Ein Fest der Sinne: ElbAhh und NapoleOhhn

Ein Fest der Sinne: ElbAhh und NapoleOhhn

Elba, die grösste Insel des toskanischen Archipels (thyrrenische Inseln) verdankt Napoleon nicht nur sein bekanntestes Wasser (Fonte Napoleone) und die Flagge mit den drei Bienen, sondern weitsichtige Entwicklungs-Initiativen für die Infrastruktur (Hotel, Wasser- und Kanalisationsleitungen) und die Landwirtschaft (Weinbau, Bienenzucht). Grund genug, den kleinen Korsen kräftig zu feiern auf dem geschichtsträchtigen, immergrünen Eiland.

Von Helmuth Fuchs

200 Jahre und zehn Tage nach Napoleon kommen wir auf Elba an. War es für ihn eine Verbannung, ist es für uns eine Erlösung. Wir fliehen vor dem nordalpinen Dauertief auf die sonnige Toskana-Insel Elba. Dank Direktflügen der Intersky von Zürich und Altenrhein (Direktflug von Bern mit SkyWork) ist die Flucht komfortabel und schnell. Der Landweg würde in rund neun Stunden Autofahrt mit einer stündigen Fähr-Übersetzung auch gut zu bewältigen sein, so kommen wir aber schneller ans Ziel der Sehnsucht. Für die Landung auf der Insel werden wegen der Lage der Landepiste hinter einem Hügel, der kurzen Landebahn und der vielfältigen Winde nur sehr erfahrene Piloten zugelassen. Es gibt keinen fest besetzten Kontrollturm, die Piloten sind auf ihre Sichtflug-Fähigkeiten angewiesen. Die Turbo-Propeller-Maschine von Bombardier (Q300) vermittelt Fliegerei in einer direkten und dennoch sehr komfortablen Form. Winde sind spürbar, die Nähe der Hügel erlebbar und das alles in weissen Ledersitzen und mit grosszügiger Beinfreiheit. Der Pilot überfliegt die Landebahn von Norden, dreht auf dem Meer um 180 Grad, setzt trotz erheblichem Südwind lauschig auf und testet zum Schluss noch erfolgreich die nicht unerhebliche Bremskraft des Flugzeugs. Als Gast muss man weder gescheiterter Feldherr noch versierter Pilot sein, um Elba zu besuchen. Neugierde und Freude an ursprünglichen Landschaften, Sandstränden mit glasklarem Wasser und traditionellen Dörfern genügt vollauf. Der ¨Ort des Entzückens¨ (Napoleon) knapp 20 Kilometer vor der toskanischen Küste gerät immer mehr in den Blickpunkt des sanften Tourismus.

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Lacona: Ökologisches Camping von und für Generationen
Die karibische Grundstimmung mit dem in verschiedensten tiefen, flirrenden Blau- und Grüntönen prunkenden Meer, den über 150 hellen Sandstränden, hält auch nach der Landung an. Satte Vegetation in prächtigsten Farben, ein wolkenloser lichter, blauer Himmel und Menschen, die sich wirklich zu freuen scheinen über jeden einzelnen Gast, der auf ihrer Insel ankommt. Wir werden von Jeanette und Gabriele abgeholt und in ihre kleine, direkt am Meer in Lacona gelegene Camping-Anlage Valle Santa Maria gefahren. Die Goldschmiedin Jeanette kam aus Pforzheim nach Elba, um im Schmuckgeschäft zu arbeiten, musste aber erfahren, dass ihr Handwerk auf Elba keine Tradition hatte. Entschädigt wurde sie durch die Liebe, sie fand ihr Glück mit Gabriele und betreibt seitdem mit ihm zusammen und seiner Familie (Eltern, Schwester, Schwager) erfolgreich den idyllischen Campingplatz in der Bucht von Lacona. Der erste Campingplatz Elbas mit dem EU Ökolabel ist ein gelungenes Beispiel, wie Ökologie, Technologie (WLAN, Solarenergie) und nachhaltiger Tourismus sich sinnvoll ergänzen. Was mit seinem Grossvater und einem Zelt auf der Kuhwiese begann präsentiert sich heute als gepflegte Anlage mit schönem Baumbestand, fantastisch gelegenen Stellplätzen, Appartements und Wohnwagen und einem traumhaften Sandstrand. Die Bucht öffnet sich zum Meer hin mit einem einmaligen Blick auf Monte Christo in der Ferne. Kleiner Wettertipp: Falls Monte Christo einen „Wolkenhut“ trägt, ist bald ein Regenschirm angesagt.

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Capoliveri: Verwehrte Liebe und versunkene Reichtümer
Lacona liegt in der Gemeinde Capoliveri mit dessen gleichnamigem Hauptort. Der Legende zufolge hatte Napoleon, dessen Appetit nach vielfältigen Liebesabenteuern seinem Machthunger gleichkam, sein Auge auf eine Dorfschönheit in Capoliveri geworfen. Die männlichen Dorfbewohner wollten sich jedoch durch Napoleon nicht ihrer eigenen Ambitionen berauben lassen und verwehrtem ihm den Zutritt zum Ort. Was zu ihrer Zeit als Erfolg verbucht werden konnte, erwies sich als touristisches Fiasko, da heute Capoliveri der einzig bedeutende Ort Elbas ohne irgendwelche Spuren Napoleons ist (obschon die markanten Gesichtsprofile einiger Einwohner andere Schlüsse zulassen könnten). Dank der unvergleichlichen Lage hoch über der Küste, seinem baulichen Charme, den guten Restaurants und Handwerkerläden hat sich Capoliveri für Besucher heute trotzdem zu einem attraktiven Ziel entwickelt. Dies umso mehr als neuste Initiativen, wie zum Beispiel das Museo del Mare, einen Abstecher lohnen. Das Museum präsentiert auf kleinstem Raum fantastisch inszeniert die Geschichte, den Untergang und vor allem die Reichtümer des 1841 vor Elba gesunkenen Dampf-Schoners „il Polluce“.

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Das Schiff sank nach einem Zusammenstoss mit der „Mongibello“. Alle Passagiere und die Besatzung konnten bis auf ein Mitglied gerettet werden. Die Lage auf einer Tiefe von 103 Metern verunmöglichte lange Zeit die Bergung der beträchtlichen Ladung von Silber- und Goldmünzen und des wertvollen Schmuckes, den die Passagiere mitführten. Englische Schatzjäger hoben bei einem Versuch im Januar 2000 mit einem Schleppkorb einen kleinen Teil des Schatzes, beschädigten aber dabei das Wrack massiv. Erst 2005 konnten Taucher der historischen Tauchgesellschaft Italiens mit der sorgfältig geplanten und durchgeführten Bergung die Schätz der Polluce heben. Napoleons langer Schatten wirkt auch hier: Mit an Bord des Schiffes sei unter anderen prominenten Passagieren auch der Graf von Canino gewesen, ein Enkel Napoleons, was sofort auch zu Gerüchten eines möglichen Attentates führte.

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Slow Food und süsser Wein
Slow Food, von Carlo Betrini und Freunden 1986 im Piemont gegründet, beschreibt am besten, was die Küche Elbas auszeichnet: Lokale, sinnliche Küche mit ökologisch produzierten, hervorragenden Zutaten, dazu unverwechselbare Räumlichkeiten an oft atemberaubenden Lagen und Freunde, um den Genuss zu teilen. Genau das haben wir gefunden in der Taverna dei Poeti in Capoliveri. Eine über hundertjährige Perle mit viel Geschichte(n) und einer bodenständigen, traditionellen Küche. Paolo Paolini sieht das Restaurant als sein Zuhause, in das er Gäste einlädt und verwöhnt. Im Winter schliesst er das Restaurant und widmet sich der Herstellung seiner eingemachten Meeresfrüchte und Pasten, die als Delikatessen in die ganze Welt verschickt werden. Ab dem Frühling wirbelt er zusammen mit Küchenchef Massimo wieder im Poeti. Als erstes kommen wir in den Genuss von knackigem Kraken (Polpo) auf Curry-Kartoffel-Püree, gefolgt von einem Raviolo mit Barrata (Frischkäse) und frischen Tomaten. Der Hauptgang besteht aus Stockfisch (Stoccafisso) mit Kartoffeln, Pinienkernen und Gewürzen, als Eintopf zubereitet. Den Abschluss macht eine Bavarese ai Cantucci (Bayrische Crème mit Mandel-Biskuit). Das Essen begleitet ein Weisswein, Elba Bianco „Le Ripe“, gekeltert aus der einheimischen Procanico-Traube (Trebbiano), zum Nachtisch wird ein Glas Aleatico Passito dell’Elba, La Gala, von Giuliano Grazzini gereicht.

Gerichte in der Taverna dei Poeti in Capoliveri
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Unweit von Capoliveri, im Stile eines Yacht-Clubs eingerichtet, besticht das Ristorante La Caletta nebst der hervorragenden Küche vor allem mit der Lage und dem einmaligen Blick über die Bucht von Porto Azzurro. Moderne, frische Interpretationen der klassischen elbanischen Küche mit lokalen Produkten sorgen für kulinarische Freude.

Gerichte im Restaurant Caletta, nahe Porto Azzurro
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Wein spielt auf Elba seit mehr als zweitausend Jahren eine zentrale Rolle. Schon Plinius bezeichnete Elba als Insel der fruchtbaren Weine (insula vini ferax). Eine grosse Massenproduktion konnte sich zum Glück nicht durchsetzen, so dass heute vor allem kleine und kleinste Weinbaubetriebe das Bild prägen und insgesamt etwas mehr als 300 Hektaren Reben bewirtschaften. Die vermehrt ökologisch geprägte Produktion bleibt zum grössten Teil auf der Insel. Mit gesamthaft etwa 13’000 Flaschen Rot- Weiss- und Süssweins, kleinen Anbauflächen, verteilt auf unterschiedliche Lagen und der Produktion von etwa 500 Litern Olivenöl ist das Gut „Cantina Mazzarri“ ein typisches Beispiel. Seit dem 18. Jahrhundert wird die Familientradition des Wein- und Olivenanbaus gepflegt.

Die Weine des Weingutes Mazzarri
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Paolo Mazzarri baut auf rund 3 Hektaren die typischen Rebsorten der Insel an, Sangioveto, Trebbiano Toscano, Moscato Bianco, Procanico, Alicante Bouschet, Aleatico und Cabernet Franc. Der Tradition verpflichtet, ist Paolo durchaus experimentierfreudig und baut eine kleine Menge Elba Rosso im Eichenfass aus. Während der Fassausbau in der Nase schon vollends überzeugt mit wuchtigen Fruchtnoten, fehlt ihm dann im Gaumen noch etwas die Kraft. Aber die Richtung stimmt. Die Süssweine begeistern auf Anhieb und ohne Abstriche. Während der Bianco Passito noch dezent mit der Süsse spielt, protzt der Aleatico dell’Elba mit seiner geschmacklichen Potenz. Der unverwechselbare Muskatgeschmack und die traumhafte Süsse krönen würdig jedes Essen. Damit der kulinarischer Genuss nicht zu einer unerwünschten Silhouetten-Vergrösserung führt, bieten sich auf und um Elba grandiose Möglichkeiten, Kalorien stilvoll los zu werden.

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Diese Reise wurde unterstützt von Camping Valle Santa Maria und Intersky
Copyright aller Bilder: Helmuth Fuchs, 2014

Adressen / Links:

Praktische Informationen & Hinweise der Elba-Kennerin und -Liebhaberin Vanessa Bay

Anreise

  • Flug: Im Frühling, Sommer und Herbst mit InterSky ab Zürich. Zwischen 12.4. und 18.10. jeweils am Samstag, zw. 14.5. und 18.10. zusätzlich am Mittwoch. Verbindungen ab Bern mit Skywork zw. 3.5. und 18.10. jeweils samstags, zw. 18.5. und 19.10. zusätzlich sonntags, zw. 28.5. und 30.7. zusätzlich mittwochs und zw. 5.9. und 10.10. zusätzlich freitags.
  • Auto: Mit dem Auto ca. 700 km bis Piombino. Anschliessend Fährüberfahrt nach Portoferraio (hier fahren die meisten Fähren hin), Rio Marina oder Cavo (jeweils ca. 1 Stunde) mit Moby Lines, Toremar, Blu Navy und Elba Ferries.
  • Zug: Anreise per Bahn bis Piombino, Bahnhof ist direkt am Hafen, von dort weiter mit Fähre.

Unterkunft

Spezialist für Wanderferien auf Elba
Imbach Reisen aus Luzern hat sich auf die Organisation und Durchführung von weltweiten Wanderferien spezialisiert. Die Wanderreisen auf Elba werden in Gruppen oder individuell angeboten. Der Schweizer Reiseveranstalter gehört zur Twerenbold Reisen Gruppe. Telefonnummer: +41 (0)41 418 00 00, Website: www.imbach.ch

Restaurants
Persönlichen Favoriten

Weitere

Minen
Gute Adresse, um mehr über die Minen zu erfahren: www.minieredicalamita.it

Tourismus generell

Rund um Napoelon: http://www.napoleoneimperatoreelba2014.it/de/

 

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