumforschung.

Sechste Auszeichnung seit 2021
Der Prix Suisse wird seit 2021 jährlich von der Initiative Schweiz verliehen. Er zeichnet Persönlichkeiten aus, die mit herausragenden Leistungen in Wirtschaft, Wissenschaft, Sport oder Kultur zum Erfolg und zum internationalen Ansehen der Schweiz beitragen.
Die bisherigen Preisträger sind der Unternehmer und Stadler-Rail-Verwaltungsratspräsident Peter Spuhler (2021), die Medizinerin und Actelion-Mitgründerin Martine Clozel (2022), Skirennfahrer Marco Odermatt (2023), Patent-Ochsner-Frontmann Büne Huber (2024) sowie der Unternehmer und Ypsomed-Gründer Willy Michel (2025).
Hinter dem Prix Suisse steht die Initiative Schweiz, eine nationale Stiftung, deren Grundlagen vom Unternehmer Fritz Gottlieb Pfister geschaffen wurden. Sie fördert innovative Ideen und Projekte in sämtlichen Landesteilen und Sprachregionen mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand der Schweiz zu stärken. Geleitet wird sie von Stefan Linder, dem Mitgründer und früheren CEO des Swiss Economic Forum.
Die nächste Verleihung des Prix Suisse ist für den 13. November 2027 vorgesehen. (mc/pg – Fotos: Prix Suisse)