Zahlungsmoral in der Schweiz lässt zu wünschen übrig

Zahlungsmoral in der Schweiz lässt zu wünschen übrig
(Foto: Fotolia/anoli)

Zürich – Um die Zahlungsmoral von Herrn und Frau Schweizer ist es nicht zum Besten bestellt: Rund jeder Vierte wurde schon mindestens einmal betrieben. In der Romandie ist es sogar fast jeder Dritte. Bei den Personen mit einem Haushaltseinkommen unter 4000 Franken monatlich wurde gar rund jeder Zweite schon betrieben. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch.

Jeder Vierte zahlt seine Rechnungen direkt nach Erhalt. Die Hälfte der Befragten (55,7 Prozent) zahlen monatlich ihre Rechnungen. Aber nur 54,8 Prozent der Befragten haben für regelmässige Zahlungen ein Lastschriftverfahren bzw. einen Dauerauftrag eingerichtet. 2,1 Prozent zahlen Rechnungen sogar grundsätzlich erst nach Erhalt einer Mahnung.

Miete ist für Ausstände tabu
Besonders häufig bleiben Rechnungen von Telekom-Anbietern liegen. 36 Prozent der Bevölkerung haben deswegen schon Mahnungen oder Zahlungserinnerungen erhalten. Bei den unter 36-Jährigen ist es sogar fast die Hälfte. Auch Steuerrechnungen (35 Prozent) und Krankenkassenprämien (32 Prozent) werden häufig unpünktlich beglichen.

Nur die Miete hingegen ist bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten tabu. Gerade mal 13 Prozent der Befragten geben an, schon einmal die Miete unpünktlich bezahlt zu haben. Bei den Haushaltseinkommen unter 4000 Franken sind es mit 24 Prozent fast doppelt so viele. «Geringverdiener haben häufig keine Möglichkeit, ihre Rechnungen pünktlich zu bezahlen. Oft müssen sie jeden Monat eine Auswahl treffen und gewisse Rechnungen liegen lassen. Das kann schnell in einen Teufelskreis führen», so Dominik Weber, Banken-Experte bei comparis.ch.

Betreibungen behindern Wohnungssuche und Kreditaufnahme
Der Teufelskreis beginnt bei nichtbezahlten Rechnungen und endet bei Betreibungen. Jeder siebte Befragte hat aktuell nach eigenen Angaben einen negativen Eintrag im Betreibungsregister. In der Romandie sind es mit 22 Prozent fast doppelt so viele wie in der Deutschschweiz und im Tessin (je 12 Prozent). Auch in der urbanen Bevölkerung haben mit 18 Prozent viele Personen einen negativen Eintrag im Betreibungsregister.

Betreibungen erscheinen grundsätzlich während fünf Jahren im Betreibungsauszug. Bei einer Wohnungsbewerbung oder auch bei einem Kreditgesuch hat ein Betreibungsregistereintrag in der Regel eine Ablehnung zur Folge. Zudem verschlechtert sich die Bonität. (mc/pg)

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