Wer zusammenlebt, teilt sich viele Mikroben in Mund und Darm
Die Mikroorganismen im Körper ähneln sich bei Menschen im selben Haushalt – egal, ob es sich um Geschwister, Eltern und Kinder oder um WG-Mitbewohner handelt. Paare weisen besonders starke Gemeinsamkeiten auf.
Wer mit anderen Menschen in einem Haushalt lebt, teilt sich viel miteinander – das Badezimmer, Essen, den Netflix-Zugang. Aber nicht nur das: Mitbewohner tauschen auch Mund- und Darmmikroben stärker untereinander aus, als sie das mit anderen Menschen in ihrem Umfeld tun. Besonders bei Paaren ähneln sich die Mikroben im Mund sehr, was vermutlich mit Küssen zu tun hat.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift »Cell Press Blue« erschien. «Mit wem wir unser Zuhause teilen, kann einen grossen Einfluss auf unser Mikrobiom haben, was wiederum Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben kann», sagt der Bioinformatiker Vitor Heidrich von der Universität Trient, der Erstautor der Studie.
Als Mikrobiom werden alle Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren bezeichnet, die den Menschen oder andere Lebewesen besiedeln. »Wir wissen, dass Ernährung und andere Lebensstilfaktoren unser Mikrobiom verändern können. Aber diese Faktoren wirken auf die Mikroben, die sich bereits in uns befinden«, sagt der Bioinformatiker und Co-Autor der Studie, Nicola Segata. «Das beantwortet nicht die Frage, woher die Mikroben stammen.»
Verhältnis der Mitbewohner beeinflusst Mikrobenübertragung wenig – ausser bei Paaren
Um der Antwort näherzukommen, analysierten die Forschenden Daten zu Mund- und Darmmikroben von 430 Personen aus 207 Haushalten in Italien und Fidschi. Dabei identifizierten sie die Mikrobenstämme innerhalb jeder einzelnen Person und verglichen sie mit den Personen aus demselben Haushalt.
Im Durchschnitt wiesen zusammenlebende Personen zu 19 Prozent gemeinsame Mikrobenstämme im Darm und zu 26 Prozent im Mund auf. Bei Menschen, die getrennt voneinander wohnten, waren es sechs beziehungsweise null Prozent. Bei Paaren stimmten die Mikroben im Mund zu durchschnittlich 44 Prozent überein, was die Forschenden auf den Speichelaustausch beim Küssen zurückführen. Abgesehen davon war die Art der Beziehung der Mitbewohner – also ob es sich um Geschwister, Eltern oder Kinder handelte – nicht entscheidend.