Galerie Monica De Cardenas: Retrospektive Ausstellung von Gianni Colombo

Gianni Colombo

Gianni Colombo con Spazio Elastico – cubi semoventi (Foto: Oliviero Toscani) Courtesy Archivio Gianni Colombo and Galleria Monica De Cardenas, Zuoz.

Dem italienischen Künstler Gianni Colombo kommt zurzeit eine verstärkte internationale Beachtung zu. Wie Olafur Eliasson kürzlich bemerkte, liegt die Bedeutung seines Werks heute nicht so sehr in seinen „formalen Eigenschaften“, sondern in den „Auswirkungen, die es produzieren kann“. Wichtiger als die Reihe von Formen und „minimalistischen Gegenständen“ ist die von Colombo über die Jahre geschaffene Sammlung von Dispositiven: Wahrnehmungsmaschinen, interaktive Geräte, Kraftfelder. Indem er eher auf performative Kräfte als auf formale Vorgaben setzte, schuf er ein innovatives zukunftsweisendes Werk. 

Gianni Colombo war einer der bedeutendsten Figuren der internationalen Kinetischen Kunst. Er erweiterte den Bild- und Objektbegriff massgeblich und schuf ebenso atemberaubende wie feinsinnige bewegliche Skulpturen und Environments. Diese raumgreifenden, die Umgebung mit einbeziehenden Installationen nannte er seit 1967 «Ambienti». Gianni Colombos Werke zeigen einen künstlerisch vielseitigen Geist: Sie sind von spielerischer Leichtigkeit, basieren auf intellektuell scharfsinnigen Kompositionen und ermöglichen zugleich eine intensive sinnliche Erfahrung. Während Lucio Fontana den realen Raum hinter dem Bild erschloss, erkundete Gianni Colombo den Raum als Wahrnehmungsraum für den Betrachter. Die vom Publikum manipulierbaren Bilder, die beweglichen Kuben und Kreise, sowie die sich ändernden Lichträume und architektonischen Strukturen stellen unsere Verhaltens-  und Wahrnehmungsgewohnheiten in Frage.

Die Ausstellung in Zuoz ist als Retrospektive in einem kleinen Massstab gedacht. Alle Typologien von Arbeiten, die das künstlerische Spektrum von Gianni Colombo ausmachen, sind jeweils durch ein beispielhaftes Werk vertreten: eine frühe Keramik aus den Fünfzigerjahren (Intermutabile), ein veränderbares Metallrelief (In-Out), ein pulsierendes Bild (Strutturazione pulsante, 1959), eine elektromechanisch bewegte Plastik (Strutturazione fluida, 1960), ein schwebendes „mobile“ sowie ein „ambiente“.

Der Ausstellungsparcour beginnt mit einer zentralen Gruppe von Werken der Siebzigerjahre: die grosse begehbare Skulptur „Bariestesia“ (1974) , die uns mittels verformter Treppenstufen das Gleichgewicht verlieren lässt, sowie einige „Spazi Elastici“ – schwarze Bilder, auf denen wir weisse elastische Fäden nach Belieben versetzen können, so dass immer wieder neue Muster entstehen. Den Schlusspunkt bildet ein Raum mit den kaleidoskopischen Lichtskulpturen „Cromostruttura“ und „0-220 Volt“.

Mehrere Werke – sowohl Bilder,  als auch Skulpturen – tragen den Titel „Spazio Elastico“. Dieser gemeinsame Nenner unterstreicht eines der zentralen Konzepte, die das Werk von Gianni Colombo mit dem von Lygia Clark verbinden: die Elastizität als Herausforderung / Gegengift für Steifheit und Schwerkraft, sowie eine kontinuierliche Infragestellung des Raumes und seiner Darstellungen.

Gianni Colombo war 1959 in Mailand einer der Mitbegründer der Gruppo T und der „Arte Programmata“ und „Nouvelle Tendence“. 1968 bekam er für das Environment „Spazio Elastico“ den ersten Preis der Biennale in Venedig, und nahm an der Documenta 4 Teil. 2008 zeigte das Haus Konstruktiv in Zürich seine Austellung „Ambienti“ und 2009 kuratierte Carolyn Christov Bakargiev zusammen mit Marco Scotini seine erste grosse Retrospektive im Castello di Rivoli bei Turin. Zurzeit ist er an der Ausstellung über „Zero“ im Guggenheim Museum in New York beteiligt. (mc/pg)

Galerie Monica de Cardenas

Gianni Colombo
Vernissage
Samstag, 6. Dezember, ab 18 Uhr

Ausstellung
6. Dezember – 7. Februar 2015

Öffnungszeiten
Dienstag–Samstag, 15–19 Uhr

Monica De Cardenas Galleria, Zuoz
Die Oberengadiner Dépendance der Mailänder Galeristin Monica de Cardenas befindet sich in einem Bauernhaus aus dem 15. Jahrhundert, das 2006 vom Architekten Hans-Jörg Ruch mit viel Gespür für die Spannung zwischen alter Bausubstanz, Tradition und Moderne umgebaut wurde. In den Wintermonaten treffen sich hier Künstler, Kunstliebhaber und -kenner, die alle etwas mehr Zeit, Ruhe und Gelassenheit mitbringen, abseits der grossen und hektischen Kunstmetropolen.

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