Bündner Kunstmuseum Chur: Ausstellungen 2026
Chur – Im Atelier: Raum, Arbeit, Mythos (25.01.-05.07.2026). Das Atelier gilt seit jeher als Projektionsfläche: ein Ort des Rückzugs, der Inspiration, ein Raum der Intimität und der öffentlichen Zuschreibung zugleich. Von Alberto Giacomettis mythischem Arbeitsraum bis zu Warhols Factory als Begegnungsort reicht das Spektrum. Heute kann das Atelier eine Fabrik sein, ein kollektiver Arbeitsraum, in dem Kunst aus sichtbaren Prozessen entsteht. Für viele Kunstschaffende der Gegenwart ist es jedoch längst kein abgeschlossener Raum mehr, sondern ein erweitertes Feld – vernetzt, digital und mobil.
Die Ausstellung vereint Werke aus der Sammlung von Mirko Baselgia, Flurin Bisig, Stefan Gritsch, Maude Léonard-Contant und Catrin Lüthi K sowie Videoarbeiten von Matthew Barney, Klodin Erb, Paul McCarthy und Adrian Paci. Werke, die das Atelier als Denkraum, Produktionsstätte und Sehnsuchtsort neu verhandeln.
Susan Hefuna 21.02.-26.07.2026
Das Bündner Kunstmuseum präsentiert die erste umfangreiche Ausstellung der international renommierten Künstlerin Susan Hefuna in der Schweiz. Die in engem Austausch mit der Künstlerin entstandene Ausstellung zeigt einen repräsentativen Überblick über das vielfältige Schaffen. Susan Hefuna wurde 1962 geboren und wuchs in Ägypten, Deutschland und Österreich auf. Sie lebt heute in Deutschland und in der Schweiz. Ihre künstlerische Praxis umfasst Zeichnung, Fotografie, Installation, Video und Performance. Susan Hefuna erforscht das Zusammenspiel von Ort, Zeit und Wahrnehmung. Ihre Werke reflektieren die Dualität von öffentlichen und privaten Räumen und eröffnen neue Perspektiven auf subjek-tive Wahrnehmungen und Realitäten. Hefunas Arbeiten erzählen poetische Geschichten von Städten, Landschaften und kulturellen Dialogen und laden die Besucherinnen und Besucher ein, in ihre künstlerische Welt einzutauchen und Verbindungen über Grenzen hinweg wahrzunehmen. Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf dem Kulturraum Graubünden und seinen Beziehungen in die Welt.
Daniela Keiser. Oregano 21.02.-05.07.2026
Daniela Keiser (*1963) lotet in ihren Arbeiten seit Beginn ihres künstlerischen Schaffens unterschiedliche Darstellungsformate aus. Im Fokus steht dabei die Beziehung zwischen Bild, Sprache und Text. Ihre grossangelegten Installationen beziehen oft den ganzen Raum mit ein. Daniela Keisers Werke entstehen meist im Austausch mit Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Kulturen und anderen Sparten wie Musik, Literatur und Architektur. Für das Bündner Kunstmuseum gestaltet sie eine multisensorische begehbare Installation. In grossen Fotografien bezieht sie sich auf eine traditionelle indische Kunstform,
bei der Muster auf den Boden oder an Hauseingänge gezeichnet werden. In den Mustern sind Zeichen zu erkennen, deren Bedeutung aber verborgen bleibt. Der ganze Boden des Ausstellungsraumes ist zudem bemalt und lädt zum Nachdenken, zu Gesprächen und zum Austausch ein. Das Labor des Bündner Kunstmuseums wird so zu einem sozialen Raum, in dem verschiedene Kommunikationsformen verhandelt werden.
Heiner Kielholz 11.04.-02.08.2026
Heiner Kielholz (*1942) ist ein grosser Unbekannter in der Schweizer Kunst. Um 1970 gehörte er zur neuen Schweizer Avantgarde und stellte international aus. Danach zog er sich weitgehend zurück, reiste jahrelang ohne festen Wohnsitz und entwickelte ein Werk, das genährt war von den Erfahrungen der Orte, die er besuchte, und getragen war von einer künstlerischen Haltung, die den Reichtum dessen auslotet, was ihn umgibt und sein Leben prägt. Seit 1992 lebt und arbeitet Heiner Kielholz im Puschlav und im Veltlin. Er arbeitet kontinuierlich an einem stillen Werk, meist in kleinen Formaten. Er wird vor allem von Künstlerinnen und Künstlern hochgeschätzt und ist in verschiedenen Kunstmuseen der Schweiz mit wichtigen Werken vertreten. Seine Ausstellungen sind selten, werden aber immer sehr gut wahrgenommen. Wenn seine letzten grossen Ausstellungen das Spektrum seiner Themen weit fassten, konzentriert sich die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum auf die charakteristischen Interieurs und Stillleben, die in den letzten 15 Jahren entstanden sind. Sie ergeben ein einzigartiges Bild seines besonderen Blicks auf die Welt. Von Heiner Kielholz werden oft Parallelen zum Schriftsteller Robert Walser gezogen. Mit ihm teilt er die Liebe zu den unscheinbaren, alltäglichen Dingen des Lebens.
Jules Spinatsch
22.08. – 15.11.2026
Jules Spinatsch hat in den letzten 35 Jahren ein umfangreiches Werk geschaffen, das im In-und Ausland ausgestellt, gesammelt und publiziert wurde. Die Ausstellung zeigt das breite mediale Spektrum seiner Arbeiten und Vorgehensweisen. Eigenes und gefundenes Bild-material sowie Videos verarbeitet und arrangiert der Künstler zu Publikationen, Bildserien und fotografischen Installationen. Ausgehend von einem dokumentarischen Ansatz – „von dem, was ist, nicht was sein soll“ – untersucht Spinatsch die Möglichkeiten der Fotografie: von der Beobachtung gesellschaftlicher Ereignisse mittels Straight Photography bis zur Entwicklung halbautomatischer Aufnahmeverfahren, die scheinbar gegensätzliche Prinzipien wie Zufall und Kontrolle zu neuen Bildformen verbinden. Orte wie der Wiener Opernball, das WEF in Davos, Softwarefirmen, Atomkraftwerke, Gefängnisse, Skipisten oder auch brodelnde Schlammpools in Island werden zu seinen Forschungsräumen. Im Bündner Kunstmuseum realisiert der Künstler eine Präsentation, die im zweiten Untergeschoss eine neue Raumdramaturgie einführt. Spinatsch lädt ein – und fordert zugleich –, sich mit Fragen der Wahrnehmung, Macht und Kontrolle sowie deren Konstruktion und Repräsentation durch mediale Bilder auseinanderzusetzen. Dabei untersucht er Urheber- und Autorenschaft und lotet so das Potenzial und die Grenzen der Fotografie aus.
Thomas Hirschhorn My Atlas
22.08.-06.12.2026
Der in Bern geborene Thomas Hirschhorn wuchs in Davos auf, besuchte die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich und gewann ab Mitte der 1990er-Jahre internationale Anerkennung für seine Installationen. Er lebt und arbeitet seit 1984 in Paris. Unter dem Titel
«My Atlas» zeigt Thomas Hirschhorn im Bündner Kunstmuseum eine besondere Retro-spektive: Das Werk My Atlas (2025) ist eine persönliche Interpretation des Konzepts eines Atlas, inspiriert von Aby Warburgs «Mnemosyne Atlas». Es dient als verbindendes Element zwischen den verschiedenen Werken des Künstlers von Anfang der 1980er-Jahre bis heute und zeigt seine vielfältigen Beziehungen und seine künstlerische, soziale und politische Relevanz auf. Die Ausstellung bietet eine einzigartige Gelegenheit, einen tieferen Einblick in die Komplexität von Hirschhorns Schaffen zu gewinnen.
Haussmann Studiolo 05.09.-15.11.2026
Mit der Ausstellung «Haussmann-Studiolo» kehrt die Architektin und Designerin Trix Haussmann nach Chur zurück, wo sie 1933 geboren wurde und ihre Kindheit und Jugend verbrachte. Sie und ihr Mann, Robert Haussmann, gehören zu den wichtigsten Schweizer Gestaltern des 20. Jahrhunderts. Bekannt sind ihre Möbelentwürfe und zahlreiche prominente Umbauten im In- und Ausland. Ihr architektonisches und theoretisch verspieltes Werk hat in den letzten Jahren neue Aufmerksamkeit gefunden und wurde an verschiedenen Orten gewürdigt. Aus einer kritischen Reflexion der Moderne haben sie eine eigene Bildsprache entwickelt und sich innerhalb zeitgenössischer Diskurse mit einer eigenen Haltung behauptet. Die Ausstellung im Bündner Kunstmuseum erhebt den Anspruch, in konzentrierter Form eines «Studiolo» an die planerischen und konzeptuellen Grundlagen der Arbeit von Trix und Robert Haussmann heranzuführen und dabei erstmals auch deutlich zu machen, wie die bildende Kunst ihr Schaffen prägte.
Jahresausstellung 2026
05.12.2026 – 24.01.2027
Das erweiterte Bündner Kunstmuseum hat die Kunstszene in Graubünden merklich bewegt: Die Qualität der gezeigten Arbeiten aber auch die grosszügige Präsentation der Werke in den hellen und lichten Räumen des Museums machen die Ausstellung für alle attraktiv: für junge Talente ebenso wie für die bekannten Künstlerinnen und Künstler, die sich hier auf Augenhöhe begegnen: kein Kräftemessen, sondern ein anregender Dialog. Das begeistert auch das Publikum. Für die Teilnahme an der jurierten Ausstellung kann man sich ab Juli 2026 bewerben.
Kunstpreis Bündner Kunstverein (im Rahmen der Jahresausstellung)
Der Kunstpreis des Bündner Kunstvereins wird 2026 zum achten Mal an eine/n Bündner Kunstschaffende/n verliehen. Die Bekanntgabe erfolgt anlässlich der Finissage der Jahresausstellung 2025. Die Förderung umfasst eine Präsentation im Bündner Kunstmuseum im Rahmen der Jahresausstellung 2026.
Sammlung Ulmberg 12.12.2026-07.03.2027
Die Sammlung Ulmberg umfasst herausragende Werke der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sie enthält Werke von Künstlern und Künstlerinnen, die eng mit Ernst Ludwig Kirchner und der expressionistischen Bewegung verbunden sind, sowie Werke der klassischen Moderne von Emil Nolde, Lyonel Feininger, Max Beckmann oder Paul Klee. Ergänzt wird die Sammlung durch bedeutende Werke der konkreten Kunst und der Kunst der Gegenwart. Der private Sammler stellt dem Bündner Kunstmuseum seine Werke als Dauerleihgabe zur Verfügung. Das Bündner Kunstmuseum zeigt in einer Ausstellung ausgewählte Werke dieser Sammlung und macht deutlich, wie gut sich das versprochene Depositum in die museumseigene Sammlung fügen, diese ergänzen wird und neue Perspektiven öffnen kann. (Bündner Kunstmuseum Chur/mc/hfu)