Kunstmuseum Bern: Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard

Kunstmuseum Bern: Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard
Joseph Werner d. J., Allegorie auf die Gerechtigkeit (Ausschnitt), 1662, Öl auf Leinwand, 166 × 225 cm, Kunstmuseum Bern, Staat Bern. (Foto: Kunstmuseum Bern)

Bern – Einer der Schätze des Kunstmuseum Bern ist der bedeutende Bestand von Werken älterer Kunst. Mit Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard rückt das Haus vom 13. Februar bis 27. September 2026 diesen Teil seiner Sammlung ins Zentrum. Neben Meistern der Frühen Neuzeit sind Werke der Florentiner und Sieneser Malerei des Tre- und Quattrocento sowie barocke Meisterwerke zu sehen. Eine faszinierende Ausstellung, die das Leben in seiner ganzen Spannweite spiegelt: Martyrium trifft auf Selbstdarstellung, Askese auf Opulenz, Moral auf Wollust.

Kunstvolle Altartafeln von Niklaus Manuel und den Berner Nelkenmeistern und intime Andachtsbilder der mittelalterlichen Florentiner und Sieneser Malerei des 13. bis 15. Jahrhunderts stehen vornehmen Porträts und üppigen Stillleben von Joseph Heintz, Johannes Dünz, Albrecht Kauw oder Jean-Etienne Liotard gegenüber. Joseph Werners allegorische Darstellungen von Tugend, Gerechtigkeit und Heilkunst treffen auf dramatische Erzählungen aus der griechischen Mythologie. Mit rund 70 Gemälden und einigen Arbeiten auf Pergament zeichnet die Ausstellung Das volle Leben. Alte Meister von Duccio bis Liotard im Kunstmuseum Bern ein eindrückliches Bild der kontrastreichen und vielfältigen Motivwelt vom Spätmittelalter bis zum Barock.

Schätze aus sechs Jahrhunderten
Die in der Ausstellung gezeigten Werke umfassen Arbeiten des 13. bis 18. Jahrhunderts, beginnend mit Duccio di Buoninsegnas Maestà, dem ältesten Gemälde in der Sammlung des Kunstmuseum Bern. Dazu kommen wichtige Bestände von Berner Künstlern, aber auch einige Positionen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Einen Schwerpunkt bilden die kunstvollen Altartafeln der zwischen 1480 und 1510 tätigen Berner Nelkenmeister und der bedeutende Bestand an Werken des um 1484 geborenen Niklaus Manuel.

Ihm, der nicht nur Maler, Dichter und Grafiker, sondern auch Reformator, Reisläufer und Ratsherr der Stadt Bern war, und den Berner Nelkenmeistern ist in der Ausstellung der Hauptsaal gewidmet. Zahlreiche und teilweise freistehend präsentierte Altartafeln zeigen aufwendige und detailreiche Szenen aus dem Leben von Heiligen und laden zur vertieften Auseinandersetzung ein.

Irdische und himmlische Güter
Bern gehörte im Barock zu den mächtigen Stadtstaaten, und zumindest die wohlhabendere Bevölkerung genoss Jahrzehnte wirtschaftlichen Wohlstands. Opulente Stillleben, in denen unter anderem die reichen Erträge der Landgüter zur Schau gestellt wurden, sowie eine umfassende Auswahl repräsentativer Porträts spiegeln diese «material culture» und die Üppigkeit des bürgerlichen Lebens wider.

Gleichzeitig und im Gegensatz zur Präsentation des materiellen Reichtums wurden in der Malerei auch Konzepte einer guten und tugendhaften Lebensführung verhandelt. Davon zeugen unter anderem allegorische Gemälde von Joseph Werner und die berühmte Berner Kebes-Tafel von Joseph Plepp. Das monumentale, über 3 Meter breite Gemälde mit rund 200 Figuren zeigt die Irrungen und Wirrungen des Menschen auf seinem Weg zum Heil.

Das Legat Adolf von Stürler
Ein besonderes Highlight der Ausstellung bildet eine Auswahl von Werken aus dem Legat des Künstlers Adolf von Stürler (1802–1881). Der Maler vermachte dem Kunstmuseum Bern knapp 170 Werke, die 1902 Eingang in die Sammlung fanden. Darunter Arbeiten italienischer Florentiner und Sieneser Meister des Tre- und Quattrocento wie Bernardo Daddi, Fra Angelico und aus der Werkstatt von Sandro Botticelli, die in der Schweiz ihresgleichen suchen und zu den ältesten und wertvollsten Gemälden in der Sammlung des Kunstmuseum Bern gehören. Teil des Bestands ist auch die ebenso kostbare wie berühmte Maestà von Duccio di Buononsegna. Sie ist neben weiteren Altarretabeln und Fragmenten in einem Kabinett der Ausstellung zu sehen.

Von Flora, Neptun und Venus
Den Kontrapunkt zu der Vielzahl von biblischen Szenen bilden in einem weiteren Kabinett mythologische Darstellungen aus der Hand von Berner, französischen und niederländischen Künstlern. Die kleine, aber feine Auswahl zeigt Schicksale der griechischen Götter und Nymphen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Als Besonderheit werden dort zudem Miniaturen von Joseph Werner gezeigt. Die kleinen und sehr filigranen Werke auf Pergament werden aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit nur selten ausgestellt. (Kunstmuseum Bern/mc/ps)

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