Robert Jakobs Wirtschaftslupe: Atemlos durch die Macht
Von Robert Jakob
Im Tagesrhythmus bekommen wir mittlerweile Hiobsbotschaften serviert. Schuld daran sind die Dilettanten, die überall auf der Welt an den längeren Hebeln sitzen. Zumindest in einem Land scheint es Hoffnung zu geben, dass sich das Blatt wendet.
In Ungarn wächst der Vorsprung der Opposition auf die Partei Fidesz des sich seit 16 Jahren zunehmend diktatorisch gebärdenden regierenden Viktor Orbán. Seine Gegner nennen ihn mittlerweile «Viktator», weil er Ungarn in ein von ihm kontrolliertes Klientelsystem verwandelt hat. Klar, dass ihn kurz vor Schluss die von ihm kontrollierten Umfrage-Institute 21 Research Centre und Zavecz Research vorne sehen.
An Orbans Sieg oder Niederlage hängt auch nicht unwesentlich das Schicksal der Ukraine. Denn Putin-Freund Orban blockiert mit der Stimme Ungarns die Hilfsgelder der EU. Kurz vor der am 12. April anstehenden Wahl, dürfte Orbán noch einmal die Skandalkeule auspacken und den Wählern klarmachen, dass nichts ohne seine Apparatschiks im Lande funktionieren würde. Aber das wird nicht mehr reichen.
Monkey Business
Die Bereicherung weniger Privilegierter auf Kosten der Mehrheit kann man gut mit Nationalismus übertünchen. Das ist ein altgedientes Rezept. Deshalb überfiel die argentinische Militärjunta unter Führung des Generalleutnants Leopoldo Galtieri, unrechtlicher Präsident sowie Oberbefehlshaber des Heeres Argentiniens, die britischen Falkland-Inseln (Las Malvinas), ein armes Fleckchen Erde im Südatlantik. Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine lenkt von den wahren Problemen seines eigenen Landes ebenso gut ab wie die Attacke der USA gegen Iran. Trump stand durch seine erratische Wirtschaftspolitik mit dem Rücken zur Wand.
Dass sich jetzt ausgerechnet mit den USA und Iran zwei Länder bekriegen, welche die Bevölkerung mit uneinlösbaren Heilsversprechen beglücken, ist bezeichnend für eine Welt voller Führungsdilettanten. Die wirtschaftlichen Kosten dürfen selbstredend immer die anderen tragen.
Die Rechnung zahlt immer das Fussvolk
Ein konzertiertes überlegtes Vorgehen gegenüber dem Iran hätte einen langdauernden Krieg überflüssig gemacht. Zurecht sind jetzt alle sauer auf die Amis. Denn die erneute Zerstörung von Lieferketten wird die ganze Welt in Form von höheren Heiz-, Transport-, Lebensmittel- und generell Konsumgüterkosten tragen. In den USA ist die Arbeitslosenquote von 4,1 auf 4,3 Prozent gestiegen.
Sieht man sich an, wer in Amerika am Ruder ist, zerschlägt es einem die Sprache. Dem «Project 2025» geschuldet liegt der Intelligenzquotient der immer wieder vom Präsidenten «personally» auserkorenen Schleimer knapp über der Grasnarbe. Der Vizepräsident ist wie sein Chef ein grosskotziger Angeber. Und der ehemalige Verteidigungsminister und jetzige «Secretary of War» hatte vor seinem Karrieresprung null administrative Erfahrung. Sein laxer Umgang mit sensiblen militärischen Daten führte unter anderem zur Signalgate-Affäre, als zwei Stunden vor dem Angriff auf die Huthi-Terroristen die militärische Detailplanung ungesichert in einem Chat versehentlich auch noch einem Journalisten zugänglich gemacht wurden. Dass die Schweiz mit derartigen Entscheidungsträgern auf höchster Ebene nach dem Debakel um die F-15 und um das Patriot-Abwehrsystem noch Deals macht, ist naivst. Wenn es ihnen in den Kram passt, werden die USA zuerst für teures Geld gebaute Systeme an die Ukraine liefern und die Europäer bezahlen lassen (denn die Ukraine ist dem amerikanischen Volk komplett egal), bevor die Schweizer drankommen.
Gleichgültig wie lange er dauert: Der neue Iran-Krieg wird zwei Sieger haben. Egal wie viele Brücken und Öl-/Gasfelder zerstört und wie viele Flugzeuge abgeschossen werden, die Dummköpfe auf beiden Seiten werden den Sieg für sich reklamieren.
Aber wer weiss: Vielleicht wird in Ungarn die Wende eingeleitet, weil das dort veräppelte Volk schon mal einen der vielen Nichtskönner in die Schranken weist, solange Demokratie noch möglich ist.