Maria Elena Rossi, Marketing-Direktorin der italienischen Zentrale für Tourismus ENIT, im Interview

Maria Elena Rossi, Marketing-Direktorin der italienischen Zentrale für Tourismus ENIT, im Interview
Maria Elena Rossi, Marketing-Direktorin der italienischen Zentrale für Tourismus ENIT

Von Dominik Buholzer

Italien steht bei Schweizern hoch im Kurs. Welche Städte und Regionen sind diesen Sommer besonders gefragt?

Maria Elena Rossi: Auswertungen des Nationalen Statistischen Amt für Tourismus (ONTIT) zeigen, dass Schweizerinnen und Schweizer online vor allem nach Mailand, Rimini, Rom und Venedig suchen.

«Die Schweiz zählte im vergangenen Monat nach Deutschland, den USA und Österreich zu jenen Ländern mit den meisten Suchanfragen nach einer Unterkunft in Italien.» Maria Elena Rossi, Marketing- und Promotion-Direktorin der italienischen Zentrale für Tourismus ENIT

Wie viele Gäste aus der Schweiz erwarten Sie?

Viele (lacht). Wie viele es genau sein werden, werden wir dann sehen. Wir wissen aber, dass das Interesse der Schweizerinnen und Schweizer an Italien in diesem Jahr sehr gross ist. Das zeigen beispielsweise die Auswertungen der Goolge-Suche. Die Schweiz zählte im vergangenen Monat nach Deutschland, den USA und Österreich zu jenen Ländern mit den meisten Suchanfragen nach einer Unterkunft in Italien.

Was empfehlen Sie jenen, die noch nichts gebucht haben?

Sehr zu empfehlen sind kleine Dörfer abseits der ausgetretenen Pfade wie man sie auf der Webseite «borghi piu› belli d’italia» findet. Sie sind der perfekte Weg, um die wunderschöne und einzigartige italienische Landschaft zu erleben. Wer gerne Aktivferien macht, für den ist sicherlich die Via Francigena, die Strasse nach Rom, etwas. Wer nicht wirklich im Sommer vereisen muss, dem lege ich die Nebensaison ans Herzen.

Weshalb?

Man kann dann ein ganz entspanntes und ruhiges Italien erleben. Und wer in den kommenden Jahren entspannt den Ferien entgegenblicken möchte, dem empfehle ich, sich frühzeitig zu informieren. Es wird Einiges laufen.

«Das «Albergo Diffuso» ist ein Hotel, das durch die Vernetzung von benachbarten, bereits bestehenden Häusern entsteht: Die Strassen werden zu Hotelfluren, die die einzelnen Unterkünfte verbinden, die Piazza zum Salon und Aufenthaltsraum.»

Was steht an?

Der Ryder Cup, das wichtigste Golfturnier, findet im kommenden Jahr in Rom statt und Bergamo und Brescia werden dann «italienische Kulturstädte 2023» sein. Zwei Jahre später ist Gorizia in der Region Friaul-Julisch Venetien «Europäische Kulturhauptstadt». Und 2026 steht «Milano Cortina 2026» an, die Olympischen und Paraolympischen Winterspiele. Es ist dies eine wunderbare Gelegenheit für Italien, die Welt des Sports zu versammeln und seine Schönheit in Cortina und Mailand, die nur wenige Stunden von der Schweiz entfernt sind, zu präsentieren.

Nachhaltigkeit ist das Wort der Stunde. Was können Touristen in Italien in Bezug auf sanftem Reisen erwarten?

Eines der spannendsten und einzigartigsten Projekte ist «Alberghi Diffusi». Es ist ein Konzept, um um kleine, historische italienische Dörfer und Stadtzentren abseits der üblichen Touristenpfade wieder zu beleben. Das «Albergo Diffuso» ist ein Hotel, das durch die Vernetzung von benachbarten, bereits bestehenden Häusern entsteht: Die Strassen werden zu Hotelfluren, die die einzelnen Unterkünfte verbinden, die Piazza zum Salon und Aufenthaltsraum. Zum Frühstück trifft man sich in der lokalen Bäckerei, das Abendessen wird in der Trattoria um die Ecke serviert. Einheimische und Gäste sitzen ganz selbstverständlich nebeneinander und essen die gleichen regionalen Gerichte.

Was können Sie in Sachen Nachhaltigkeit sonst noch empfehlen?

Da würde es noch vieles geben. Beispielsweise die Verbesserung der «Sharing Economy»-Systeme in Grossstädten wie beispielsweise E-Mobilität, Bike-Sharing, Elektroroller. Zudem möchten wir, dass unsere Gäste mehr mit dem Zug anreisen. 

Mit dem Zug?

Nach Italien fährt man am besten im Zug. Wir können uns in Sachen Zugreisen zwar nicht mit der Schweiz messen. Aber wir haben in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte gemacht. Überzeugen Sie sich selbst. Die Anreise mit dem Zug ist auch viel entspannter. Sie können die wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft geniessen: die Dolomiten, die Weinberge, das Mittelmeer, die Wälder, die bunten, alten Dörfer und vieles mehr. Sie können auch gut ihr Velo mitnehmen.

Italien hat die meisten seiner Corona-Massnahmen rechtzeitig für die Sommersaison aufgehoben. Was sollten Italienreisende trotzdem nicht vergessen?

Sie sollten sich auf unserer Website über den aktuellen Stand der Dinge informieren. In überfüllten Innenräumen empfiehlt sich das Tragen von Gesichtsmasken, auch wenn es dafür keine Pflicht gibt. Weiterhin vorgeschrieben wird das Tragen von Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln.


Maria Elena Rossi
ist seit 2018 Leiterin der Abteilung Marketing und Promotion Management der Italienischen Zentrale für Tourismus ENIT. Seit 2010 ist sie Dozentin an der Universität Turin und der Universität Ost-Piemont, wo sie Tourismus, Planung, Marketingstrategie und Destinations-Management unterrichtet. Zuvor war Public Relation Manager für L’Oréal in Mailand. Zudem war sie Beraterin für die strategische Planung und das Marketing im Piemont vor, während und nach den Olympischen Spielen 2006 in Turin.

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