Schamanenreise ins Museum Rietberg

Schamanenreise ins Museum Rietberg
Skizze eines Schamanen in dem Gewand. (Bild: Museum Rietberg)

Zürich – Das weltweit älteste und zudem vollständig erhaltene Gewand eines Schamanen ist ab sofort für zwei Jahre zu Gast im Museum Rietberg. Das Gewand aus Rentierleder ist rundum reich behängt mit textilen und metallischen Artefakten. Diese dienten dem Schamanen als Hilfsgeister und Begleiter auf seinen Reisen in andere Welten.

In Sibirien gefertigt, gelangte das Gewand 1788 als Schenkung von Georg Thomas von Asch (1729–1807) nach Göttingen. Von Asch, ein aus St. Petersburg stammender Arzt und Generalfeldmarschall der russischen Armee, schenkte es aus Dankbarkeit der Göttinger Universität, wo er seine Ausbildung erhalten hatte. Die Ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität wird zurzeit baulich erneuert, weshalb das Museum Rietberg diesem einzigartigen Kulturgut vorübergehend eine Heimat bietet.

Alles auf der Welt ist belebt, denn alles in der Natur – egal ob Stein, Pflanze, Tier oder Mensch – besitzt eine Seele: Dieser Glaube ist ein Wesenszug des Schamanismus. In der schamanistischen Kultur Sibiriens wird die beseelte Welt als ein kosmischer Baum betrachtet, der in drei Ebenen gegliedert ist: in eine Ober-, Mittel- und Unterwelt. Schamanen – es können Frauen wie auch Männer sein – verfügen über die Fähigkeit, sich in diese Welten zu begeben. Dabei betätigen sie sich als Vermittler zwischen den Menschen und den in den anderen Sphären lebenden Mächten des Jenseits und der Geisterwelt und können so den Angehörigen ihrer Gemeinschaft helfen, sie beraten oder von Krankheiten heilen. Um mit den jenseitigen Mächten in Kontakt zu treten, versetzen Schamanen sich in Trance und Ekstase, meist mithilfe von rhythmischen Trommelschlägen und Tanz. Dabei löst sich die Seele des Schamanen von seinem Körper. In Trance empfängt er Botschaften aus dem Jenseits und aus der Geisterwelt. Diese Nachrichten übermittelt er an die Menschen, die ihn um Rat oder Heilung ersucht haben.

Das ausgestellte Schamanengewand stammt aus dem Gebiet der Ewenken, die früher als Tungusen bekannt waren. Sie siedeln in weiten Teilen Sibiriens, der Mongolei und im Norden Chinas. Das Gewand aus Rentierleder ist rundum reich behängt mit textilen und metallischen Artefakten. Diese dienen dem Schamanen als Hilfsgeister und Begleiter auf seinen Reisen in andere Welten. Unter den rund 70 Objekten aus Metall finden sich menschliche Figuren, Fische, Rentiere, Vögel und vieles mehr. Metallscheiben sind Symbole für Sonne und Mond, und blank polierte Metallspiegel dienen dem Zweck, böse Kräfte abzuwehren. Die Maske aus gehämmertem Kupfer verleiht dem Schamanen, der im Schein des Feuers ekstatische Tanzbewegungen vollführt, ein übernatürliches Aussehen. An der Schulter sind Ornamente aus Eisen angebracht, die an Geweihe erinnern; sie symbolisieren die Äste des Weltenbaums. (Museum Rietberg/mc/ps)

Museum Rietberg

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