Henry Moore im Zentrum Paul Klee

Henry Moore

Henry Moore im Modell-Atelier, Hoglands, Perry Green, frühe 1950er Jahre. (© The Henry Moore Foundation, All Rights Reserved, www.henry-moore.org / 2015, ProLitteris, Zurich)

Bern – Radikal, experimentell und avantgardistisch – der Künstler Henry Moore (1898-1986) steht mit seinen Meisterwerken aus der Sammlung der Tate im Mittelpunkt der ersten Ausstellungseröffnung des Jahres. Mit wenigen Ausnahmen blieb er der Figuration treu – eine Leidenschaft, die er mit Paul Klee teilte. Beide kommentierten auf subtile Art das Zeitgeschehen, Moore etwa als offizieller englischer «Kriegskünstler» im Zweiten Weltkrieg (z.B. mit seinen berühmten «Shelter Drawings»). Die Ausstellung gibt mit 28 Skulpturen und 42 Arbeiten auf Papier aus den Sammlungen der Tate und des British Council einen Überblick über das Werk eines der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, dessen Revival von der grossen Retrospektive der Tate Britain 2010 in Gang gesetzt worden ist.

Die menschliche Figur steht im Zentrum von Moores künstlerischem Interesse. «In my opinion, long and intense study of the human figure is the necessary foundation for a sculptor’s schooling.» (Henry Moore, 1956). Sitzende, stehende und liegende Figuren bilden daher einen zentralen Themenbereich in der Ausstellung. Fasziniert von der Sammlung nicht-europäischer Kunst im British Museum, schuf er Figuren, Masken und Köpfe mit reduziert klaren Formen. Neben der menschlichen Figur dienten Moore auch Objekte aus der Natur wie Muscheln, Knochen oder Steine als Vorbilder für allgemeingültige Form- und Rhythmusprinzipien. Ebenso wie in der ‹primitiven› Kunst erkannte er auch in der Natur eine Lebendigkeit, die er in seiner Kunst anstrebte.

Abstrakte Skulpturen mit organischen Formen
Vor allem in den 1930er Jahren schuf Moore abstrakte Skulpturen mit organischen Formen, die ihn mit dem Surrealismus in Berührung brachten. Doch blieb seine künstlerische Sprache so eigenständig und vielseitig, dass man ihn nicht einer einzigen Kunstrichtung zuteilen kann. Ob abstrakt oder figurativ – er versuchte nie die vollendete Erscheinung zu kopieren, sondern deren Leben und Werden umzusetzen. Damit drang er in die Realität ein – eine Realität, die Moore vor allem während des Ersten und Zweiten Weltkrieges stark beschäftigte. In den 1940er Jahren hielt Moore die Situation der in der U-Bahn Schutz suchenden Bevölkerung in zahlreichen Zeichnungen fest und avancierte damit zum offiziellen «War Artist». Diese Arbeit verhalf ihm zu grosser Bekanntheit und Unterstützung von offizieller Seite. Es folgten vor allem nach dem Krieg zahlreiche Ausstellungen im Ausland. Moore war politisch engagiert und setzte sich stets für friedliche Konfliktlösungen ein. Der Auftrag, ein Denkmal für die erste geglückte nukleare Kettenreaktion zu schaffen, war für ihn deshalb besonders zwiespältig.

In den 1950er und 1960er Jahren gehörte Moore weltweit zu den gefragtesten Bildhauern. Geboren 1898 in Castleford, Yorkshire, studierte er nach seinem Militärdienst im Ersten Weltkrieg an der Leeds School of Art und erhielt 1921 ein Stipendium, um seine Ausbildung am Royal College in London fortzusetzen. Er lebte und arbeitete in London und Kent und unterrichtete am Royal College und an der Chelsea School of Art. 1948 gewann er den Internationalen Skulpturenpreis der Biennale in Venedig. Ab 1940 lebte Moore in Perry Green, Much Hadham, in Hertfordshire, wo er 1986 verstarb.

Erste Moore-Ausstellung in der Schweiz seit 25 Jahren
Ihm wurden unzählige Ausstellungen gewidmet und Aufträge für Arbeiten im öffentlichen Raum gegeben. Nun ist es an der Zeit das einzigartige Werk dieses Künstlers wieder in den Fokus zu rücken, seine Stellung in der Nachkriegszeit zu befragen und sein Schaffen aus heutiger Sicht zu betrachten. Nach 25 Jahren wird dem einzigartigen Bildhauer erstmals wieder eine Ausstellung in der Schweiz gewidmet. (Zentrum Paul Klee/mc/ps)

Katalog
Zur Ausstellung wird ein zweisprachiger Katalog im Snoeck Verlag, Köln, in deutscher und englischer Sprache erscheinen – mit Texten von Sebastiano Barassi, Acting Head of Collections and Exhibitions der Henry Moore Foundation, Fabienne Eggelhöfer, Kuratorin des Zentrum Paul Klee und Matthew Gale, Head of Display, Tate Modern. Preis: CHF 34.50

HENRY MOORE TALKS SO | 19/04/15 | 11:00 Uhr
Am 19. April 2015 stellt Direktor Richard Calvocoressi die Henry Moore Foundation vor – ein faszinierender Ort, wo Henry Moore lebte und in verschiedenen Ateliers sein umfangreiches Hauptwerk schuf. Anschliessend wird Mary Moore im Zentrum Paul Klee über das Leben und Werk ihres Vaters sprechen.

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