Tauchen im Herzen der Schweiz: Vierwaldstättersee

Tauchen im Herzen der Schweiz: Vierwaldstättersee

Bild: Ahmed Ismail, Helmuth Fuchs

Am Vierwaldstättersee entstand 1291 durch den Bund von Uri, Schwyz und Unterwalden die alte Eidgenossenschaft, aus der im weiteren Verlauf die heutige Schweiz hervorging. In dieser von Sagen, Mythen und Geschichte geprägten imposanten und schroffen See-und Berglandschaft liegt auch ein Eldorado für Rebreather-Taucher.

Von Helmuth Fuchs

Wer wie ich vom Tauchvirus in den warmen Gewässern exotischer Unterwasserwelten mit explodierender Farben-und Artenvielfalt infiziert wurde, tut sich zuerst einmal schwer mit den kalten, dunklen und auf den ersten Blick sehr spartanisch belebten Seen der Schweiz. Speziell der Vierwaldstättersee mit seinen engen Windungen, schroffen Hängen, Felsabbrüchen, gesäumt von hoch aufschiessenden, unzugänglich wirkenden Urner Alpen erscheint eher als Drohkulisse, denn als einladendes Tauchrevier.

Aus den asiatischen Gewässern ins dunkle Herz der Innerschweiz
Ähnlich muss es auch René Röösli ergangen sein, der in den paradiesischen asiatischen Gewässern jahrelang eine Tauchbasis leitete und dann Ende der 1980er Jahre nach Luzern zurückkam. Vom Sporttauchen wandte er sich bald dem Höhlentauchen und dem technischen Tauchen zu. Die logische Weiterentwicklung folgte zum Trimix- und danach zum Rebreather- Tauchen. Heute ist seine Tec-Diving-Tauchschule in der Schweiz die erste Adresse für Rebreather-Belange, speziell für die JJ-CCRs.Dass heute zahlreiche Taucher mit den Kreislaufgeräten an ausgesuchten Plätzen die Tiefen des Vierwaldstättersees erkunden, hat viel mit dem Pioniergeist Renés und seiner Kollegen zu tun, darunter z. B. Dietmar Inäbnit. Sein Unternehmen Tec Diving bietet alle Tauchern, unabhängig von Kenntnis, Erfahrung und Können ein inspirierendes Umfeld, um die taucherischen Fähigkeiten zu erweitern. Mit Trim-Trainings und Tec-Tipps hält er alle Taucher auf Trab.

Die Loppers
Schon am “Kopf” des Vierwaldstättersees, ganz in der Nähe der Stadt Luzern, finden sich in Hergiswil mit den Tauchplätzen am Lopper (Lopper 1-3) für alle Ansprüche spannende Tauchreviere. Die Lage direkt unterhalb der Autobahnbrücke bietet bei Regen Schutz vor Nässe beim Umziehen. Der Einstieg bei Lopper 1 erfolgt über eine gut zugängliche Treppe, bei Lopper 2 über Eisenbügel in der Wand (nur für geübte Taucher) und bei Lopper 3 am einfachsten mit einem Sprung (ca. 2.5 Meter) ins Wasser bei der kleinen Kapelle.

Was diese Plätze an landschaftlichem Reiz oberhalb der Wasseroberfläche vermissen lassen, machen sie unter Wasser spielend wett. Imposante, steil abfallende Felswände, einfache, nach unten verlaufende Kiesbänke, von Tauchern deponierte Figuren und Gegenstände (Spiegel, Tauchglocke) und vor Fischen wimmelnde Uferzonen für die Deko. Versenkte Strommasten und weitere Relikte zeugen von der intensiven Bautätigkeit bei der Erstellung der Autobahn.

Dumpfes Pochen statt flirrender Puls
In warmen Gewässern, wie zum Beispiel dem Roten Meer, hat man das Gefühl von einem flirrenden Puls des Lebens, einem vibrierenden Überfluss an allem. Dazu im Gegensatz steht der dumpfe, kalte und unendlich langsame Herzschlag des Vierwaldstättersees. Während im Bereich bis 20 Meter die Sporttaucher oft kleinere „Tauchgärten” gestalten, lenkt unterhalb von 40 Metern in der zunehmenden Dunkelheit nichts mehr von der urtümlichen Kahlheit der Unterwasserwelt ab. Hier steigen die Temperaturen auch im Sommer kaum über fünf Grad, dem Auge erschliesst sich nur, was die Lampe zu erhellen vermag. Dafür ist die Sicht meistens gut genug, um die Respekt einflössenden Felsformationen wahrzunehmen.

Der Taucher passt sich hier der Dramaturgie der Umgebung an. Langsame Bewegungen, keine unnötigen, hektischen Aktionen, absolute Aufmerksamkeit für die Funktion der Geräte (Tiefenveränderung, Sauerstoff- Partialdruck) und die Bewegungen der Tauchpartner. Speziell im Winter können Fehler oder Materialversagen verheerende Folgen haben. Um so wichtiger ist es, den Tauchpartnern und ihren Fähigkeiten absolut vertrauen zu können…

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