Schweiz Tourismus will kein Wachstum um jeden Preis
Zürich – Nach dem Rekordjahr 2025 will Schweiz Tourismus die Nachfrage gezielter steuern. Die Branche soll wachsen, aber «nicht um jeden Preis». «Es war ein sehr gutes Jahr für den Schweizer Tourismus», sagte Direktor Martin Nydegger am Mittwoch vor den Medien. Man habe von einer breiten internationalen Nachfrage profitiert. Nun gehe es darum, die Gäste besser über das Jahr und die Regionen zu verteilen.
Mit 43,9 Millionen Übernachtungen erreichte die Hotellerie einen neuen Höchststand. Das entspricht einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber 2024 und einem Zuwachs von 11 Prozent gegenüber 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr.
Bemerkenswert ist, dass das Wachstum trotz weiterhin deutlich tieferer Zahlen aus Asien zustande kam. Aus China (inkl. Hongkong und Taiwan) waren es mit 1,2 Millionen Logiernächten zwar 5,2 Prozent mehr als 2024, aber 36 Prozent weniger als 2019. Nydegger rechnet auch nicht mit einer vollständigen Rückkehr: China setze vermehrt auf Inlandtourismus.
Impulse aus Europa und Nordamerika
Positive Effekte brachten der Eurovision Song Contest und die Frauen-Fussball-EM. Das stützte besonders den britischen Markt (+7,5 Prozent) – weil mit England und Wales zwei Teams vertreten waren und England als Europameister bis zum Schluss im Turnier verblieb.
Deutschland habe mit einem Plus von 2 Prozent positiv überrascht. Nydegger führt dies auf staatliche Investitionsprogramme zurück. Europa insgesamt kam auf 12,7 Millionen Übernachtungen (+3,9 Prozent).
Weiter stark wuchs zudem der US-Markt: 3,4 Millionen Logiernächte bedeuten ein Plus von 5,4 Prozent zum Vorjahr und 49 Prozent gegenüber 2019. Gleichzeitig verwies Nydegger auf Umfragen, wonach US-Amerikaner künftig seltener nach Europa reisen dürften.
Dafür entwickle sich Kanada inzwischen dynamischer. «Kanadier kommen derzeit lieber in die Schweizer Berge als nach Aspen», so Nydegger. Hintergrund sind politische Spannungen zwischen Kanada und den USA unter Präsident Donald Trump.
Die inländischen Gäste generierten mit gut 21 Millionen Logiernächten knapp die Hälfte des Gesamtvolumens (+2,6%). Während die Städte weiter zulegten, stagnierten die Bergregionen.
Fokus auf Lenkung und Akzeptanz
Im Jahresdurchschnitt sei allerdings noch immer jedes zweite Hotelbett leer, betonte Nydegger. Ziel sei daher eine bessere zeitliche und räumliche Verteilung – und nicht, dort zusätzlich zu wachsen, wo es ohnehin schon sehr viele Gäste habe.
Wichtig seien dabei auch die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung. Schweiz Tourismus will ausländische Gäste verstärkt mit hiesigen Gepflogenheiten vertraut machen – jedoch «ohne erhobenen Zeigefinger». Stattdessen setzt die Tourismusagentur auf eine YouTube-Kampagne. Gerade auch, weil touristische Hotspots zuletzt zeitweise an Belastungsgrenzen gestossen sind.
Angesprochen auf Crans-Montana sprach Nydegger von einem «fürchterlichen Ereignis». Mittel- und langfristig rechnet er jedoch nicht mit negativen Folgen für den Schweizer Tourismus oder das Wallis. Der Vorfall müsse sorgfältig aufgearbeitet werden – «und er darf nie wieder vorkommen». (awp/mc/pg)