CH-Verlauf: Ölpreisanstieg und Nahost-Konflikt setzen SMI unter Druck

CH-Verlauf: Ölpreisanstieg und Nahost-Konflikt setzen SMI unter Druck
(Adobe Stock)

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt steht am Dienstagvormittag deutlich unter Druck. Die erneute Eskalation im Nahen Osten und der kräftige Anstieg der Ölpreise belasten die Risikobereitschaft der Anleger weltweit. Im Fokus stehen im weiteren Tagesverlauf zudem die US-Inflationsdaten für Juni sowie der Auftakt der Berichtssaison mit den Quartalszahlen mehrerer US-Grossbanken.

Im Nahen Osten griff das US-Militär die dritte Nacht in Folge Ziele im Iran an und nahm die Seeblockade gegen iranische Häfen wieder auf. Zudem will Washington künftig eine Gebühr von 20 Prozent auf Frachttransporte durch die Strasse von Hormus erheben, was die Transportkosten gemäss Marktbeobachtern massiv erhöhen würde. «Die veränderte Lage macht das Marktumfeld unsicherer und risikoreicher», kommentierte ein Marktbeobachter. Im dünnen Sommerhandel seien deshalb auch grössere Kursschwankungen möglich.

Spannung versprechen am Nachmittag die US-Inflationsdaten. Zwar rechnen Ökonomen wegen der tieferen Benzinpreise im Juni mit einer niedrigeren Teuerung. Für die Geldpolitik sei jedoch vor allem die Entwicklung der Kerninflation entscheidend, die sich gegenüber dem Vormonat kaum verändert haben dürfte. Zusätzliche Aufmerksamkeit gilt dem ersten Auftritt des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh vor dem Kongress.

Ölpreis zieht wieder an
Die Ölpreise legten angesichts der Sorgen um die Strasse von Hormus weiter zu. Brent-Rohöl zog am Dienstag gegenüber dem Vortag um rund 5 Prozent an und stieg erstmals seit Mitte Juni wieder über 87 US-Dollar. Marktteilnehmer warnen, dass die Ölpreise länger erhöht bleiben könnten, sollte sich das Verhältnis zwischen den USA und Iran weiter verschlechtern und das Memorandum of Understanding (MoU) endgültig scheitern.

Der Leitindex SMI gibt um 10.55 Uhr um 0,85 Prozent auf 14’144,37 Punkte deutlich nach. Dabei stehen 18 Verlierer nur zwei Gewinnern gegenüber. Beim SMIM beträgt das Minus 1,02 Prozent auf 3093,51 Zähler, während der breite SPI 0,87 Prozent auf 19’889,40 Punkte nachgibt und damit wieder unter die Marke von 20’000 Punkten fällt.

Defensive keine Stütze
Nachdem defensive Schwergewichte den Markt zum Wochenauftakt noch gestützt hatten, geben sie nun ebenfalls nach. Nestlé, Novartis und Roche verlieren zwischen 0,5 und 1,0 Prozent. Grösster Gewinner bei den Bluechips sind Kühne+Nagel (+0,3%). Händler verweisen darauf, dass der Logistikkonzern von der höheren Komplexität und den steigenden Preisen im internationalen Frachtgeschäft profitieren könnte.

Auffällig ist die derzeitige Sektorrotation. Gefragt sind vergleichsweise defensive Telekomwerte wie Swisscom (+0,1%) und Sunrise (+0,5%). Auch Banken und Versicherer halten sich insgesamt besser als der Gesamtmarkt.

Gemieden werden dagegen vor allem konjunktursensitive Branchen. So gehören die Luxusgüterhersteller Richemont (-2,8%) und Swatch (-2,0%) sowie Bauwerte wie Sika (-1,4%) und Geberit (-1,3%) zu den grössten Verlierern. Ebenfalls schwach präsentiert sich die Reisebranche: Die Aktien des Reisedetailhändlers Avolta (-5,1%) und des Flughafens Zürich (-3,6%) geraten deutlich unter Druck.

Chemiewerte als Gewinner
Zu den wenigen Gewinnern zählen Clariant (+2,4%) und EMS-Chemie (+0,2%). Händler verweisen auf eine Einschätzung der RBC, wonach eine Blockade der Strasse von Hormus einem «Angebotsschock» gleichkäme, was die Margenaussichten für Chemieunternehmen verbessern könnte.

Unter den Nebenwerten gewinnen Belimo (+1,0%) nach einer Kurszielerhöhung durch die UBS hinzu. Unter Druck sind unter anderem auch SoftwareOne (-3,0%) nach der Auflösung der Doppelspitze und der Ernennung von Raphael Erb zum alleinigen CEO. (awp/mc/ps)

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