Ich und ich selber: Dieter Roth im Kunsthaus Aarau

Dieter Roth
In mannigfacher Weise und in allen Medien kreist das Schaffen des grossen Künstlers Dieter Roth immer wieder um das Selbst.
Eine Sonderausstellung im Aargauer Kunsthaus versammelt nun seine Selbstbildnisse aus allen Schaffenszeiten. Dieter Roth (1930-1998) war einer der grossen Universalkünstler des 20. Jahrhunderts. Er war Grafiker, hat Möbel entworfen, gemalt, gezeichnet, Plastiken und raumgreifende Installationen gemacht, mit allen möglichen Materialien gearbeitet, er war als Dichter und Musiker tätig, hat Künstlerbücher herausgegeben, gefilmt, fotografiert, gesammelt usw. 2003 fand die erste grosse Retrospektive nach dem Tod des Künstlers statt. Sie wurde vom Schaulager Basel organisiert, in Basel, Köln (Museum Ludwig) und New York (MoMa) gezeigt und bot reichen Einblick in das weit verzweigte künstlerische Werk. Weitere systematische Aufarbeitungen des Rothschen Universums stehen bislang aus.
Zuweilen ironisch, oft auch sehr unerbittlich befragt Dieter Roth  sich und sein Tun, seine künstlerische Arbeit , die alltäglichen Verrichtungen.
Dieter Roth
Selbstbildnis als Loch, 1973 / 1975. Übermalte und überzeichnete Serigraphie auf Karton, 50 x 69 cm; Aargauer Kunsthaus Aarau. © 2011
Obwohl das Thema ehr nahe liegt und Selbstbildnisse im Werk omnipräsent sind, hat bisher niemand diesen zentralen Aspekt aufgegriffen. Die Ausstellung versammelt Selbstbildnisse aus allen Schaffenszeiten. Die Ausstellung setzt mit frühen zeichnerischen Selbstbildnissen ein, die der junge Künstler in seiner Ausbildungszeit geschaffen hat. Sie hat einen ersten Höhepunkt in den Schokoladebüsten der späten 1960er Jahre und findet in den Folgejahren ihre Fortsetzung in der umfangreichen Werkgruppe „Selbstbildnis als…“, die das eine Selbst in eine unendliche Reihe verschiedener „Selbste“ aufsplittert und damit die Heroisierung des Individuums radikal in Frage stellt.  Die Ausstellung mündet im grossen Panoptikum der 128-teiligen Videoinstallation „Solo Szenen“ von 1997-1998, in der die autobiographischen Beobachtungen und Reflexionen in einer rückhaltlosen Darstellung der eigenen Person und des eigenen Lebens kulminieren.
Dieter Roth hat die radikale Selbstbefragung zu seinem wichtigsten Thema
gemacht.
Die Unerbittlichkeit, mit der er die eigene Person ins Zentrum seines Werkes stellt und sie gleichzeitig mit allen Mitteln dekonstruiert, ist einzigartig.
Dieter Roth
Dieter Roth (mit Richard Hamilton), Plakate zur Wanderausstellung: Richard Hamilton und Dieter Roth, Collaborations, 1976. Offset, 2 bis 14 Druckgänge (progressiv) von Platten, die von unabhängig voneinander gezeichneten Folien der Künstler hergestellt wurden, 59.5 x 42 cm, Druck: Staib + Mayer, Stuttgart, Dieter Roth Foundation, Hamburg © 2011 Dieter Roth Estate. (ka/mc/th)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.