Kunsthaus Zürich: Im Herzen wild. Die Romantik in der Schweiz

Kunsthaus Zürich: Im Herzen wild. Die Romantik in der Schweiz
Johann Jakob Ulrich, Brennendes Dampfschiff auf stürmischer See (Ausschnitt), 1850–1853, Öl auf Leinwand, 98 x 131 cm (Museum der bildenden Künste Leipzig)

Zürich – Vom 13. November 2020 bis 14. Februar 2021 steht das Kunsthaus ganz im Zeichen der Romantik. Mit über 160 Werken spannt die Ausstellung einen Bogen von Johann Heinrich Füssli über Alexandre Calame bis zum frühen Arnold Böcklin. Sie führt den eminenten Beitrag der Schweizer Künstler zur Entwicklung der europäischen Landschaftsmalerei vor Augen, folgt ihnen an die Akademien im Ausland und zeigt die enge Vernetzung auf, die zwischen den Malern bestand. Unter Einbindung namhafter Romantiker auch aus den Nachbarländern wie Caspar David Friedrich, Eugène Delacroix und William Turner würdigt dieser Überblick den Schweizer Beitrag zur Romantik in internationaler Perspektive.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entfaltete sich die Romantik in Europa. Künstler begannen Werke zu schaffen, die die Gefühle und die Faszination für das Unerklärliche gegenüber der nüchternen und rationalen Kunst des Klassizismus in den Vordergrund stellten. In der Schweiz entdeckte man die heimatliche Landschaft als Bildmotiv und bannte die majestätische Bergwelt und das ewige Eis der Gletscher auf die Leinwände. Kurator Jonas Beyer widmet sich dieser bislang nur in vielen Einzelaspekten untersuchten zentralen künstlerischen Epoche des Landes.

Aufbruchsgeist über Grenzen hinweg
Der Fokus auf eine Romantik typisch schweizerischer Prägung ermöglicht einen tieferen Einblick in das Wechselverhältnis von ortsspezifischer Prägung und internationaler Vernetzung. Der besondere Aufbruchsgeist, der die Schweizer Kunst dieser Zeit prägt, artikuliert sich im regen Austausch mit Künstlern aus den Nachbarländern. So schwärmten die Schweizer Künstler an die Akademien in Paris, Dresden oder Wien aus und bauten wirkungsvolle Netzwerke auf, wobei sie sensibel auf die lokalen Eigenheiten ihres jeweiligen Lehrumfeldes reagierten. Umgekehrt wurden die Sehenswürdigkeiten der Schweizer Landschaft schon Ende des 18. Jahrhunderts zu gefragten Motiven für romantisch gestimmte Künstler aus dem Ausland. Dieser lebhafte Austausch über die Grenzen hinweg legt es nahe, nicht dezidiert von einer «Schweizer Romantik», sondern stattdessen von einer «Romantik in der Schweiz» zu sprechen. So lassen sich gemeinsame Bestrebungen, aber auch lokal bedingte künstlerische Eigenarten herausstellen. Das Publikum erlebt dies anhand thematisch gruppierter Gemälde, Zeichnungen und Filme im 1’000 m2 grossen Ausstellungssaal.

Die Romantik lebt weiter
Realisieren liess sich eine Ausstellung dieser Dimension durch kostbare Leihgaben aus Schweizer Sammlungen sowie durch die Integration hochkarätiger Werke aus Deutschland, Österreich, Grossbritannien und Frankreich. Die Liste der Künstlerinnen und Künstler reicht von vorromantischen Malern vom Range eines Caspar Wolf und Johann Heinrich Wüest über bekannte Namen aus der Zeit der Romantik, darunter die Schweizer Alexandre Calame, Charles Gleyre und Léopold Robert, bis hin zu internationalen Grössen wie etwa Eugène Delacroix, Caspar David Friedrich und William Turner. Dass die romantischen Ideen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts in der Gegenwart nachhallen, zeigen die Videoarbeiten «Everything is going to be alright» von Guido van der Werve, «Projection (matin)» von Remy Zaugg sowie «Travel» von David Claerbout. (Kunsthaus Zürich/mc/ps)

Kunsthaus Zürich

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