Kunsthaus Zürich zeigt «Meisterzeichnungen»

Kunsthaus Zürich

Conrad Meyer, Der Zürichsee mit dem Üetliberg, von Stadelhofen aus gesehen, um 1655, Grafit, Pinsel und Feder in Grau, laviert, aquarelliert, auf Papier, 18,0 × 31,3 cm (Kunsthaus Zürich)

Zürich – 2015 feiert die Grafische Sammlung im Kunsthaus Zürich ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sind vom 23. Januar bis 19. April 2015 rund 120 auserlesene Zeichnungen des 16. bis 21. Jahrhunderts in der Ausstellung «Meisterzeichnungen» vereint – Werke von Raffael, Albrecht Dürer, Johann Heinrich Füssli, William Turner, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Sophie Taeuber-Arp, Alberto Giacometti, Cy Twombly, Erik van Lieshout, Jorinde Voigt u.a.

Anders als die klassischen Kupferstichkabinette, die sich auf fürstliche oder wissenschaftliche Sammlungen und Bibliotheken zurückführen lassen, steht am Anfang der Grafischen Sammlung im Kunsthaus Zürich ein Kreis befreundeter Amateur-Künstler und Autodidakten, die sich 1787 zur Künstlergesellschaft zusammengeschlossen haben. Man führte das sogenannte «Malerbuch», in das von jedem Mitglied regelmässig Zeichnungen und Aquarelle eingelegt wurden.

Grösste Zeichnungsbestände von Füssli und Hodler
1915 legte Direktor Wilhelm Wartmann das erste «Inventar der Handzeichnungen und der Kupferstichsammlung» an. Es ist seiner Initiative zu verdanken, dass die weltweit grössten Zeichnungsbestände von Johann Heinrich Füssli und Ferdinand Hodler ans Kunsthaus kamen. In Ausstellungen und Sammlungskatalogen warb er für diese Akquisitionen. Auch italienische, niederländische und schweizerische Altmeisterzeichnungen gelangten durch gezielte Ankäufe und durch Schenkungen an den Heimplatz. Mit dem ersten Kunsthaus-Erweiterungsbau von 1925 erhielten die Benutzer der grafischen Sammlung und der Bibliothek einen grosszügigen Lese- und Studiensaal, der in den oberen Etagen auch für Ausstellungen genutzt werden konnte – eine für damalige Verhältnisse optimale Serviceleistung.

Alte Meister, Klassische Moderne, Gegenwartskunst
Mittlerweile ist die Grafische Sammlung mit 95‘000 Werken auf Papier zu einer respektablen Institution gewachsen. Für die Jubiläumsausstellung galt es, unter den 37‘000 Handzeichnungen die besten, repräsentativsten und überraschendsten auszuwählen: von Raffael, Palma Vecchio, Perino del Vaga, Taddeo Zuccaro, Cavalier d’Arpino, Guercino, Albrecht Dürer, Hans Leu, Tobias Stimmer, Jost Ammann, Hans-Jakob Plepp, Rudolf Meyer, Jean-Baptiste Oudry, Rudolf Schellenberg, Salomon Gessner, Anton Graff, Johann Heinrich Füssli, Théodore Géricault, William Turner, Alexandre Calame, Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Käthe Kollwitz, Max Ernst, Picabia, Marcel Duchamp, Pablo Picasso, Hans Richter, Sophie Taeuber-Arp, Alberto Giacometti. Die grossen Namen der älteren Kunstgeschichte bis hin zur Klassischen Moderne sind ebenso präsent wie herausragende Künstler der Gegenwartskunst: Cy Twombly, Bruce Nauman, Miriam Cahn, Aleksandra Mir, Erik van Lieshout, Jorinde Voigt u.a.

Gattungsübergreifende, internationale Präsenz
Heute ist die Grafische Sammlung dank ihres innovativen Ausstellungsbetriebs, ihrer Erwerbungen in den Bereichen Zeichnung, Druckgrafik, Fotografie, Film, Video, Multiple und Installation sowie ihrer Kooperationen und Leihgaben mit den renommiertesten Museen der Welt hervorragend vernetzt. Am Domizil in der Passage zwischen Rämistrasse und Hirschengraben sind seit 2005 die Kuratoren, die Konservierung sowie der Studiensaal für angemeldete Besucher mit den Zeichnungen und Grafiken unter einem Dach vereint. Foto-, Video- und Filmarbeiten, Drucke und Collagen werden nicht nur verwahrt und restauriert, sondern für Ausstellungen im Kunsthaus und andernorts wissenschaftlich auf-bereitet. Im Museum finden regelmässig Ausstellungen zu aktuellen Positionen der Gegenwartskunst, zu Sammlungsschwerpunkten und Neuerwerbungen statt.

Farbexperimente, Trompe l’oeil, Gesellschaftskritik
Während eineinhalb Jahren hat Bernhard von Waldkirch, Konservator der Grafischen Sammlung, gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Beirat die Jubiläums-Ausstellung vorbereitet. Der Schwerpunkt der Auswahl, die der Konservator zusammen mit Dr. Gian Casper Bott, Dr. Christina Grummt und Dr. Paola von Wyss-Giacosa vorgenommen hat, liegt auf der Zeichnung im ursprünglichen Sinn; bei unterschiedlichen Techniken, Medien und Funktionen behält das genuin Zeichnerische stets die Oberhand. Spätbarocke Farbexperimente, gestochen scharfe Trompe-l’œil-Architekturen, plastisch wirkende Kohle-Porträts, romantische Landschaften und subtile Gesellschaftskritik – das Spektrum der Themen ist ebenso breit wie die raffiniert eingesetzten Techniken. Die auf mehreren hundert Quadratmetern in historischen und modernen Gebäudeteilen des Kunsthauses eingerichtete Ausstellung zeigt die Zeichnungen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gemälden und Skulpturen. Kenner wie Laien sind beeindruckt, wie sich das zarte Papier in dieser Umgebung behauptet: vom Format eines Taschenspiegels bis zum 2 x 6 Meter grossen, wandfüllenden Blatt. Werkimmanente Eigenschaften und jüngste Forschungsergebnisse sind Gegenstand regelmässig stattfindender öffentlicher Führungen.

Viele Werke erstmals farbig abgebildet
Die Geschichte der Grafischen Sammlung im Kunsthaus Zürich wird in einer repräsentativen Publikation dokumentiert, in der 100 Werke, die meisten zum ersten Mal, in Farbe ganzseitig abgebildet und fachkundig kommentiert werden. Die hochwertig gebundene Publikation mit 240 Seiten und 120 Abbildungen erscheint im Verlag Scheidegger & Spiess. Sie ist für CHF 55.- im Kunsthaus-Shop und im Buchhandel erhältlich.

Allgemeine Informationen
Kunsthaus Zürich, Heimplatz 1, CH–8001 Zürich, Tel. +41 (0)44 253 84 84, www.kunsthaus.ch.
Fr–So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr. Feiertage: Ostern 3.–6. April, 10–18 Uhr.
Eintritt in Ausstellung inkl. Sammlung: CHF 15.-/10.- reduziert und Gruppen. Bis 16 Jahre und mittwochs gratis.
Öffentliche Führungen: Sonntag, 1. Februar um 11 Uhr (Bernhard von Waldkirch), Mittwoch, 18. Februar um 18.30 Uhr (Gian Casper Bott), Samstag, 7. März um 13 Uhr (Sabina Gmür), Freitag, 20. März um 15.30 Uhr (Christina Grummt), Donnerstag, 2. April um 18.30 Uhr (Kerstin Bitar), Samstag, 18. April um 11 Uhr (Paola von Wyss-Giacosa).

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